Der Bayer im Dortmunder Eisadler-Dress

Die Semesterferien sind vorbei – und Felix Berger wird sie so schnell nicht vergessen. Denn für den TU-Studenten war es eine titelreiche Zeit: Mit den Eisadlern Dortmund wurde er erst Meister in der NRW-Liga, dann Vize-Pokalsieger. Für Felix persönlich bedeutete das den krönenden Abschluss seines ersten Jahres in Dortmund – zwölf Monate zwischen Eishockey-Feld, Hörsaal und Kinderwagen.

Kam für die schwangere Freundin in den Ruhrpott: Felix Berger. Fotos: Felix Berger

Kam für die schwangere Freundin in den Ruhrpott: Felix Berger. Fotos: Felix Berger

Als Felix Berger zum Gesprächstermin kommt, ist er nicht alleine. Der 25-Jährige – sportlich-lässig mit Sonnenbrille – schiebt einen Kinderwagen über den sonnigen Vorplatz des Stadtbahnhofs in Iserlohn. „Ich habe jemanden mitgebracht“, sagt er und strahlt. Greta heißt seine Begleitung. Noch etwas spärlich blond, lächelnd – und gerade einmal acht Monate alt. Felix’ Tochter – sie war es, die den Bayer in den Ruhrpott brachte.

Denn gut ein Jahr ist inzwischen vergangen, seit Felix von der Donau an die Ruhr kam. Aus Regensburg nach Iserlohn. Eine Fernbeziehung hatte er schon länger nach NRW geführt. Als seine Freundin dann unerwartet schwanger wurde, entschied er sich, zu ihr zu ziehen. „Das ist ja meine neue, meine eigene Familie“, betont er. Der Schritt aus der Heimat fiel ihm dennoch nicht leicht, das merkt man ihm an – und daraus macht Felix auch keinen Hehl. Eishockey, sagt er, sei in dieser Zeit eine große Starthilfe in der neuen Umgebung gewesen. Die ersten Kontakte sammelte er bei seinem Hobby auf der Eisfläche.

Im Eisadler-Team, das nach der Insolvenz des EHC Dortmund vor der Saison neu gegründet wurde, war er einer von vielen Neuen. „Wir waren ein wild zusammengewürfelter Haufen. Drei oder vier Leute haben schon gemeinsam bei EHC gespielt, der Rest kam aus anderen Vereinen“, erzählt Felix. Anschluss zu finden sei da nicht schwer gewesen – der bayrische Offensiv-Allrounder mit Scorer-Qualitäten war nicht nur auf dem Eis sofort integriert. „Wir hatten die perfekte Mischung aus jungen und erfahrenen Leuten, und es gab keinen in der Mannschaft, der außen vor war. Auch in der Kabine war die Stimmung super“, betont der 25-Jährige. Mit seinen vier Kufen-Kollegen aus Iserlohn bildete sich schnell eine Fahrgemeinschaft – und auch die erste Verbindung in den Uni-Hörsaal knüpfte Felix bei den Eisadlern: Marius Dräger, der Goalie, studiert ebenfalls an der TU.

Echte Überflieger: Ein Bayern München des Eishockeys

In der Uni arbeiten die beiden zusammen an ihrem Abschluss im Fach Sport – auf dem Eis waren sie beide wichtige Eckpfeiler für den Erfolg. Marius, der sichere Rückhalt der besten Liga-Defensive und Felix, einer der Top-Torschützen der besten Liga-Offensive. In 18 Spielen kassierte das Team nur eine Niederlage, der Aufstieg stand frühzeitig fest. „Es hat ein paar Spiele gedauert, bis wir uns gefunden haben“, betont Felix Berger. Doch dann wurde die Dominanz der Eisadler in der Liga deutlich. Überdeutlich. Der ärgste Verfolger, der EC Bergisch Land, wurde im Rückspiel mit 7:2 besiegt, gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte trafen die Dortmunder immer öfter zweistellig. Das 19:3 gegen die Zweite Mannschaft der Hammer Eisbären, das den Eisadlern die Meisterschaft sicherte, war ein Sinnbild der Spielzeit. Ob es nicht langweilig geworden sei? Felix zögert kurz. „Tore schießen macht ja durchaus Spaß und die Fans wollen auch Tore sehen. Gerade nach dem traurigen Ende des EHC’s waren sie heiß auf Erfolge“, sagt er dann – sich immer wieder aufs Neue zu motivieren, sei dennoch irgendwann schwieriger geworden.

In Action: Felix Berger, bei den Eisadlern mit der Nummer 8. In Bayern spielte der Offensiv-Allrounder bereits in der 3. Liga.

In Action: Felix Berger, bei den Eisadlern mit der Nummer 8. In Bayern spielte der Offensiv-Allrounder bereits in der 3. Liga.

