Berlinale – Roter Teppich und Bärenjagd

Robert Pattinson, Penélope Cruz, Hugh Jackman, Richard Gere, Catherine Deneuve. Roter Teppich, Medienrummel, Blitzlichtgewitter, Modesünden, Champagner und bestimmt auch Koks. Ein kleiner Ausblick auf die Fernsehbilder der nächsten elf Tage.

Der Cineast rümpft die Nase. Es sollte doch bei der Berlinale irgendwie um Kunst gehen. Was passiert eigentlich abseits des purpurnen Geläufs? Worin unterscheidet sich die Berlinale von den Festivals in Cannes und Venedig? Und welche Filme sind dieses Jahr die Geheimtipps?

Fragt man in Hollywood, was die Berlinale eigentlich ausmacht, bekommt man wahrscheinlich zu hören, dass es da sehr kalt ist. George Clooney sagt, er habe in Berlin den kältesten Winter des Jahrhunderts erlebt. Herr Clooney hat nicht unrecht. Berlin kann klimatechnisch mit den Festspielen in Cannes im Mai und Venedig im August nicht mithalten. Und der Termin Mitte Februar (9. bis 19. Februar) bringt noch eine andere Schwierigkeit mit sich. Er ist nämlich kurz vor der Oscarverleihung (26. Februar). Alles, was Ambitionen auf eine Oscarnominierung hat, sollte also am besten noch im Herbst in Venedig gelaufen sein. Am Ende heißt das: weniger Glamour für Berlin. Dafür ist die Berlinale aber das größte Publikumsfestival der Welt. In die heiligen Hallen von Cannes dürfen beispielsweise nur geladene Gäste kommen.

Das Bärenrennen

Insgesamt werden in diesem Jahr 399 Filme gezeigt, die auf verschiedene Sektionen aufgeteilt sind, also unter verschiedenen Kategorien laufen. Aber nur wenige Filme kämpfen im Wettbewerb um den Goldenen Bären. Auf dem liegt natürlich das Hauptaugenmerk: 18 Filme, davon 17 Weltpremieren, gehen ins Rennen um die Haupttrophäe.

Das Programm des Berliner Wettbewerbs ist immer sehr politisch. Dieses Jahr haben es auch ein paar Künstlerporträts in den Wettbewerb geschafft. Eröffnet wird das Festival mit einem Film, der beides ist. „Django“ ist ein spannendes Biopic über den Jazzgitarristen Django Reinhardt, der als Sinti 1943 im besetzten Paris vor den Nazis fliehen musste.

Diese Filme 18 sind im Wettbewerb der Berlinale nominiert

Der Experte für Literaturverfilmungen, Volker Schlöndorff, wagt sich mit Return to Montauk an seine nächste Max-Frisch-Adaption nach Homo Faber (1991). Auch ein Dokumentarfilm über das Leben des Künstlers Joseph Beuys findet sich unter den deutschen Produktionen. Der finnische Regisseur und Cineasten-Liebling Aki Kaurismäki könnte mit seinem nächsten Flüchtlingsdrama The Other Side of Hope ein heißer Kandidat im Rennen um die Trophäe sein. Solche Prognosen fallen aber bislang noch schwer, denn über die Wettbewerbsfilme lässt sich bisher kaum etwas sagen. Von den meisten gibt es noch keine Trailer zu sehen, besprochen wurden die Filme auch noch nicht. Über die Filme außer Konkurrenz erfährt man da schon mehr. Die Fortsetzung des Kultfilms Trainspotting von 1996 wird am 16. Februar, also noch während der Berlinale, offiziell in die Kinos kommen. Glaubt man den Kritikern, könnte das Drogendrama-Sequel an den Erfolg des ersten Teils anknüpfen.

T2 TrainspottingThe BarThe Other Side of HopeViceroy's HouseDjango

Renton kehrt nach 20 Jahren wieder nach Edinburgh zurück, das einmal sein Zuhause war. Vieles hat sich geändert, manches nicht. Seine Freunde von einst scheinen nur auf ihn gewartet zu haben und mit ihnen Ärger, Leid, aber auch Freundschaft und Zuneigung.

von Danny Boyle, Großbritannien 2017

Zwei Gäste einer Madrider Bar werden Opfer eines mysteriösen Anschlags. Unversehens sehen sich die Zurückgebliebenen einem Überlebenskampf ausgesetzt. Thriller und pechschwarze Komödie, in der sich die Welt wie in einem Wassertropfen spiegelt.

von Álex de la Iglesia, Spanien 2017

Zwei Männer treffen in der finnischen Hauptstadt Helsinki aufeinander: Khaled, der syrische Flüchtling, und Wikström, der ehemalige Handelsvertreter, der gerade ein Restaurant gekauft hat. Für eine Weile bilden die beiden eine utopische Schicksalsgemeinschaft.

von Aki Kaurismäki, Finnland/Deutschland 2017

Lord Mountbatten soll am Ende der britischen Herrschaft den Übergang Indiens in die Unabhängigkeit regeln. Zwischen Historienstück und Liebesdrama erzählt der Film von religiösen und ethnischen Konflikten und den bis heute nachwirkenden Folgen der Teilung.

von Gurinder Chadha Indien/Großbritannien 2016

 

Paris 1943. Der Swing-Gitarrist Django Reinhardt wird von NS-Besatzern aufgefordert, eine Tournee in Deutschland zu starten. Vor die Frage gestellt, ob er seine Kunst politisch missbrauchen lässt, muss er eine existenzielle Entscheidung treffen.

von Etienne Comar, Frankreich 2017

 

Neben dem Wettbewerb um den Goldenen Bären gibt es noch andere Sektionen. Im Panorama laufen Arthouse- oder Autorenfilme. Generation steht für Filme speziell für Kinder und Jugendliche. In Retrospektive, Hommage und Berlinale Classics wird Repertoire gespielt. Das Internationale Forum des Jungen Films, kurz Forum, ist die risikofreudigste Sektion der Berlinale. Avantgarde, Experimente und politische Reportagen werden hier vorgestellt. 

Tipp aus dem Forum: El mar la mar

Perlentaucher im Haifischbecken

Nur die wenigsten der 399 Filme werden wohl den Weg in die Kinos schaffen. Etwa 16.000 akkreditierte Fachbesucher, also Journalisten, Produzenten, Filmverleiher und Kinobetreiber, werden bei der Berlinale erwartet. Alle suchen sie nach den unentdeckten Perlen des Filmmarkts. Es wird spekuliert wie an der Börse. Was werden die Straßenfeger 2017, welcher Regisseur wird in nächster Zeit von sich reden machen und über welchen Film wird man noch in zehn Jahren sprechen? Hier entscheidet sich, ob Independent-Filme aus Panorama und Forum den Durchbruch schaffen oder wieder in der Versenkung verschwinden.

Wer am Ende mit einem Bären aus Berlin nach Hause fährt, hat wohl die besten Chancen, schon bald auf den großen Leinwänden dieser Welt zu sehen zu sein.

Tickets

Eine reguläre Kinokarte bei der Berlinale kostet 11€. Studenten bekommen 50% Ermäßigung.

Seit Montag läuft der Vorverkauf. Die Karten für die besonders begehrten Filme sind aber schon vergriffen.

Karten gibt es direkt auf der Internetseite des Festivals:

https://www.berlinale.de/de/programm/tickets/index.html

 

Beitragsbild: © Jan Windszus

Teaserbild: © Alexander Janetzko