Steuern sparen vor Moral? Der Skandal um Alice Schwarzer

Jahrelang hat sich Alice Schwarzer öffentlich für Gleichberechtigung eingesetzt. Jetzt kommt heraus, dass die Feministin jahrelang Steuern hinterzogen hat. Doch damit nicht genug: Sie selbst stellt sich als Opfer der Gesetzeslage dar. Ein Kommentar von Jana Heck.

Dreister geht eigentlich nicht mehr. Die deutsche Journalistin und Publizistin Alice Schwarzer setzte sich jahrelang für Frauenrechte, Gleichberechtigung und die ökonomische Unabhängigkeit der Frau ein. Dabei ging sie mit anderen schon des öfteren hart ins Gericht. Für viele wurde sie zur Heldin. 

Die Schweiz: Paradies für Skifahrer - und für Steuersünder. Foto: Katharina Wieland Müller/pixelio.de

Die Schweiz: Paradies für Skifahrer – und für Steuersünder. Foto: Katharina Wieland Müller/pixelio.de, Teaserbild: Benjamin Klack/pixelio.de

Jetzt kam heraus, dass Alice Schwarzer seit den 80er Jahren Steuern hinterzogen hat. Da spielt es nur eine verschwindend geringe Rolle, dass die Feministin sich selbst angezeigt hat.

Genauso wenig fällt ins Gewicht, dass Schwarzer rund eine Millionen Euro Startkapital in die Gründung der gemeinnützigen „Stiftung für Chancengleichheit und Menschenrechte von Mädchen und Frauen“ gesteckt hat. Denn Schwarzer besitzt tatsächlich die Dreistigkeit, die Stiftung exakt einen Tag  nachdem der Steuerskandal öffentlich wurde anzukündigen.

Ein großer Kritikpunkt ist auch Schwarzers Umgang mit dem Steuerskandal. Sie gesteht die Steuerhinterziehung als Fehler ein – nicht aber als Gesetzesbruch. Die Feministin verteidigt ihr Vorgehen sogar. In einer persönlichen Stellungnahme spricht sie davon, dass die „Hatz“ auf sie, sie in die Schweiz getrieben habe. Darüber hinaus greift sie den „Spiegel“ als Erstveröffentlicher direkt an und pocht auf Persönlichkeitsschutz im Fall von selbstangezeigter Steuerhinterziehung.

Doch es gibt einen Unterschied zwischen Alice Schwarzer und dem Normalbürger. Alice Schwarzer ist prominent und nimmt eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft ein. Und sie hat Gerechtigkeit zu ihrem obersten Grundsatz ernannt. Doch Steuerhinterziehung widerspricht genau dieser Maxime. Selbst, wenn sie für die vergangenen zehn Jahre rund 200.000 Euro nachgezahlt hat. Denn eines vergisst Schwarzer scheinbar, wenn sie betont, sie könne ihren Fehler wieder gut machen: Sie hat Steuern weitaus länger als zehn Jahre hinterzogen. Ein Teil ihrer Schuld ist offenbar schon verjährt und das Geld für  Staat und Gesellschaft damit verloren. 

Eines steht fest: Ein Sinnbild für Gerechtigkeit ist Alice Schwarzer längst nicht mehr. Ihre Selbstgerechtigkeit macht sie unglaubwürdig – nicht nur heute, sondern auch in Bezug auf ihre vergangenen Grundsätze.

 

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