Wissenswert: Was ist der Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten?

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Saudi-Arabien hat am Wochenende den schiitischen Geistlichen Nimr al Nimr hingerichtet. Die Schiiten demonstrieren seitdem heftig. Aufgebrachte Gläubige zündeten die saudische Botschaft in Iran an, das Land wies den Botschafter aus und brach alle diplomatischen Beziehungen ab. Zwischen dem sunnitisch geprägten Saudi-Arabien und dem vorwiegend schiitischen Iran herrscht seitdem Eiszeit.

Die zwei großen Glaubensrichtungen im Islam sind die Sunniten und die Schiiten. Die meisten Muslime auf der Welt sind Sunniten – ihr Anteil beträgt laut unterschiedlicher Schätzungen etwa zwischen 75 und 90 Prozent. Demnach sind etwa zwischen zehn und 25 Prozent der Muslime Schiiten. Die Anhänger der beiden Glaubensrichtungen stehen in einem Konflikt, der schon seit Jahrhunderten anhält. Genauer: Seit dem Jahr 632 nach Christus. Das ist das Jahr, in dem der Prophet Mohammed starb, der den Islam begründete.

Nach Mohammeds Tod begannen seine Anhänger darüber zu streiten, wer dessen Nachfolge antreten dürfe. Die meisten Muslime waren der Ansicht, Mohammeds Nachfolger solle frei bestimmt werden. Diese Gruppe wird als Sunniten bezeichnet. Der Begriff leitet sich von dem Wort Sunna ab, das übersetzt Brauch heißt. Unter dem Begriff werden die Überlieferungen und Verhaltensweisen Mohammeds gesammelt. Die Sunniten fanden, Mohammeds Nachfolger müsse gebildet genug sein.

Eine Minderheit war dagegen der Meinung, der Nachfolger Mohammeds dürfe nur jemand sein, der aus seiner Familie stamme. Sie legte sich deshalb auf Mohammeds Vetter Ali fest. Deshalb wurde die Gruppe Schiat Ali, also Partei Alis genannt. Daraus entstand der Name Schiiten.

Nachfolger Mohammeds wurde aber keiner seiner Verwandten. Seine Söhne waren zu jung und der Vetter Ali konnte sich nicht durchsetzen. So wurde Mohammeds Nachfolger sein Vertrauter Abu Bakr, der Sunnit war.

In Rechtsfragen unterscheiden sich Sunniten und Schiiten nicht allzu sehr. Nur die Gebete haben einen etwas anderen Wortlaut. Die gegenseitige Abneigung ist beinahe rein historisch begründet. Die Anhänger der beiden Glaubensrichtungen streiten sich bis heute darüber, wer der „wahre“ Nachfolger Mohammeds ist.

Zurück zum aktuellen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran: Dieser besteht vor allem deshalb, weil der kürzlich hingerichtete Geistliche Nimr al Mimr Schiit war und sich für die Rechte der Minderheit in Saudi-Arabien einsetzte. Weil der Iran ebenfalls schiitisch geprägt ist, ist das Land erbost über die Hinrichtung und wertet sie als politische Aktion gegen sich.

Beitragsbild: flickr.com/Marco Fieber