Foodsharing – Teilen statt Wegwerfen

Feiertag, ein langes Wochenende steht bevor, die WG ist im Aufbruch nach Hause – ein Problem bleibt: Der Kühlschrank ist noch randvoll. Obst, Milch, Gemüse: Auch über wenige Tage kann es für einige Lebensmittel kritisch werden. Eine Möglichkeit bietet die Seite “foodsharing.de”. Hier kann man Essen, das man nicht mehr braucht, kostenlos zur Abholung einstellen. Oder aber man nimmt das Essen direkt mit zur Uni.

Denn an der TU Dortmund soll in absehbarer Zeit ein so genannter „FairTeiler“ eingerichtet werden: Ein großes Regal, in dem man Lebensmittel unterbringen kann, die man mit anderen teilen möchte. Angestoßen und organisiert wurde das Projekt von mehreren Studierenden der TU, der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) unterstützt die Initiative. „An der TU soll eine erste Keimzelle für Dortmund entstehen“, sagt Jascha Stümmler, Ökologie-Referent des AStA. „Zur Frage stehen noch ein Betreuungskonzept und Brandschutzmaßnahmen.“ Es wird angedacht, das Regal entweder im Foyer der Emil-Figge-Straße 50 oder in den Räumlichkeiten des AStA aufzustellen. Das Vorhaben geht jetzt in die heiße Phase, in einer zeitnahen Begehung soll der endgültige Standort festgelegt werden. 

Eine neu gegründete AG der Studierendenschaft wird alle weiteren Abläufe, Beaufsichtigungen und Werbung organisieren. Wer in dieser AG mitwirken möchte, ist herzlich willkommen: Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich nämlich ausschließlich aus freiwilligen Helfern zusammen. Auch sind Kooperationen mit nahen Lebensmittelläden, wie zum Beispiel „Fruchtbare Erde“ in Eichlinghofen, angestrebt. Verantwortliche der AG würden dort am Tagesende Lebensmittel abholen, die sonst entsorgt würden, und sie im Regal unterbringen – neben den Nahrungsmitteln, welche die Studierenden ohnehin dort tauschen können. „Ich hoffe sehr, dass das Projekt noch in diesem Semester anläuft“, betont Stümmler. 

Ein voller Kühlschrank vor dem Urlaub - wohin mit dem Essen?

Ein voller Kühlschrank vor dem Urlaub – wohin mit dem Essen? Teaser: foodsharing.de Foto: Alfred Heiler / pixelio.de

Geteiltes Essen in ganz Deutschland

Das allgemeine Konzept des „foodsharing“ ist relativ simpel: Die Internetplattform bietet Privatpersonen, Händlern und Produzenten die Möglichkeit, überschüssige Lebensmittel kostenlos anzubieten oder abzuholen. Betrieben wird die Seite von dem Verein foodsharing e.V. aus Köln, finanziert wird sie ausschließlich über Spenden. Zum ehrenamtlichen Vorstand gehören auch einige namhafte Persönlichkeiten wie die Filmemacher Valentin Thurn und Frank Bowinkelmann, aus deren Feder die Dokumentation “Taste the Waste” stammt. Die behandelt das Thema Lebensmittelverschwendung – und genau diese versucht das Team mit ihrer Plattform einzudämmen. Überschüssige Lebensmittel sollen mit anderen geteilt werden, anstatt im Müll zu landen. Dabei soll kein Geld fließen: Die Betreiber möchten erreichen, dass Lebensmittel über ihren Status als Ware hinaus einen ideellen Wert erhalten.

Mittlerweile stehen in ganz Deutschland “FairTeiler” – öffentliche Kühlschränke und Regale, in denen man seine Lebensmittel zur Abholung einlagern kann, aber genauso gut auch welche mitnehmen darf. Drei dieser Hotspots stehen im Kölner Stadtgebiet, einer in Hürth und einer in Voerde. Weitere wurden in Eigeninitiative zum Beispiel an der TU Darmstadt, der Uni Mainz oder in der Cottbusser Innenstadt eingerichtet.
Der Dortmunder Hotspot ist somit einer der Ersten im Ruhrgebiet.

Schnelle Verteilung über soziale Netzwerke

Ein weiterer Weg, schnell und unkompliziert Lebensmittel zu teilen oder zu finden, sind städtebezogene Gruppen bei Facebook. Die Dortmunder Foodsharing-Gruppe hat mittlerweile über 350 Mitglieder – einige mehr, andere weniger aktiv. Rund um die Uhr werden dort Übersichtsfotos oder Listen mit Lebensmitteln eingestellt, die den Besitzer wechseln sollen. Häufig ist bereits nach wenigen Stunden alles verteilt, in der Gruppe herrscht eine rege Kommunikation. Dabei gelten auch bestimmte „Spielregeln“: die „Foodsharing Etikette“, die jeder, der Lebensmittel einstellt, einhalten sollte. Dazu zählen Verantwortung und Zuverlässigkeit gegenüber der Gemeinschaft und  dem Tauschpartner, sowie Ehrlichkeit bei den Angaben. Außerdem muss man beachten, dass einige Lebensmittel aus hygienischen Gründen gar nicht über foodsharing.de angeboten werden dürfen, dazu zählen frisches Fleisch, Fisch, Geflügel und rohe Eierspeisen. Verschmähten Nahrungsmitteln eine zweite Chance geben – das ist das Ziel aller Beteiligten.