Rein sportlich waren die Eisadler für Felix zunächst ein Rückschritt. In der vierten Liga hatte der TU-Student in der alten Heimat zuletzt mit dem EC Paffenhofen gespielt, kam in den Playoffs bis ins Halbfinale. „Das ist kein Vergleich, da war die Qualität schon höher“, betont der Bayer, der sogar schon am Profi-Geschäft schnupperte: Für seinen ersten Verein, den EV Regensburg, bei dem er mit elf Jahren mit dem Eishockey begann, war er in der Oberliga Süd unterwegs, der dritthöchsten Klasse. Der Liga, in der einige Top-Spieler vom Eishockey leben können. Zwei Aufstiege hatte er zuvor mit den Regensburgern gefeiert – und dabei den größten Moment seiner bisherigen Eishockey-Zeit erlebt: den Aufstieg 2009, damals von der Landes- in die Bayernliga. „Wir haben das entscheidende Spiel vor ausverkauftem Haus gespielt, da sind über fünftausend Zuschauer gekommen“, schwärmt er.

Mehr Zuschauer würde er sich manchmal in Dortmund noch wünschen: „Wir spielen zwei von drei Dritteln auf die Stehplatz-Kurve. Die ist momentan leider noch was leer, es wäre toll, wenn sich das ändern würde“, betont der Eisadler-Stürmer. Unzufrieden ist er dennoch nicht, für die erste Saison nach dem Neuanfang sei die Unterstützung schon richtig gut gewesen. Er selbst gibt sein Bestes, um Fans an die Strobelallee zu locken – vorbei am modernen Fußball-Tempel Signal-Iduna-Park hin zum kultigen, etwas versteckten Eisstadion. Zwei Kommilitonen hat er schon einmal mit zum Spiel genommen, die seien begeistert gewesen. Eine Tatsache, die Felix allzu gut nachvollziehen kann. „Eishockey hat eine enorm hohe Geschwindigkeit, es ist ständig Action, es gibt keine langen Unterbrechungen – und es fallen schlichtweg mehr Tore als im Fußball.“ Im Fernsehen schaut er gerne die großen Spiele der amerikanischen NHL. Seit er in Iserlohn ist, verfolgt er auch das Schicksal der heimischen Roosters in der Deutschen Eishockey Liga. „Wenn dafür Zeit ist“, sagt er lachend und streichelt Greta über den Rücken, die auf dem Schoß des Papas versonnen an einer Waffel lutscht.

Ein harter Fall für die Studienberatung

Während der Einstieg im Eishockey völlig problemlos klappte, hakte es an der Uni schon, bevor es überhaupt richtig losging. „Der Studienkoordinator hat gesagt, ich sei der härteste Fall, den er in seiner Dienstzeit betreut hätte“, erzählt Felix. Jetzt, im Rückblick, kann er darüber schmunzeln. Der Wechsel vom bayerischen ins nordrhein-westfälische Uni-System war ein Umstieg der schwierigeren Sorte. „Einiges konnte ich mir anrechnen lassen – vieles habe ich aber letztlich auch umsonst gemacht“, betont er. Lehrer für Haupt-, Real- und Gesamtschulen will Felix werden, seine Fächer: Mathe und Sport. In zwei oder drei Jahren, mit 28, möchte er gerne fertig sein – seine Freundin, die er inzwischen geheiratet hat, hält ihm nicht nur für die Uni-Pflichten, sondern auch für sein Eishockey-Hobby den Rücken frei: „Sie arbeitet bei meiner Schwiegermutter im Büro, kann ihre Arbeitszeiten flexibel legen und hat viel Verständnis“, sagt er. Dafür ist er ihr sichtlich dankbar.

Außer Puste: ja - geschlagen: nur einmal. Felix Berger und die Eisadler dominierten die NRW-Liga. Doch Felix hat mit den Dortmunder Kufen-Cracks noch viel mehr vor.

Außer Puste: ja – geschlagen: nur einmal. Felix Berger und die Eisadler dominierten die NRW-Liga. Doch Felix hat mit den Dortmunder Kufen-Cracks noch viel mehr vor.

Für die Zukunft mit den Eisadlern hat Felix Berger sehr genaue Ziele und Träume. Nun geht es erst einmal in die Regionalliga West, die vierte Liga – und wer Felix darauf anspricht, spürt förmlich die Vorfreude. „Das werden spannende Spiele“, sagt er. Zweistellige Siege werden im Eisstadion dann der Vergangenheit angehören – der Erfolg soll aber bleiben. „Wir haben im Pokal gegen Regionalligisten gezeigt, dass wir mithalten können“, betont Felix. Mit dem Uni-Sport, Kraft- und Lauftraining und Spielpraxis im Skaterhockey-Club Samurai Iserlohn will er sich im Sommer fit halten – bevor im September wieder das Training bei den Eisadlern startet und kurz darauf die Saison beginnt. Dann traut er seinem Team zu, oben mitzuspielen – und träumt schon von einem weiteren Aufstieg in den nächsten Jahren: „Noch einmal Oberliga, das wäre schön. Das Potential ist da, im Vorstand, bei den Fans, im gesamten Verein“, schwärmt er. Vielleicht ja dann auch vor fast fünftausend Zuschauern.

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