Autsch! Ausgerutscht beim Curling.

In der Eissporthalle Unna hat der hiesige Curling Club seine Heimat. Der eigentliche Trainingsort ist allerdings etwas versteckt – unter der Eishockey-Tribüne befindet sich eine vierzig Meter lange Eisfläche. Hier gleiten die Curling-Steine regelmäßig hin und her, und das Eis glänzt nur noch so vom ständigen Wischen. „Einfach!“, dachte ich mir und wollte es selbst mal ausprobieren. Denn ich war mir vor meiner ersten Curling-Trainingsstunde sicher: Was die da im Fernsehen können, kann ich schon lange.

Meine erste Curling-Stunde. Fotos:

Meine erste Curling-Stunde. Fotos: Rosemarie Fischer.

Meine Curling-Einweisung bekam ich von einem erfahrenen Spieler. Dirk Steinkämper spielt schon seit fast zwanzig Jahren Curling und ist mit seinen knapp fünfzig Jahren der Junior im Team der Curler. Er hat viele Turniere gespielt und ist gleichzeitig Vizepräsident des kleinen Clubs. „Sie müssen sich mit dem linken Bein abstoßen und dann mit der rechten Hand den Curling-Stein loslassen“, erklärte mir Dirk. Klingt erst mal ganz einfach. War es aber nicht, wie ich schnell merkte. Man muss nämlich bedenken, dass man diese einfachen Bewegungsabläufe auf einer spiegelglatten Eisfläche machen muss und dabei Straßenschuhe mit einer ziemlich glatten Gummisohle trägt. Die Sohle kommt zum Curlen extra auf die Schuhe und wird auf die eigene Sohle geklemmt.

Was so einfach aussieht, kann so schwer sein

Sohle also drauf und los mit dem Training. Ich rutschte über die Eisfläche mit dem zwanzig Kilogramm schweren Curling-Stein in der einen Hand und einem Curling-Wischgerät in der anderen Hand, was mir zu Stabilität auf dem Eis verhelfen sollte. Sehr stabil war ich allerdings nicht. Nach wenigen Metern verlor ich das Gleichgewicht und knallte unsanft mit dem Hintern auf die Eisfläche. Etwas desillusioniert und überrascht von der eigenen Ungeschicklichkeit musste ich dann das Gelächter der Hobby-Curler über mich ergehen lassen. Wohlgemerkt: Jeder Einzelne könnte altersmäßig mein Vater sein.

Obwohl Dirk Steinkämper und die anderen Hobbycurler immer wieder davon schwärmten, wie sehr sie die Präzision bei diesem Sport schätzen – ich war davon meilenweit entfernt. Vielmehr war ich peinlich berührt, denn schließlich hatte ich mich wie ein hilfloser Dackel auf die Klappe gelegt.

Curling

Ich nehme Anlauf zu meiner ersten Curling-Erfahrung…

Beim Curling spielen Frauen und Männer in gemischten Teams. Eine der weiblichen Spielerinnen ist Rosemarie Fischer. Sie machte mir den Bewegungsablauf nochmal genau vor. Sie erzählte, dass sie durch ihren Ehemann zum Curling gekommen sei, der gleichzeitig auch der Clubpräsident ist. Seit knapp zehn Jahren spielt sie, und ist mit ihren knapp siebzig Jahren eine topfite Rentnerin, die gar nicht daran denkt, den Curling-Wischer an den Nagel zu hängen. Bei ihr sah das alles so leicht und elegant aus, wie sie mit dem Stein über das Eis glitt. „Da braucht man schon etwas Übung. Am Anfang liegt man gern mal auf der Nase“, munterte mich Frau Fischer auf.

Mein nächster Curling-Versuch fing eigentlich ganz vielversprechend an. Ich rutschte elegant die ersten drei Meter über das Eis und wollte den Stein dann loslassen. Mit elegant meine ich in diesem Zusammenhang, dass ich mich für kurze Zeit auf den Beinen halten konnte, ohne dabei hinzufallen. Bis zu diesem Zeitpunkt des Loslassens sah das gar nicht so schlecht aus. Doch genau in dem Moment, als ich den Stein auf die Reise über das Eis schicken wollte, verlor ich komplett das Gleichgewicht und fand mich auf allen Vieren auf dem harten Untergrund wieder. Weh getan hab ich mir dabei allerdings nicht, da beim Curling die Geschwindigkeit, mit der man fällt, doch recht gering ist. 

Mit meinem Curling-Talent wird es knapp mit der Olympia-Teilnahme

Um die Geschwindigkeit des Steins anzutreiben, muss man beim Curling bekanntlich wischen. Das wollte ich jetzt auch mal ausprobieren. Vielleicht war ich ja darin talentierter. Zugegeben: Das Wischen sieht auf den ersten Blick immer ziemlich witzig aus, aber es ist ein entscheidender Bestandteil des Spiels. Durch das Wischen auf dem Eis entsteht eine Wasserschicht, die die Geschwindigkeit und die Laufrichtung des Steins beeinflussen kann. Rosemarie Fischer schickte einen Curling-Stein in meine Richtung über das Eis. Ich begann, vor dem Curling-Stein eifrig zu wischen. Und tatsächlich – es funktionierte. Der Stein glitt auf der von mir polierten Eisfläche einige Meter weiter. 

Wischen gelingt mir besser.

Im Wischen machte ich mich ganz gut.

Im Wischen machte ich auf jeden Fall eine bessere Figur auf dem Eis, als beim Stein Losschicken. Dass Curling auch ein bewegungsintensiver Sport ist, erklärte mir dann Dirk Steinkämper: „Es ist sicherlich nicht so ein körperlicher Sport wie zum Beispiel Eishockey, aber bei einem Curling Match macht man auch so seine fünf Kilometer auf dem Eis.“ Ich hatte mich während meiner Trainingsstunde sicherlich keine fünf Kilometer bewegt, aber gerade in einem Match sind die Spieler viel unterwegs – allein dadurch, dass vor jedem geworfenen Stein intensiv gewischt werden muss.

Mir hat das Curling an diesem Abend wirklich Spaß gemacht. Ich habe einen Sport ausprobiert, den ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte, und dachte, dass er kinderleicht sei. Beim Curling kommt es sehr viel auf Koordination an, und daran müsste ich noch viel arbeiten. Ich hatte wie viele das Vorurteil, dass Curling nur etwas für ältere Herrschaften ist. Die Mannschaft des Clubs in Unna besteht zwar nur aus älteren Semestern.  Nach dieser Trainingsstunde kann ich mir auch gut vorstellen, mit meinen Freunden eine Runde Curling als Alternative zur Bowlingbahn zu spielen . Auf dem Snowboard mache ich wohl auch eine bessere Figur als auf dem Hosenboden in der Curling-Halle, aber trotz der vielen Bruchlandungen bin um ich einen tollen Abend und eine völlig neue Wintersport-Erfahrung reicher.

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