„Aufs Treppchen will man immer“

TU-Studentin Lisa Radke begann früh mit dem Tanzen. Bereits mit 13 Jahren nahm sie an ihrem ersten Cheerleading-Wettkampf teil. Drei Jahre später nahm sie an ihrer ersten „Showdance“-Weltmeisterschaft teil. Ihre diesjährige Saison beendete Lisa Radke mit der Europameisterschaft bei Dresden. Im Interview erzählt sie von skurrilen Wettbewerbsbedingungen, der jüngsten Weltmeisterschaft und ihrem inneren Schweinehund.

Lisa, du kennst dich sowohl mit Cheerleading als auch mit Showdance aus. Worin liegt der Unterschied zwischen beiden Sportarten?

Gemeinsam haben beide den Spagat, Pirouetten und Hebefiguren, das war es dann aber auch schon. Im Gegensatz zum Cheerleading gibt es beim Showdance ein Thema, man erzählt beim Auftritt eine Geschichte. Unser Thema ist in dieser Saison „Devine“, wir haben eine aufwendige Kulisse und Kostüme, die an griechische Götter erinnern. Im Showdance-Wettkampf haben wir übrigens statt zweieinhalb Minuten, wie beim Cheerleading, ganze vier Minuten Zeit zu tanzen.

Machst Du noch immer beide Sportarten?

Nein, die Belastung für die Füße war zu groß. Ich liebe es einfach, beim Tanzen Geschichten zu erzählen, deshalb habe ich mich für „Showdance“ entschieden.

Ausgeschaltete Gravitation: Hebefigur beim Showdance

Ausgeschaltete Gravitation: Hebefigur beim Showdance

Und wie oft trainierst Du?

Ich trainiere so dreimal die Woche für zwei Stunden, am Wochenende auch gerne mal viel länger.

Hast du da immer Lust zu?

Also, auch ich habe nicht immer Lust zu trainieren…

Wie überwindest du dann deinen inneren Schweinehund? Hast du einen Tipp?

Da wir ein Team sind, ist es einfacher für mich, mich zu überwinden. Ich habe einen Hebepartner für Hebefiguren, fehlt einer von uns, ist das schon ziemlich doof fürs Training. Ich würde empfehlen, sich in einem Verein oder für einem Mannschaftssport anzumelden, da geht man dann durch den Gruppenzwang schon eher hin.

Tanzt du beim Showdance mit einem Partner oder in der Gruppe?

Ich trete in einer Erwachsenen-Formation an, mich eingerechnet sind wir 24 Tänzer.

Es gibt beim Showdance verschiedene Kategorien, wie genau sind die unterteilt?

Es gibt zum  Beispiel Solos, Duos, Small Groups, in denen bis zu sieben Personen tanzen, sowie Formationen (bis zu 24 Personen)  und noch „Productions“, dort sind mehr als 24 Personen im Team. 2009 habe ich auch schon mal in der Kategorie „Productions“ getanzt, dabei tritt man acht statt vier Minuten auf. Hier wurden wir damals sogar deutscher Meister und Worldcup Champion.

Ist dir während eines Wettkampfes schon mal etwas schlimmes passiert?

Bisher bin ich zum Glück verschont geblieben, aber eine Teamkollegin leider nicht: Bei einem Wettkampf hat sich das Kostüm-Oberteil gelöst und sie stand oben ohne da. Da hilft es nichts, da muss man dann durch und tapfer weitertanzen: Würde man an sich „rumzuppeln“, wäre man beim Tanzen nicht mehr synchron – und das gäbe dann Punktabzug. Oben ohne zu tanzen gibt hingegen „nur“ eine Verwarnung. Punktabzug gibt es zum Beispiel auch, wenn wir für den Kulissenauf-oder Abbau länger als 45 Sekunden brauchen.

Immer synchron, auch wenn sich mal das Oberteil löst...

Immer synchron, auch wenn sich mal das Oberteil löst…

Die Saison begann im September direkt mit der WM in Prag, wie ist die für dich gelaufen?

Wie schon bei der letzten WM machten wir auch 2014 den 4. Platz. Damit war ich sehr zufrieden. Klar, man will möglichst immer aufs Treppchen, aber die Konkurrenz, allen voran die osteuropäischen Teams, waren wirklich sehr gut. Das muss man dann realistisch sehen. Zumindest konnten wir unser Niveau halten.

Und was war euer Ziel bei der Europameisterschaft?

Unser Ziel war der 4. Platz, bei der WM haben wir den ja auch geschafft.

Wie habt ihr dann letztendlich abgeschnitten?

Bei der Europameisterschaft von zwölf oder 13 Teams nur auf dem sechsten Platz. Da bin ich natürlich enttäuscht. Wir ertanzten uns bei der WM in dieser Saison auch noch den Titel „Beste deutsche Formation“, bei Turnieren in Deutschland landeten wir aber „nur“ auf dem 2. Platz.

Was hast du dir für die nächste Saison vorgenommen?

Ich plane gerade ein Auslandssemester, und werde daher in der nächsten Saison nicht an Wettkämpfen teilnehmen, sondern nur trainieren. Wenn ich zurück bin, geht es natürlich weiter.

 

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