Studiengebühren auf der Kippe

Pflichtlektuere.com hat die Infos: Wie abhängig sind die Ruhr-Unis von den Gebühren? Welche Pläne haben SPD und CDU? Und wie gerecht sind die Studiengebühren eigentlich?

TEIL 1: Wie abhängig sind die Ruhr-Universitäten von den Studiengebühren:

Von Anne-Kathrin Gerstlauer

Uni Duisburg-Essen

Die Uni Duisburg-Essen rechnet nicht mit einer Abschaffung zum nächsten Wintersemester.

Die Uni Duisburg-Essen rechnet nicht mit einer Abschaffung zum nächsten Wintersemester. Bild: UDE

„Ohne Studiengebühren hätten wir ca. 20 Millionen Euro Mindereinnahmen im Jahr“, sagt Thomas Winck vom Dezernat Wirtschaft und Finanzen, zuständig für die Verteilung der Studiengebühren. An den Geldern hängen u.a. 160 Mitarbeiter-Stellen, diese sind teilweise auf zwei Jahre befristet, teilweise gibt es auch unbefristete Professoren-Stellen. „Diese Verträge können wir nicht mehr zurücknehmen“, so Winck. „Das Geld fehlt dann an anderer Stelle.“ In Duisburg und Essen seien etwa ein Viertel der Beiträge über zwei Jahre verplant. Deshalb hofft die Uni auf Kompensation. Gefährdet wären ansonsten auch die verlängerten Öffnungszeiten der Bibliothek und die Finanzierung von Tutoren. Aktuell steht die Verteilung der Studiengebühren für die nächste Periode an. „Wir verteilen jetzt erstmal, mit einer Abschaffung zum Wintersemester rechnen wir sowieso nicht.“ Dabei steht die Uni auch in Kontakt mit einer Mitarbeiterin aus Marburg, um die Situation in Hessen zu beobachten.

Ruhr-Uni Bochum

1000 studentische Arbeitskräfte hängen in Bochum an den Studienbeiträgen. Bild: RUB

1000 studentische Arbeitskräfte hängen in Bochum an den Studienbeiträgen. Bild: RUB

26 Millionen Euro hat die Ruhr-Uni Bochum im letzten Jahr an Studiengebühren ausgegeben. 1000 studentische Arbeitsplätze seien geschaffen worden, zusätzliche Bibliotheks-Laufzeiten eingeführt: eine „deutliche Verbesserung der Studienbedingungen“, sagt Pressesprecher Dr. Josef König. Verwendet werden die Studiengebühren für zentrale Projekte wie Infrastruktur, Qualitätsmanagement und Studierendenservice, sowie dezentrale Projekte der einzelnen Fakultäten. Dazu gehören u.a. große Projekte, wie das Gerichtslabor. In einem simulierten Gerichtssaal sollen angehende Juristen das Handwerk praktisch erlernen. Ebenfalls eingerichtet wurde eine studentische Veranstaltungskritik, Tutorenprogramme wurden erweitert. König hofft auf Kompensation im Falle der Abschaffung, im Blick hat die Uni aber auch die Lage in Hessen.

TU Dortmund

Die TU Dortmund hat die Öffnungszeiten der Bibliothek verlängert und Mentoren-Programme eingerichtet. Bild: Manuel Solde

Die TU Dortmund hat die Öffnungszeiten der Bibliothek verlängert und Mentoren-Programme eingerichtet. Bild: Manuel Solde

Zurückhaltend äußert sich Pressesprecher Ole Lünnemann zu möglichen Folgen: „Es wäre unseriös, da jetzt Panik zu machen. Wir wissen ja noch nichtmals, ob es überhaupt eine neue Regierung gibt.“ Aber auch für die TU wird das Szenario einer möglichen Abschaffung schon diskutiert: „Natürlich macht man sich Gedanken. Grundsätzlich würde alles wegfallen, was aus Studiengebühren finanziert wird.“ Die TU Dortmund hat jährliche Einnahmen von ca. 15 Millionen Euro. Davon fließen rund neun Millionen an die einzelnen Fakultäten. Ähnlich wie an den anderen Ruhr-Unis wurden die Öffnungszeiten der Bibliothek verlängert, neue Seminarräume gebaut, sowie Mentoren-und Tutoren-Programme entwickelt.

Seite 2: Was ist in Hessen nach der Abschaffung passiert, und wie sollen sich SPD und CDU beim Thema Studiengebühren einigen?

Seite 3: Wirtschafts-Professor Stefan Winter hält Studiengebühren für sozial gerecht

Seite 4: Journalistik-Professor Claus Euricht sieht stattdessen den Staat in der Pflicht