Das alles für die Straße: Der Straßenbegeher

oemer-titelbild2Schlaglöchern, Unkraut und Rissen im Asphalt sagen sie den Kampf an. Sie sind die Freunde des Straßenbelags und ihre Augen sind ihre Waffen. So kurios der Beruf des Straßenbegehers auch erscheinen mag, sie sind die Retter deutscher Straßen und Bürgersteige, denn sie kontrollieren, wo es an unseren Wegen hapert und die Verkehrssicherheit in Gefahr ist. Eine Ode an die heimlichen Helden unserer Straße.

Was wird nicht alles über Straßen geklagt. Auf ihnen ist es zu laut, sie sind zu dreckig und am schlimmsten, sie sind kaputt. Ömer Gezginc kennt die Straße wie kein anderer, denn er ist Straßenbegeher der Stadt Bochum. Wem das jetzt nichts sagt, kann beruhigt sein, der Job des Straßenbegehers führt in der Bevölkerung ein Schattendasein. Auch Ömer konnte, bevor er im Straßenbau angefangen hat, nichts so Recht mit dem Begriff anfangen.
Der Straßenbegeher aber ist der wortwörtliche Polizist der Straße. Er untersucht, wo es Schäden und Mängel auf ihr oder dem Bürgersteig gibt. „Ich schaue vor allem nach Stolperkanten auf dem Gehweg oder Schlaglöchern“, sagt der 33-jährige. Seit einem Jahr ist er der „Inspektor“ des Bezirkes Bochum Langendreer.
Täglich ist er auf der Suche nach Fahrbahnrissen, losen Gehwegsplatten oder wackelnden Pömpeln. Sein Job ist dabei nicht auf die leichte Schulter zunehmen. Zwischen 15 und 20 km läuft Ömer pro Tag. Im ganzen Jahr macht das satte 4200 Kilometer bei Wind und Wetter.

Ömer Gezginc notiert einen Gehwegsschaden. Foto: Thorben Langwald

„Das ist schon Training“, sagt er, als er in Bochum „Am Heerbusch“ entlang geht, „aber ich mache meinen Job gerne.“  Je nach Verkehrslage werden Straßen wöchentlich, alle 14 Tage oder auch nur alle zwei Monate kontrolliert. Zu Ömers Job zählt aber nicht nur das schlichte Überprüfen von allem, was sich da auf dem Boden abspielt. Ömer Gezginc kontrolliert auch, ob Verkehrsschilder noch lesbar sind, das Unkraut den Weg behindert oder die Laternen von Bäumen zugewachsen sind.

„Kleinlich oder penibel bin ich aber nicht“, sagt der 33-jährige über sich selbst. Trotzdem behält er vieles im Auge. Was für Menschen auf zwei Beinen kein Hindernis darstellt, kann für Rollstuhlfahrer schon zum Problem werden. Dennoch sagt Ömer Gezginc: „Gesunder Menschenverstand reicht aus“, und auch nicht jeder Schaden muss aufgenommen werden.  Findet er aber dann doch ein größeres Schlagloch, so muss schnell gehandelt werden. Innerhalb von drei Tagen ist die Stadt gesetzlich verpflichtet, solche gefährlichen Schäden auszubessern.

Insgesamt gibt es in Bochum zehn Straßenbegeher, neun Männer und eine Frau. Alle laufen sie ungefähr die gleiche Kilometerzahl im Monat.
„Ich schätze die frische Luft, die Eigenständigkeit beim Arbeiten“, sagt Ömer. Fünf bis sechs Stunden alleine zugehen, das macht ihm nichts. „Langeweile habe ich nicht. Ich höre Musik, während ich laufe und außerdem treffe ich ja auch Leute.“ Nicht alle aber können mit dem, was sie da beobachten, auch etwas anfangen.

Ein Schlagloch in der Fahrbahn Foto: Thorben Langwald

Wie der Straßenbegeher erzählt, guckt auch schon einmal der ein oder andere Nachbar misstrauisch durch sein Fenster, wenn er die Straßen auf und abgeht. Und selbst ein Zivilpolizist machte schon heimlich Fotos von ihm. „Es hatte in der Gegend viele Einbrüche gegeben“ so Ömer schmunzelnd.

Seine Freunde haben sich schnell an seinen neuen Job gewöhnt und vor allem die positiven Seiten gesehen: „Jetzt verdienst du sogar schon beim Laufen Geld.“ Als gelernter Straßenbauer hatte der Wechsel zum Straßenbegeher aber vor allem auch gesundheitliche Gründe: „Mein alter Beruf geht auf die Knochen. Wenn ich mit dem Presslufthammer früher auf der Straße gearbeitet habe, passierte es, dass ich auf einmal einen Hexenschuss bekam und mich nicht mehr bewegen konnte.“

Mit seinem neuen Job ist Ömer Gezginc rundum zufrieden. „Bis zur Rente“ kann er sich vorstellen als Straßenbegeher zu arbeiten. Die Straßen würden es ihm danken.

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