Favela-Cup: Kicken um 800 Meter Kunstrasen

Während die Welt dem Profi-Fußball im Maracanã zuschaut, spielt eine kleine Auswahl von Kids aus Rios Favelas um 800 Meter Kunstrasen. Sie kommen aus den Teilen Rio de Janeiros, die das Militär erst vor einigen Jahren den Drogenbossen entrissen hat.

Pedro ist 11 Jahre alt und er schießt so gut wie kein zweiter. Er rennt auf das Tor zu, den rechten Fuß am Ball. Der Towart springt – und vorbei. Pedro spielt als Verteidiger in der Auswahlmannschaft der Cidade de Deus, der „Stadt Gottes“.

Militär gegen Drogenkartelle

Die Favela im Süden Rios wurde berühmt durch den gleichnamigen Kinofilm aus dem Jahre 2002: gewalttätig, kriminell, ohne Hoffnung. Ein Ort, der dem Staat entglitten war. Nicht einmal die Müllabfuhr hat sich noch in den Stadtteil getraut, die Drogenkartelle übernahmen sogar die Müllentsorgung.

Mittlerweile ist die Mehrheit der Favelas in Rio de Janeiro „befriedet“ worden. In einer beispiellosen Aktion rückte das Militär in die Stadtviertel ein, es gab unzählige Tote und Verletzte. Einige Favelas verwandelten sich daraufhin in Touristenmagneten, wie Roçinha oder Vidigal im Süden der Stadt. Die Grundstückspreise stiegen an und alteingesessene Bewohner mussten die Favela verlassen.

Viele wollen Profi werden

Pedro wohnt weiterhin in der Cidade de Deus. Er besucht regelmäßig die Schule, den Rest seiner Zeit kickt er mit den Jungs. Sein Trainer ist stolz auf ihn: „Jungs wie er haben das Zeug zum Profi. Nur gibt zu viele davon.“ Fast jeder aus Pedros Team will Profifussballer werden: Neymar, Hulk und David Luiz sind ihre Vorbilder. Anerkennung, Perspektive und Geld die vermeintlichen Aussichten.

Vermeintlich, denn auch befriedet gilt die Cidade de Deus immernoch als gefährlicher Ort, selbst Taxifahrer weigern sich, dort hinzufahren. Pedro lebt weiter dort, trainiert dort. Er hat Hoffnung. Am 10. Juli findet das Finale statt.

Niklas Rudolph ist Teilnehmer des Programms „Beyond your World“ von DW Akademie, Lokaalmondiaal und dem brasilianischen Sender Canal Futura. Das Programm wird gefördert von der Europäischen Komission und dem niederländischen Außenministerium.

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