Brasiliens bester Rohstoff: Fußballspieler

Sonne, Samba, Karneval und vor allem – Fußball! Kein anderes Land hat eine solche Verbindung zum beliebtesten Ballsport der Welt wie das Gastgeberland der diesjährigen WM. Kaum ein kleiner Junge würde nicht „Fußballstar“ als Berufswunsch angeben. Von diesem Traum lebt die Fußballnation Brasilien. Und der Weg vom jungen Straßenfußballer bis in die Elf eines europäischen Topteams wird in Brasilien mit allen Mitteln gefördert. Bis an die Grenze des Legalen.

Brasilien – Land des Spielerhandels

Der Brasilianische Fußball ist auf der ganzen Welt bekannt. Und dementsprechend auch seine Stars. Gerade zur WM dreht sich alles nur um Ausnahmetalente wie Neymar, Oscar oder Dani Alves. Es sind die wenigen, die den Traum vom Fußballstar zur Wirklichkeit gemacht haben. Ihnen stehen alle Türen offen. Die meisten entscheiden sich sehr schnell für die Tür, die aus Brasilien hinaus führt. Fast alle Topspieler verdienen ihr Geld in ausländischen Ligen, vor allem in Europa. Pro Jahr werden ungefähr 1000 Fußballspieler ins Ausland verkauft. Eine riesige Zahl. Das zeichnet sich auch in der Nationalelf ab. Aus dem aktuellen WM-Kader spielen gerade einmal zwei Feldspieler in der heimischen Liga. Der einzige Stammspieler, der noch in seinem Vaterland spielt, ist Fred.

WM-Kader der Seleção

  1 Jefferson (TW) Botafogo Rio de Janeiro
 12 Júlio César (TW) FC Toronto
 22 Victor (TW) Atletico Mineiro Belo Horizonte 
  2 Dani Alves FC Barcelona
  3 Thiago Silva Paris-St.-Germain
  4 David Luiz FC Chelsea London
  6 Marcelo Real Madrid
 14 Dante FC Bayern München
 15 Henrique SSC Neapel
 23 Maicon AS Rom
  5 Fernandinho Manchester City
  8 Paulinho Tottenham Hotspur
 11 Oscar FC Chelsea London
 16 Ramires FC Chelsea London
 17 Luiz Gustavo VfL Wolfsburg
 18 Hernanes Inter Mailand
 19 Willian FC Chelsea London
  7 Hulk FK Zenit St. Petersburg
  9 Fred Fluminense Rio de Janeiro
 10 Neymar FC Barcelona
 20 Bernard FK Shakthar Donezk
 21 Atletico Mineiro Belo Horizonte

Dass die meisten brasilianischen Fußballspieler ihr Glück im Ausland suchen, ist kein Wunder. Denn die „großen Vereine“ sind alle in Europa. Wenn ein Spieler bei einem Klub in Deutschland, England oder Spanien unterkommt, hat er es geschafft. Gleichzeitig sinkt der Wunsch, in der heimatlichen Série A zu spielen. Denn das Niveau ist vergleichsweise niedrig. Rund 30.000 Profis verdienen in Brasilien ihr Geld als Fußballspieler. Laut einer Studie des brasilianischen Fußballverbandes CBF (Confederação Brasileira de Futebol) verdienen sechzig Prozent von ihnen nicht mehr als den Minimallohn von umgerechnet 200 Euro. Und das auch nur, wenn sie das Geld überhaupt bekommen. Denn auch die großen brasilianischen Vereine sind oft mit ihren Gehaltszahlungen in Verzug. Der Traum vom Fußballstar bleibt bei den meisten ein ewiger Wunsch. Nur bei den wenigsten wird daraus auch Wirklichkeit.

Spieler exportieren als Geschäftsmodell

Ein weiterer Grund, warum es brasilianische Fußballer ins Ausland zieht, ist die Geschäftsstruktur der Vereine. Hier unterscheidet sich die Série A von fast allen europäischen Ligen. Denn mittlerweile hat sich der Erlös aus den Spielertransfers zur Haupteinnahmequelle der brasilianischen Liga entwickelt. Und der Export von Fußballspielern lohnt sich. Experten gehen von Werten um die 100 Millionen Euro im Jahr aus. Seit 1993, als die Statistik eingeführt wurde, sollen Spielertransfers der brasilianischen Wirtschaft ganze 2 Milliarden Dollar Devisen eingebracht haben. Damit sind Fußballexporte lukrativer als der Export von Kaffee oder Zucker.

Deutschland, als Gegenbeispiel, hat eine ganz andere Geschäftsstruktur. Hier sind die wichtigsten Gelder vor allem die TV-Rechte, Werbung und das Geschäft mit den Fans, also hauptsächlich Ticketverkäufe:

Einnahmen Bundesliga

Früh übt sich, wer ein Fußballstar werden will

Sowohl die Vereine als auch die Spieler in Brasilien sehnen sich also nach dem Geld der reichen europäischen Clubs. Das Geschäft brummt und noch ist kein Ende in Sicht. Brasilianische Spieler sind nach wie vor unter den begehrtesten, wenn es um Transferwünsche ausländischer Vereine geht. Deshalb investieren die Klubs schon früh: Bereits Kinder und Jugendliche trainieren in Talentschmieden für den Export nach Europa.

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