Als Ruhrpottler mit Brettern unter den Füßen geboren

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Der Himmel ist strahlend blau über den Alpen. Es ist 9 Uhr morgens, Steffen Hommel steht auf dem Gipfel einer Skipiste. Es liegt ein halber Meter Neuschnee. Der 30-Jährige ist der Erste, der den Hang herunterfährt und seine Spur in den Schnee zieht. Steffen Hommel belohnen solche Momente für seinen stressigen Alltag. Neben dem Beruf ist er einer der 34 besten Skilehrer-Ausbilder Deutschlands – und das als Ruhrpottler.

Als Kind aus dem Ruhrpott auf Brettern geboren werden? Das geht. Steffen Hommel kommt gebürtig aus Heiligenhaus, einer Stadt südlich von Essen. Mit drei Jahren wurde er das erste Mal von seinen Eltern mit zum Skifahren genommen. „Da kann man aber nicht von Skifahren reden“, witzelt der Wahlbochumer. „Mit drei Jahren hat einen der Skilehrer am Anfängerhügel angeschoben und unten wurde man aufgefangen.“

Steffen Hommel hat VWL in Münster studiert. Seit seiner Jugend ist er zweimal im Jahr mit seinen Eltern zum Skifahren aufgebrochen – das reichte ihm irgendwann nicht mehr. Deshalb ist der Volkswirt bei Skifreizeiten des Hochschulsports Münster und weiteren Angeboten mitgefahren. Dabei hat er neben dem Skifahren die zweite große Liebe seines Lebens kennengelernt: seine Frau Theresa. Sie hat auch in Münster studiert und ist Skilehrerin.

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Für den Hochschulsport Münster bildet Hommel Skilehrer aus.

 „Eine Woche Skifahren ist mit rund 700 Euro für Studenten recht teuer. Daher habe ich eine Möglichkeit gesucht, mir etwas Geld zu verdienen oder günstiger mitzufahren“, erzählt Steffen Hommel. Deswegen habe er sich erkundigt, ob sein Können reicht, um Skilehrer zu werden. Es reichte: Mit 18 Jahren hat er die Ausbildung zum Instructor beim Westdeutschen Skiverband (wsv) angefangen – mit 20 war er fertig.

 

Grafik Ausbildungssystem Alpin des DSV

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Quelle: Deutscher Skiverband

Ausbildungssystem Alpin des DSV

Die Ausbildung zum Skilehrer ist keine klassische Berufsausbildung, sondern eine vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anerkannte Qualifizierung für den ehrenamtlichen Vereinssport. Es gibt insgesamt 3 Ausbildungsstufen, welche nacheinander durchlaufen werden können. Begonnen wird in den jeweiligen Landesverbänden – in Nordrhein Westfalen führt der Westdeutsche Skiverband (wsv) im Auftrag des Deutschen Skiverbandes (DSV) die Ausbildungsstufen DSV-Grundstufe sowie DSV-Instructor durch.

Darauf aufbauend vermitteln die Lehrgänge des DSV zum DSV-Skilehrer weitere tiefer gehende Fachkenntnisse. Der DSV-Skilehrer ist die höchste Ausbildungsstufe und Qualifizierungsmöglichkeit von Skibegeisterten im Rahmen des ehrenamtlichen Vereinssports in Deutschland.

Für das Landes- und Bundeslehrteam müssen die Skilehrer in einen Förderkader berufen werden, über den sie sich für die Kader qualifizieren können. Um in den Teams zu bleiben, müssen die Skilehrer jährlich bei einer Qualitätskontrolle ihr Niveau zeigen.

Ansporn durch Anerkennung und Förderung

Auf der Stufe des DSV-Instructors stehen zu bleiben, hätte nicht zu Steffen Hommel gepasst. „Ich will mich ständig verbessern“, sagt der 30-Jährige. Dieselbe Motivation, mit der er überhaupt bei dem zeitaufwendigen und teuren Sport geblieben ist. Dankbar erzählt er: „Schon als junger Skifahrer wurde ich mit Anerkennung gefördert. Ausbilder und Freunde haben mich ermutigt, beim Skifahren zu bleiben und mich zu verbessern“. Deshalb hat er mit 20 Jahren den nächsten Schritt ausprobiert und die Ausbildung zum DSV-Skilehrer angefangen – mit einer wichtigen Erkenntnis.

