Zwei Stunden Rhönradturnen


Dicke Bücher belasten den Rücken, im Kino zahlt man für Überlänge drauf. Zeit ist Geld – im wahrsten Sinne. Wofür also die knappe Freizeit verwenden? Wir lesen, spielen und schauen für euch – nach zwei Stunden hören wir auf. Entweder, weil wir fertig sind oder weil die Zeit um ist. Heute drehen wir uns um uns selbst und hoffen, dass uns im Rhönrad nicht schwindelig wird.

Schnelldurchlauf

An der rechten Seite der Halle stehen schon die Rhönräder: sechs Stück mit unterschiedlichem Umfang. Alle bestehen aus zwei Rädern, die mit Sprossen verbunden sind. An zwei Sprossen sind Holzbretter angebracht. Im Fernsehen habe ich mal zufällig gesehen, dass die Turner auf diesen Brettern stehen, während sie sich an den Sprossen festhalten und in diesen Rädern während sie sich drehen auch noch turnen!

Einmal auch so anmutig in einem Rhönrad turnen – das wollte ich unbedingt ausprobieren. Und in Dortmund gibt es sogar einen Verein dafür: Der TuS Dortmund-Wellinghofen ist zurzeit aber auch der einzige, der das in Dortmund anbietet.

Gut, ich bin eigentlich eher der Ballsport Typ, aber mich fasziniert das Rhönrad trotzdem. Wie bleiben die Turner in dem Rad, ohne herauszufallen? Und wie können die auch noch darin Turnübungen machen? Ich bezweifle erst, dass ich das schaffen kann. Zwei Stunden später bin ich aber ganz begeistert, wie viel ich geschafft habe.

Kurzweilig

Bei dem „Stern“ steht nur noch ein Fuß auf dem Holzbrett, der andere steht auf der nächsten Sprosse und wechselt die Seite, wenn man auf dem Kopf steht. Foto: Christina Strunck

„Die Hand darf niemals unter das Rhönrad kommen! Halte die Spannung und drücke die ganze Zeit deine Füße nach unten!“, ruft die Trainerin mir die ganze Zeit zu. Eigentlich nicht viel, an das ich denken muss. Aber schon das ist schwierig genug. Wie soll ich denn nicht aus dem Rhönrad herausfallen, wenn ich auf dem Kopf stehe?

Bei der ersten Übung muss ich nur in dem Rhönrad stehen und mich festhalten. Die anderen drehen das Rad ganz langsam und halten mich an den Füßen fest, damit sie nicht wegrutschen, wenn ich auf dem Kopf stehe. Jetzt bloß nicht nachdenken, dass ich gerade auf dem Kopf stehe und dabei eigentlich kaum befestigt bin! Aber als ich dann eine Runde rumgekommen bin und immer noch sicher im Rad stehe, merke ich: So schlimm ist das gar nicht!

Wenn ich eine Übung geschafft habe, wird es von Mal zu Mal schwieriger. Und das motiviert mich, weiterzumachen. Trotzdem sind die Pausen gut. Dann kann ich kurz durchatmen oder einfach nur den anderen zuschauen. Dabei komme ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wie elegant und sicher sie im Rad stehen, die Beine nicht nur fest gegen die Holzbretter drücken, sondern auch Rückwärtsrollen in dem Rad machen. Und dabei sehen sie überhaupt nicht ängstlich aus. 

Langatmig

Ich brauche eher einen langen Atem, als dass es langweilig wird. Es ist faszinierend, eine neue Sportart kennenzulernen, an die ich vorher niemals gedacht hätte. Weil nur wenige beim Training waren, konnte ich viel im Rhönrad turnen. Aber das ist auch ziemlich anstrengend. Auch wenn man nicht viel durch die Gegend rennt und sich generell eher langsam bewegt, muss man sehr viel Kraft aufwenden: sowohl in den Armen und Beinen als auch im Bauch. Sonst wird man zu locker und hängt eher im Rad. So komme ich auch bald ins Schwitzen. 

Die Rundschaukel war für mich zuerst eine Überwindung, machte mir aber immer mehr Spaß. Foto: Christina Strunck

Am Anfang werde ich noch an den Füßen festgehalten, aber das brauche ich schnell nicht mehr. Nach dem einfachen Stehen im Rad probieren wir auch zu zweit etwas aus: Beide setzen sich auf gegenüberliegende Sprossen, eine andere dreht das Rad langsam. So sitze ich zuerst auf dem Boden, aber je weiter sich das Rhönrad dreht, desto weiter entferne ich mich vom Boden und sitze schließlich auf dem Rhönrad. Dort fühle ich mich dann nicht mehr so wohl, schließlich habe ich nach rechts, links, hinten und vorne nichts, was mich irgendwie sichert. Deshalb bin ich ganz froh, als ich wieder am Boden angekommen bin.

Momentaufnahme

Alles dreht sich. Jetzt bloß die Füße nicht locker lassen. Immer fleißig gegen die Holzbretter am Rhönrad drücken. Und auch gut auf die Arme stützen. Spannung halten. Und dann stehe ich schon wieder richtig herum. Ich will noch mal – es macht so viel Spaß. Und jetzt probiere ich es auch mal alleine. Keiner, der die Geschwindigkeit vom Rad steuert und mitdreht, sondern ich ganz alleine. Ich wippe vom einen Fuß auf den anderen: Einmal, zweimal. Und dann noch einmal kräftig und schnell den Fuß von der Sprosse wieder in den Riemen auf das Holzbrett stellen. Und anspannen. Ich rolle zwar sehr langsam, aber ich rolle. Ich sehe, dass ich gleich am Ende der Halle angekommen bin, also bremse ich durch eine Gewichtsverlagerung. Das Rhönrad bleibt stehen. Ich bin echt glücklich und grinse: Ich hab es ganz alleine geschafft, ohne herauszufallen.

Zeit ist um

Ich bin k. o. Auf den ersten Blick könnte man zwar denken, dass die Turnübungen im Rad einfach sind. Man muss aber die ganze Zeit den Körper anspannen und sich sehr konzentrieren – das ist körperlich und psychisch anstrengend.

Ich bin aber auch sehr stolz auf mich: Ich habe außen auf dem Rad gesessen, während es sich gedreht hat. Ich habe den „Stern“ im Rhönrad alleine und auch mit einer anderen geturnt: eine Figur, bei der die Beine und Arme vom Körper abgespreizt werden. Und alleine Schwung holen und danach im Rad stehen, habe ich auch geschafft. Was will man bei einem ersten Training mehr? Fürs nächste Training nehme ich mir vor, nicht mehr so rumzuquieken, wenn ich mich drehe und die Welt Kopf steht.

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Beitragsbild: Christina Strunck

Video: Christina Strunck

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