8. Juli 1982: Damals, als…

…die „Nacht von Sevilla“ zur Legende wurde.

Wer nach 1970 und vor 1982 das Licht der Welt erblickt hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit das Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich als wahres „Jahrhundertspiel“ bezeichnen. Und in der Tat: Kaum eine Partie hat mehr Geschichten zu bieten, kaum eine war an Dramatik zu überbieten.

Es begann gar nicht sonderlich spektakulär. Pierre Littbarski traf nach 17 Minuten zum 1:0 für Deutschland, wenig später glich Michel Platini vom Elfmeterpunkt aus. Bis zum Ablauf der regulären Spielzeit sorgte nur noch eine Szene für Zündstoff: Frankreichs Battiston lief allein auf Deutschlands Keeper Toni Schumacher zu. Der traf den französischen Stürmer mit voller Wucht – ein angebrochener Halswirbel, eine Gehirnerschütterung und mehrere verlorene Zähne waren das Resultat. Schumachers Kommentar: „Dann zahl‘ ich ihm halt die Jacketkronen.“ Ein großes mediales Echo hallte noch lange nach. Schumacher entschuldigte sich.

Richtig los ging es jedoch erst in der Verlängerung. Binnen acht Minuten erarbeiteten sich die Franzosen einen Zwei-Tore-Vorsprung. Joker Karl-Heinz Rummenigge stellte den Anschluss her. In der 108. Minute war es Klaus Fischer, der mit einem seiner unnachahmlichen Fallrückzieher den Ausgleich erzielte.

Es kam zum ersten Elfmeterschießen der WM-Geschichte. Die „Nacht zum Sevilla“ erhielt den endgültigen Ritterschlag zum mutmaßlichen „Jahrhundertspiel“. Frankreich hatte mit 3:2 die Nase vorn, als Uli Stielike sich den Ball zurechtlegte – und verschoss. Direkt im Anschluss jedoch parierte Schumacher den Elfmeter von Six. Es ging munter hin und her, bis der sechste Schütze der „Equipe Tricolore“, Maxime Bossis, an Toni Schumacher scheiterte.

Nach 120 Minuten und zwölf Elfmetern schoss Horst Hrubesch die deutsche Mannschaft anschließend ins Endspiel. Ein Spiel ging als „Nacht von Sevilla“ in die Fußballgeschichte ein – und Uli Stielike verschoss den bis heute letzten Elfmeter eines deutschen Spielers im Elfmeterschießen.

PS: Der 8. Juli brachte dem deutschen Fußball noch einen anderen Moment der Freude: Im Jahr 1990 reckte Lothar Matthäus nach einem verwandelten Elfmeter von Andreas Brehme den WM-Pokal in die Luft. Deutschland war zum dritten Mal Weltmeister. Und Teamchef Franz Beckerbauer schlenderte gedankenverloren über den Platz.

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