Wie schützt sich Dortmund vor einem Atomunfall?

AKW Grundremmingen

Auch wenn es in NRW keine laufenden Atomkraftwerke mehr gibt – das Land ist von Reaktoren umgeben. Was würde ein Atomunfall für Dortmund bedeuten? Und wie wappnet sich die Stadt?

Auch wenn der deutsche Atomausstieg schon seit einer gefühlten Ewigkeit feststeht – noch sind acht Kernkraftwerke in Deutschland am Netz. Auch in unseren Nachbarländern laufen noch Reaktoren. Bei einem Atomunfall könnte auch Dortmund betroffen sein. Die Stadt rüstet sich deswegen für den Ernstfall.

Zwar sind in NRW keine Atomkraftwerke mehr in Betrieb, aber rund 100 Kilometer von Dortmund entfernt liegt das Kernkraftwerk Emsland bei Lingen im südlichen Niedersachsen. Bei einem Reaktorunfall könnte die Strahlung über radioaktive Teilchen in der Luft nach Dortmund gelangen. Wie weit und schnell sich die Teilchen verteilen, hängt von der Wetterlage ab. „Bei einer mittleren Windgeschwindigkeit könnte das erste radioaktive Teilchen nach etwa zwei bis drei Stunden hier sein“, schätzt Maik Haalboom vom Bereich Einsatzplanung und Bevölkerungsschutz der Dortmunder Feuerwehr. Dafür müsste der Wind allerdings ungünstig aus Norden kommen, was eher selten sei. „In der Regel haben wir Westwind, das würde uns in die Karten spielen“, beruhigt Dirk Aschenbach, Direktor der Dortmunder Feuerwehr. 

Sicherheitsmängel in Tihange

Anders sieht es beim belgischen Atomkraftwerk Tihange aus, das rund 190 Kilometer in Luftlinie von Dortmund entfernt liegt. Hier würde Westwind die radioaktive Strahlung Richtung NRW treiben. Laut Maik Haalboom könnten die radioaktive Teilchen bei ungünstiger Wetterlage in ca. zehn Stunden in Dortmund sein. Das Kraftwerk Tihange macht vielen Menschen zurzeit Sorgen, weil in der Stahlwand des Reaktordruckbehälters feine Risse entdeckt wurden. Laut der belgischen Aufsichtsbehörde seien diese Risse schon bei der Herstellung entstanden. Einige Wissenschaftler bezweifeln das jedoch und sind der Meinung, die Schäden hätten sich im laufenden Betrieb entwickelt. „Das wäre durchaus schlimmer“, so Nikolaus Müllner vom Insititut für Sicherheits- und Risikowissenschaften in Wien.

So wappnet sich Dortmund

Der Dortmunder Feuerwehr-Direktor Dirk Aschenbach beruhigt im Hinblick auf das Risiko eines Atomunfalls: „Die Bevölkerung muss sich nicht in große Sorgen stürzen“. Trotzdem ist er der Meinung: „Es ist nicht auszuschließen, dass wir von so einem Ereignis betroffen werden und deshalb ist es richtig, sich darauf vorzubereiten.“

Letzten Monat hat Dortmund bereits seinen Vorrat an Jodtabletten aufgestockt. 524.000 Tabletten liegen nun bereit. Sie werden im Ernstfall an Kinder, Jugendliche und Schwangere verteilt. Für einige nördliche Dortmunder Stadtbezirke wie z.B. Mengede oder Brechten sind besonders viele Tabletten vorgesehen. Denn sie befinden sich noch im 100km-Umkreis des Kernkraftwerks Emsland. In dieser Zone sollen nach einem Atomunfall alle Menschen bis 45 Jahre die Tabletten einnehmen. In einem höheren Alter raten Experten von der Einnahme der Tabletten ab, weil dann die Nebenwirkungen überwiegen. 

So wirken Jodtabletten
Jodtabletten verhindern nach einem atomaren Unfall, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ansammelt. Denn ist ihr Jod-Speicher bereits voll, nimmt die Schilddrüse kein neues Jod mehr auf. 

Feuerwehrdirektor Dirk Aschenbach spricht sich dafür aus, die Tabletten nicht erst im Ernstfall zu verteilen. Eine Überlegung sei beispielsweise, dass sich die Menschen die Jodtabletten vorab in Apotheken abholen können. 

Dortmund setzt auch auf Sirenennetz und Warn-App

Ein weiteres Mittel, mit dem sich Dortmund für einen Reaktor-Unfall wappnet, ist die Installation von Sirenen in der Stadt. Ein solches Sirenennetz gab es bereits in den 90er Jahren. Jetzt soll es mit modernen Geräten wieder aufgebaut werden. So kann die Feuerwehr die Bevölkerung im Fall von Naturkatastrophen und großen Unglücken informieren.

Außerdem setzt die Feuerwehr auf die Warn-App NINA. Mit dieser Notfall-Informations- und Nachrichten- App des Bundes können die Nutzer Warnmeldungen für unterschiedliche Gefahrenlagen empfangen – zum Beispiel bei Bombenfunden, Hochwasser oder eben atomaren Unfällen.

Grundsätzlich empfiehlt die Feuerwehr, im Fall eines Reaktorunfalls im Haus zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Außerdem rät sie in einem solchen Fall dringend davon ab, Obst und Gemüse aus dem Garten zu essen. Denn auch mit der Nahrung können radioaktive Teilchen in den Körper gelangen.

Beitragsbild: flickr.com/Henning Mühlinghaus unter Verwendung der Creative Commons Lizenz

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