Wissenswert: Der Stutenkerl

Was hat der Stutenkerl mit St. Martin zu tun? Rheinländer und Ruhrpott-Kinder überrascht diese Antwort vielleicht: ursprünglich nichts. 

Montag ist wieder Martinstag. Dazu gehören Laternen genauso wie vielerorts Stutenkerle, dabei hat das ebäck mit dem Heiligen Martin eigentlich nicht viel zu tun. Foto: S. Hofschlaeger  / pixelio.de

St. Martin und Stutenkerle haben nichts miteinander zu tun. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Dienstag, 11. November, ist wieder Martinstag. Und auch wenn Laternenbasteln und Martinsumzüge für viele schon einige Jahre zurückliegen, katapultiert der Anblick eines Stutenkerls viele Rheinländer und Ruhrgebietler in diese Zeit zurück. St.Martin und Stutenkerle, so meinen viele, gehören zusammen.

Dabei ist die Tradition eine andere: Ursprünglich war der Stutenkerl ein Gebäck, das den Bischof Nikolaus von Myra (also „unseren“ Nikolaus) darstellt. Anders als im Ruhrgebiet und im Rheinland wird das Gebäck in vielen Teilen Deutschlands deshalb nicht schon am Martinstag, sondern erst am 6. Dezember gegessen. 

Die im Rheinland und Ruhrgebiet übliche Tonpfeife stellt – dreht man sie um – einen Bischofsstab dar. Grund für diese 180-Grad-Drehung: In der Zeit der Reformation wurde das christliche Symbol verweltlicht, den Bischofsstab ersetzten Bäcker durch eine Pfeife. Allerdings ist die Pfeife deutschlandweit nicht obligatorisch, in vielen Regionen gibt es den Mann aus Teig ganz ohne „Extras“.

Gesegnetes Brot mit Namen von Welt

Beim Stutenkerl handelt es sich um ein sogenanntes Gebildebrot. Diese Gebäcke waren im Mittelalter an Sonn- und Feiertagen ein Kommunionsersatz für Kranke und Büßer. Die Gebäcke erhielten im Laufe der Zeit Formen, die zum jeweiligen Festtag passten – daher auch die Form des Bischofs zum Nikolaustag. 

Rezept: Stutenkerl

Zutaten: 

Stutenkerle zu St. Martin

Stutenkerl oder Weckmann? Das Gebäck wird in Ruhrgebiet und Rheinland zu St. Martin gegessen – traditionell mit Pfeife. Foto: S. Thomas / pixelio.de

  • 1000 g Mehl
  • 450 ml Milch
  • 150 g Zucker
  • 150 g weiche Butter
  • 2-3 Prisen Salz
  • 125 g Hefe
  • 2 Eier
  • Mark einer Vanilleschote
  • Abrieb der Schale einer Bio-Zitrone
  • 1 Eigelb
  • Rosinen

Vorgehen:

  • Backofen auf 240° C (Ober- /Unterhitze) vorheizen, Hefewürfel in 200 ml Milch auflösen und mit 350g Mehl vermengen
  • Zwei Stunden abgedeckt stehen lassen  
  • Die restliche Milch, Mehl und die Eier sowie Butter, Zucker und das Mark der Vanilleschote und die Zitronenschale hinzugeben
  • Salz und die restliche Hefe hinzugeben und einen glatten Teig kneten
  • Eine Stunde ruhen lassen, dann die Stutenkerle formen
  • Vor dem Backen noch einmal stehen lassen, bis die Stutenkerle circa zur doppelten Größe aufgegangen sind
  • Eigelb mit Milch vequirrlen und die Stutenkerle bestreichen
  • Augen aus Rosinen für Augen, Mund und Mantelknöpfe einstecken
  • 12 bis 15 Minuten goldgelb backen

Der Name Weckmann oder Stutenkerl hingegen hat einen weltlichen Ursprung: Er bezieht sich auf die Teigart, aus dem das Männchen jeweils gebacken ist. Ein Stutenkerl ist aus Mehl, Zucker, Fett und Hefe gemacht, in einen Weckenteig kommen Mehl, Salz, Hefe und Wasser.

Vereintes Deutschland? Nicht wenn’s um Bräuche geht!

Wo der Weckmann zu Sankt Martin, am Nikolaustag oder in der gesamten Adventszeit gegessen, aus welchem Teig er gebacken wird, ob er eine Pfeife trägt oder nicht und wo er vielleicht gar nicht Weckmann, sondern Stutenkerl oder Piefekopp, Dambedei, Ditz oder Grättimaa heißt, variiert deutschlandweit, teilweise sogar zwischen benachbarten Städten. 

Stutenkerl, Piefekopp oder doch Dambedei? Wo heißt der Weckmann wie? Bewege den Cursor über die Deutschlandkarte. Die weißen Markierungen zeigen, unter welchem Namen das Teigmännchen in den verschiedenen Regionen bekannt ist.