Im Fokus: Neuwahlen in Großbritannien

In Großbritannien finden (8. Juni 2017) Neuwahlen statt. Premierministern Theresa May möchte mit der Abstimmung ihre Position für die Brexit-Verhandlungen stärken. Allerdings konnte ihr Konkurrent Jeremy Corbyn von der sozialdemokratischen Labour Partei in den Umfragen zuletzt deutlich aufholen. Infos und Updates zum Wahltag:

+++ Warum finden die vorgezogenen Neuwahlen statt? +++

Nachdem die Premierministerin die Neuwahlen beantragt hat, wurde das Parlament nach einer eindeutigen Abstimmung Anfang Mai aufgelöst. May strebt mit den Neuwahlen eine breitere Mehrheit im Parlament an. Die Chancen standen so gut wie nie, da die Labour Partei in einer Krise steckte. Im Wahlkampf allerdings konnte Theresa May nicht punkten. Zusätzlich geriet ihre Beliebtheit durch die Anschläge in London und Manchester ins Wanken. Ihr wird vorgeworfen, dass sie während ihrer Zeit als Innenministerin tausend Polizeistellen gekürzt hat. 

+++ Die Umfragen vor der Wahl +++

Zeitweise lagen die Konservativen um Premierministerin Theresa May mit 20 Prozent vor der Labour Partei. Der Vorsprung schien allerdings die vergangenen Wochen über deutlich zu schrumpfen. Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen ein unterschiedliches Bild.

Quelle: Opinium und Survation/Good Morning Britain

+++ Für welche Inhalte stehen die Kandidaten? +++

Die Terroranschläge in London und Manchester waren ein Thema in Mays Wahlkampf. Um gegen den Terror vorzugehen, ist die Premierministerin bereit, Menschenrechte einzuschränken. Dazu möchte sie die entsprechenden Gesetze verschärfen. In ihrem Vier-Punkte-Plan zur Bekämpfung des Terrors fordert May, dass zum Beispiel das Internet stärker kontrolliert werden muss. Darüber hinaus möchte sie, dass Großbritannien die EU reibungslos und geordnet verlässt und die Einwanderer auf jährlich 100.000 beschränkt werden.

Jeremy Corbyn möchte Mays Sparprogramm beenden und wieder mehr Polizisten einsetzen. Wie die Außenpolitik genau aussehen soll, gab er noch nicht bekannt. Die Labour Partei verspricht in ihrem Wahlprogramm eine Verstaatlichung der Bahn und der Wasser- und Energieversorger. Der Fokus soll auf der Innenpolitik liegen: Schulen, Sozialleistungen und das Gesundheitssystem sollen reformiert werden. Bei den Austrittsverhandlungen möchte er den Zugang zum EU-Binnenmarkt aufrechterhalten.

+++ Wie läuft die Wahl ab? +++

Die Abstimmungen finden in Großbritannien traditionell donnerstags statt. Wer seine Stimme abgeben möchte, muss sich vorher registrieren lassen. Jeder Wähler hat dann eine Stimme, die er einem Kandidaten in seinem Wahlkreis geben kann. Alle fünf Jahre wählen die Briten ein neues Unterhaus nach dem relativen Mehrheitswahlrecht. Das bedeutet, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen den Wahlbezirk gewinnt und in das Unterhaus einzieht. So ist es zum Beispiel möglich, dass eine Partei landesweit eine hohe Prozentzahl der Wählerstimmen, aber nur wenige Sitze im Unterhaus erhält. Insgesamt gibt es 650 Wahlkreise.

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+++ Ungewöhnliche Wahllokale +++

In Großbritannien kann nicht nur in Wahllokalen wie etwa in Schulen, Kirchen und Gemeinden gewählt werden. Auch in Kneipen, Bauernhöfen und in Waschsalons können die Wähler ihr Kreuz setzen. Die Wahlbeteiligung lag im Jahr 2015 bei 66 Prozent.

+++ Die letzten Umfragewerte +++

Das letzte Ergebnis einer Wählerumfrage hat eine klare Tendenz für die Konservativen gezeigt. Es wird spannend, was die ersten Hochrechnungen ergeben werden. Das endgültige Wahlergebnis wird am Freitag feststehen.

+++ Letzter Wahlaufruf von Jeremy Corbyn +++

Der Kandidat der Labour Partei ruft 30 Minuten vor Schließung der Wahllokale nochmals die britische Bevölkerung zum Wählen auf.

+++ Das Ergebnis der ersten Hochrechnungen +++

Nach ersten Prognosen hat Theresa May die Wahl mit einer knappen Mehrheit gewonnen. Die Tories ziehen mit 314 Sitzen ins Parlament ein, berichtet die BBC. Zuvor hatten die Conservatives rund um May 330 Sitze im Unterhaus inne. Die Premierministerin hat durch die beantragte Neuwahl Einfluss im Parlament verloren.

+++ Die offiziellen Ergebnisse +++

Die Konservativen haben bei einer Auszählung fast aller 650 Wahlkreise keine Chance mehr, die 326 Sitze zu erreichen, die für die absolute Mehrheit notwendig sind. Das berichtet die BBC. Entsprechend haben die Tories nach einer Auswertung von 643 Wahlkreisen insgesamt 313 und die Labour Partei 260 Sitze erreicht. 

+++ Die Folgen des Wahlausgangs +++

Am 19. Juni beginnen die Brexit-Verhandlungen von Großbritannien mit der EU. May geht geschwächt aus den Neuwahlen hervor und konnte die absolute Mehrheit nicht erreichen. Ihre Position hat sich in den Verhandlungen nicht verbessert und auch seitens der Wähler hat sich ihr Rückhalt ebenfalls verschlechtert. Welchen Einfluss das Wahlergebnis auf die Verhandlungen mit der EU haben wird, wird sich in den kommenden zwei Wochen zeigen.

 

Teaser- und Beitragsbild: flickr.com/Jim Mattis lizenziert nach Creative-Commons

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