Duell: Schule ohne Bleistift

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Nicht nur durch Facebook, Twitter und Co. ist ein Leben ohne Computer für die meisten Jugendlichen unvorstellbar. Aber muss deshalb der Umgang mit dem Laptop auch in Schulklassen zur Pflicht werden?

pro contra
Die Welt dreht sich, verändert sich – und die Schule nicht. Als Bildungsinstitution darf die Schule keine Käseglocke sein, abgeschottet vom Leben außerhalb. Die Technologie wird immer schneller, iPads und Laptops sind mehr als Spielgeräte. Und es ist Aufgabe der Schule, genau das zu vermitteln.

Nicht auf Mitschüler angewiesen

Während der Lehrer die Klasse begrüßt, fährt der Laptop hoch. Wenn Lisa nicht im Unterricht sitzen kann, schmeißt sie zu jeder Tages- und Nachtzeit ihren PC an. Dann stehen die Hausaufgaben online auf dem Server. Sie ist nicht auf die Mitschüler angewiesen und muss nicht nachbohren, wenn es heißt „war langweilig, wie immer.“ Sie hat schon alle Arbeitsblätter, die besprochen wurden. Und auch die, die noch besprochen werden.

Notizen mit zehn Fingern

Dann sucht sie nette Menschen, die ihr ihre Notizen leihen. Verschnörkelt, verspielt, total unleserlich. Lisa ärgert sich, denn sie wird nicht wirklich schlau aus der Klaue ihrer Mitschüler. Viele sind auch nicht so schnell im Schreiben, haben die Hälfte vergessen. Lisa beherrscht das 10-Finger-Tastschreiben. Durch das Üben im Unterricht ist sie schnell, kann mitschreiben und alles problemlos weitergeben. Dazu muss sie die Anderen nicht mal persönlich vor sich haben, nicht aufwändig ihr Schriftbild entziffern.

Feedback für jeden

Die Hausaufgaben kann sie für den Lehrer in einem Portal online hochladen oder schicken. Jeder Schüler bekommt so ein Feedback – der Lehrer kann alles lesen. Abzüge wegen Unleserlichkeit gibt es nicht mehr. Wie sie mit Outlook, Word und Excel umgeht, das weiß Lisa genau. Sie übt es ja täglich. Später braucht sie das nicht mehr als „EDV Kenntnisse“ in ihren Lebenslauf zu schreiben. Es sind Basiskenntnisse, die überall vorausgesetzt werden.

Vorträge mit Powerpoint

An der Uni oder im Job – Lisa weiß, wie man Powerpoint gestützte Vorträge hält. Die Parallelklassen stehen mit großen Papierplakaten hilflos vor der Klasse. Erstmal erklären sie der letzten Reihe, was sie auf dem Plakat sehen könnten. Lisa baut in der großen Pause den Beamer auf, schließt ihren Laptop an. Sie sieht, was sie sagen muss auf dem Laptop, während der Beamer ihre selbstgestalteten Folien zeigt. Wie sie diese Doppeleinstellung hinbekommt, hat der Lehrer ihr gezeigt.

Lisa aus der Laptopklasse hat keinen Zettelwust. Sie spart Papier, schützt die Umwelt – und sich selbst vor dem Schnellhefterchaos.

Ich bin gegen die Einführung landesweiter Laptop-Klassen, denn es ist wichtig, das Schreiben auf Papier zu bewahren. Es ist eine Schreibweise, die man spontan und fast überall einsetzen kann – sofern etwas zu schreiben und ein Stift vorhanden sind. Sie ist zudem viel unkomplizierter, denn man muss nicht erst einen Laptop raus holen und warten, bis er hochgefahren ist.

Handschrift persönlicher

Mir gefällt es zudem, dass bei der handschriftlichen Schreibweise die persönliche Art zu schreiben erkennbar ist. Anders als bei den normierten Schriften am PC. Dadurch wird – mir zumindest – oft ersichtlich, was für ein Mensch der Verfasser ist: So kann die Schriftart zum Beispiel sehr ordentlich und sauber sein, verschnörkelt und verspielt oder aber total unleserlich.

Schüler würden weniger nachdenken

Außerdem ist bei dem traditionellen Schreiben auch noch die Beherrschung der korrekten Rechtschreibung zu sehen. In Zeiten von zahlreichen Auto-Korrektur-Programmen wird genau dies beim Tippen auf dem Computer nämlich verschleiert. Und hier liegt aus meiner Sicht auch das größte Problem: Die Schüler würden sich viel zu sehr auf die Technik verlassen anstatt selbst nachzudenken. Stattdessen sollten sie doch wissen, wie die Wörter richtig geschrieben werden – und zwar ohne technische Hilfe.

Grundlage der schulischen Bildung

Außerdem werden die meisten Deutschen doch sowieso schon immer fauler: von der elektrischen Zahnbürste über Navigationsgeräte bis hin zum eigenständigen Staubsauger. Wenigstens das handschriftliche Verfassen von Texten sollte da doch erhalten bleiben. Schließlich zählt es zu den Grundlagen der schulischen Bildung. Zumindest war es bisher immer so. Würde sich dies nun ändern würde somit also auch ein Stück Tradition verloren gehen.

In der Schule besteht darüber hinaus die Gefahr, dass bestimmte Dateien auf dem Laptop gespeichert sein könnten, die etwa zum Spicken verwendet würden. Und was ist eigentlich mit Kindern aus sozial schwächeren Familien, die sich keinen eigenen Laptop leisten können, aber in der Schule darauf getrimmt werden?

Handschrift beibehalten

Für mich sollte daher die handschriftliche Art und Weise beibehalten werden. Solche Grundlagen sollten von jedem beherrscht werden, da es auch ein viel besseres Verständnis von Buchstaben vermittelt. Zwar können die Schüler die Buchstaben, die sie tippen, erkennen, aber sind sie auch in der Lage sie selbstständig zu formen?

Mit der Einführung von Laptop-Klassen würde somit bald eines der selbstverständlichsten Dinge verloren gehen, das in der Schule gelehrt werden sollte – eine traurige Entwicklung.

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Foto: stockxchng/bizior, Montage: Steinborn/Schweigmann, Teaserfoto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.

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