Koks im Klo

please dont do Zeig mir deinen Abfluss, und ich sag dir, wer du bist! Was wir in der Toilette runterspülen, enthüllt unsere tiefsten Geheimnisse. Was wir trinken, was wir essen und was wir sonst noch so konsumieren – auch Verbotenes. Pro Jahr landen etwa 280 Kilogramm Kokain in der Dortmunder Kanalisation.

Das Schweizer Institut Eawag untersucht jährlich das Abwasser einiger deutscher Städte. Diese Ergebnisse fließen dann in den jährlichen Europäischen Drogenbericht ein. Die Stichproben aus diesem Jahr ergaben, dass der Kokaingehalt im Dortmunder Abwasser noch vor dem von Berlin und München liegt. Insgesamt fünf Städte wurden dieses Jahr untersucht: Dortmund, Dresden, Berlin, München und die NRW-Kleinstadt Dülmen. Die Proben aus dem Klärwerk Dortmund-Deusen überraschten dabei mit dem höchsten Kokaingehalt, wie die taz berichtet.

Warum ist der Kokaingehalt gerade in Dortmund so hoch?

Eigentlich gilt Kokain als Droge der „Reichen“. Aber wie passt das zu Dortmund? Eine erste Erklärung für den hohen Gehalt in der Stadt: die Nähe zu den Niederlanden und Belgien. Denn deren Häfen gelten als Umschlagplätze für die Droge in Europa. Dort sei auch gepanschter und somit günstigerer Stoff zu bekommen, schätzen Experten.

Was genau wurde untersucht?

Gemessen wurde bei der Untersuchung der Bezoylecogonin-Wert, der im Urin ausgeschieden wird, wenn man zuvor Kokain komsumiert hat. Nach Informationen des WDR betrug dieser Wert in Dortmund 324 Milligram, was umgerechnet im Jahr 280 Kilogramm Kokain macht. Im Trinkwasser Dortmunds sollen jedoch keine Rückstände gefunden worden sein. Es werde aus dem Sauerland geliefert und sei von guter Qualität.

Ist Dortmund die neue Koks-Hauptstadt?

Nicht unbedingt. Denn fraglich bleibt, ob die Ergebnisse des Instituts wirklich darauf hindeuten, dass der Kokainkomsun in Dortmund gestiegen ist. Denn obwohl die Polizei mitteilt, dass im Gegensatz zum Vorjahr die Zahl der allgemeinen Verstöße mit Kokain einschließlich Crack zuletzt von 154 auf 160 gestiegen ist, könnten die hohen Werte im Abwasser auch andere Gründe haben. Ein Dealer, der sein Koks in der Toilette runterspült, wenn eine Hausdurchsuchung ansteht könne genauso gut dafür sorgen, dass die Werte steigen, heißt es in der taz.

Was macht Kokain eigentlich mit unserem Körper?
Hauptgründe für den Konsum von Kokain sind die steigende Leistungskraft, Euphorie und Ausdauer. Es sorgt dafür, dass die Herz- und Pulsfrequenz steigt und man somit einen erhöhten Blutdruck hat. Es gelangt in den Blutkreislauf und entfaltet im Gehirn seine Wirkung. Dabei werden Dopamin und Noradrenalin ausgeschüttet. Dies sorgt für das Glücksgefühl nach der Einnahme. Nebenwirkungen des Kokainkonsums sind unter anderem Muskelkrämpfe, Herzrasen und Blutdruckprobleme. Beim Abbauen des Kokains im Körper entstehen häufig Angstzustände und der Wunsch, mehr zu konsumieren.

Was steckt noch in unserem Abwasser?

Vor allem Rückstände von Medikamenten sind für die Umwelt gefährlich. Medikamente, die nicht geschluckt sondern über die Toilettenspülung entsorgt werden oder auch Rückstände in Exkrementen gelangen in den Wasserkreislauf und können nicht von der Kläranlage abgebaut werden. Wissenschaftler haben zum Beispiel rausgefunden, dass Antibiotika Algenwachstum hemmen und Reste der Antibabypille und Schmerzmittel Fischen und anderen Lebewesen schaden können.

Für den Menschen sind dabei besonders Medikamentencocktails, die sich im Wasser mischen gefährlich, da deren Auswirkungen noch nicht genau abgeschätzt werden können. Neben Medikamten sind auch Putzmittel und Kosmetika eine Belastung für die Kläranlagen. Denn gegen antibiotische Wirkstoffe können sie nicht viel machen.

Beitragsbild: Lachlan Hardy/flickr.com      

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