„Ich habe eine Zeit lang geglaubt, ich sei ein richtig guter Skifahrer. Doch bei den Lehrgängen zum DSV-Skilehrer habe ich viel mehr Aspekte kennengelernt. Fahrten auf der Buckelpiste, im Gelände, im Rennlauf mit Zeitmessung oder in einem Park – Skifahren ist viel interessanter und vielfältiger, als nur auf der präparierten Piste von links nach rechts zu fahren“, sagt er.

Einer der 34 besten Ausbilder Deutschlands

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Auch ehamlige Rennläufer trifft Steffen Hommel. Hier Ivica Kostelic (3 v.r.).

Nach drei Jahren hat Steffen Hommel die Lizenz zum DSV-Skilehrer geschafft. Wie weit komme ich als Skilehrer? – das hat er sich damals gefragt. Als eine Stelle als Ausbilder beim Westdeutschen Skiverband frei wurde, hat er sich initiativ darauf beworben. Um aufgenommen zu werden, musste er sein Können auf einer der jährlichen Landeslehrteamschulungen beweisen.

Mit seinem Talent, Ehrgeiz und Fleiß hat er sich in demselben Verfahren für das Bundeslehrteam Alpin des DSV qualifiziert. Seit 2014 ist er einer der 34 Ausbilder auf Bundesebene – gemeinsam mit ehemaligen Spitzensportlern wie Regina Häusl und Fanny Chmelar. „Meine Aufgabe als Ausbilder ist es zum Beispiel, Skilehrer für Sportvereine auszubilden oder Sportprogramme für Skifreizeiten zu entwickeln“, sagt der Bochumer.

Sensibilität und Selbstbewusstsein

Für die Fortbildungen und Lehrgänge, die Steffen Hommel hält, bekommt er eine Aufwandsentschädigung. „Das Geld reicht am Ende der Saison meist, um einen oder zwei neue Ski zu kaufen, mehr nicht. Ich bin nicht Ausbilder geworden, weil es mir um das Geld geht. Ich vermittle gerne mein Wissen, möchte andere Menschen für meinen Sport begeistern. Die Menschen merken auch, ob ich mit Herzblut dabei bin, oder ob sie für mich nur eine Nummer sind“, sagt er.

Was er bei den Fortbildungen und Lehrgängen auch gelernt hat, ist ein sensiblerer Umgang mit Menschen: „Es gibt viele Situationen, die für meine Kunden als eine unüberwindbare Hürde erscheinen. Um das Ausbildungsziel zu erreichen, muss ich auf meinen Gegenüber eingehen.“ Außerdem habe er gelernt, selbstbewusst aufzutreten. Als Skilehrer sei man es gewohnt, vor Leuten zu stehen und gerade aus zu erzählen, ohne aufgeregt zu sein. Fähigkeiten, die ihn auch im Studium und Beruf zum Erfolg geführt haben.

Ganz bewusst Auszeiten

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Steffen Hommel mit seiner Frau beim Skifahren in Neuseeland.

Steffen Hommel arbeitet als Unternehmensentwickler bei einem regionalen Energieversorgungsunternehmen. Seine Arbeit fordert ihn – er hat immer weniger Freizeit. In einer Saison von September bis Juni kommt Steffen Hommel auf rund 50 bis 60 Skitage, die er sich bewusst freischaufeln muss. Egal ob Winter oder Sommer: Mindestens drei Mal in der Woche trainiert er zudem, um fit zu bleiben.

Seine Frau hat jedenfalls Verständnis dafür. Denn sie teilt die Motivation ihres Mannes: das Naturerlebnis beim Skifahren. Wenn ich auf der Piste stehe und die Natur genießen kann, dann weiß ich, wofür ich die jahrelange Arbeit getan habe“, sagt der Unternehmensentwickler mit einem Funkeln in den Augen.

 

Teaserbild: Deutscher Skiverband

Beitragsbilder: privat

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