Nachtmusik – Experten-Tipps gegen das Schnarchen

„Ich guck‘ den Leuten in den Hals.“ Um festzustellen, wer Schnarcher ist und wer nicht, hat Dr. Ronald Doepner eine simple Methode. In erster Linie sei das Scharchen auch gar keine Erkrankung, sondern „ein Schönheitsfehler“. Viele Menschen könnten damit problemlos leben. Die Schlafpartner würden deutlich mehr unter den Geräuschen leiden.

Trotzdem: „Schwere Schnarcher sterben früher“, sagt Ronald Doepner. Das Schnarchen wird zur Krankheit, wenn es zu Atemaussetzern führt. Zwar wird der Sauerstoffverbrauch bei jedem Menschen im Schlaf stark heruntergefahren im Vergleich zu der Zeit im Wachmodus. Wenn die Luft aber nicht mehr ausreicht, sprechen Mediziner von einer Schlafapnoe. Die Muskeln im Rachen sind dann nicht gespannt genug, um die Atemwege offen zu halten. Hoher Blutdruck und schlimmstenfalls ein Herzinfarkt können die Konsequenzen sein.

 

Tipp 1: Bewegung

Schnarcher sind oft übergewichtig. Denn: Fetteinlagerungen sind überall – auch im Mund. Bei dickeren Menschen sind die oberen Atemwege enger als bei Menschen, die regelmäßig Sport machen. Schon fünf Kilogramm über dem Normalgewicht können zum Schnarchen führen. Deshalb gilt: Sport treiben und abnehmen – zum Beispiel durch Joggen, Fußball spielen oder Radfahren.

Tipp 2: Finger weg vom Alkohol!

Gar nicht so einfach, auf das Bier oder den Cocktail auf der nächsten Party zu verzichten. Aber: Der Bettnachbar wird sich bedanken. Alkohol führt nämlich zur Entspannung der Muskeln. Und genau das ist das Problem: Wer schnarcht kann nämlich seine Muskeln im Rachenraum nicht vernünftig anspannen, um „leise“ zu schlafen. Durch Alkohol wird dieser Zustand noch verstärkt.

Tipp 3: Trompete spielen

Musik machen hilft! Beim Spielen von Trompete, Saxophon oder einem anderen Blasinstrument wird die Muskulatur im Rachen trainiert. Durch Einatmen und Rausblasen der Luft weiten sich außerdem die Atemwege. Ein selbstgespieltes „What a Wonderful World“ kann auch beim Schnarchen Wunder bewirken.

 

Der Dortmunder Lungenarzt Dr. Ronald Doepner in seiner Praxis an der Kampstraße.

Der Dortmunder Lungenarzt Dr. Ronald Doepner in seiner Praxis an der Kampstraße.

Tipp 4: Nicht in Rückenlage schlafen

Bei vielen Menschen blockiert die Zunge in der Nacht die Atemwege. Beim Schlafen fällt die Zunge in den Rachenbereich und das Schnarchen geht los. Das lässt sich einfach verhindern, wenn die Zunge „nach unten“ liegt. Dann bekommt man automatisch besser Luft. Konkret muss der Schnarcher seine Schlaflage anpassen. Keine Rückenlage mehr! Dafür kann er sich einen Tennisball auf die Rückseite seines Pyjamas nähen, damit er automatisch schief im Bett liegt. Wer nur auf dem Rücken gut schlafen kann, legt zwei Kissen unter den Kopf.

 Tipp 5: Aufbissschiene

Ein zurückliegendes Kinn kann auch der Grund für die lästigen Schnarchgeräusche sein. Das Kinn drückt auf den Unterkiefer und der hintere Rachenbereich wird verkleinert. Durch eine Aufbissschiene kann der Unterkiefer zurück nach vorne geschoben werden und das Schnarchen verschwindet in vielen Fällen.

Tipp 6: Beatmungsmaske

Besonders für Menschen, die unter einer Schlafapnoe leiden, führt kaum ein Weg an der Beatmungsmaske vorbei. Die Maske pumpt in regelmäßigen Abständen Sauerstoff in die Lungen des Patienten. Dadurch bleiben die Atemwege offen. Den Atemaussetzern wird vorgebeugt und das Herzinfarkt-Riskio sinkt. Allerdings können die Masken im Schlaf nicht nur helfen, sondern auch stören. Einerseits sind sie teilweise unbequem. Außerdem sehen sie einfach nicht schön aus, sagt Wolfgang Feist von der Dortmunder Selbsthilfegruppe Schlafapnoe.

 Tipp 7: Die Operation

Der ekelige Tipp: eine Somnoplastie. Bei dem operativen Eingriff wird die Zunge mit Elektroden geschrumpft. Wenn die Zunge zu groß ist und die Atemwege blockiert kann diese Methode für ein Schnarch-Ende sorgen. Elektroden werden in die Zunge gesteckt und auf 60 Grad erhitzt, dadurch zieht sich das Gewebe zusammen und die Zunge wird kleiner. Auch andere Eingriffe sind denkbar, um zum Beispiel das Zäpfchen zu verkürzen oder die Mandeln rauszunehmen.