Der Erzfeind des guten Benehmens

 

So gehört sich das! Aber was tun, wenn kein Taschentuch zur Hand ist?

So gehört sich das! Aber was tun, wenn kein Taschentuch zur Hand ist?

Der Engländer sagt Booger, der Spanier moco und der Chinese bishi. Der Feind des guten Benehmens hat viele Namen. In Bayern nennt man ihn den Rammel, in Köln den Mömmes und im Ruhrgebiet schon mal Bollek. Die meisten kennen ihn jedoch unter einer anderen Bezeichnung: Popel.

Da ist etwas, was da nicht hin gehört. Es juckt ein bisschen und fühlt sich unangenehm an. Bloß weg damit. Gedankenverloren bewegt sich der Finger in Richtung Gesicht und bleibt kurz vor dem Nasenloch in der Luft hängen. Für einen Moment fast all die Leute im Bus vergessen. Hier geht das nicht. Was also tun? Versuchen, möglichst heimlich in die Nase zu greifen und den Popel abzuschaben? Oder bis zuhause warten? Die letztere Variante ist vermutlich die Bessere. Doch der Druck wird immer stärker. Also rasch. Finger in die Nase, Popel raus – und jetzt? In Ermangelung eines Taschentuchs einfach schnell in den Mund stecken und runterschlucken. Hm. Lecker. Gott sei Dank hat das keiner gesehen. Oder doch?

Aber warum schämen wir uns eigentlich dabei, in der Nase zu bohren – geschweige denn dabei, Popel zu essen? Das erste tut doch eigentlich jeder, sagen zumindest amerikanische Forscher. In einer Studie gaben 91 Prozent der Befragten an, regelmäßig in der Nase zu bohren. Und 75 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass alle Menschen den Finger zur Säuberung der Nase benutzen.

Ein ungefährliches Hobby

Gesundheitlich ist Nasebohren unbedenklich – wenn man es nicht übertreibt. Wer zu stark im Loch schaufelt, riskiert Nasenbluten. In extremen Fällen kann sogar die Nasenscheidewand durchbrochen werden. In extremen Fällen wohlgemerkt – dem gelegentlichen Popler wird das eher nicht passieren.   
 
Und auch das Verschlucken von Popeln ist ungefährlich. So mancher Forscher betrachtet das sogar als eine Art natürliche Impfung. Im vergangenen Jahr sorgte der kanadische Biochemiker Scott Napper mit dieser These für Schlagzeilen. Der Wahrheitsgehalt darf allerdings angezweifelt werden. Denn ein Popel ist nichts anderes als eingetrocknetes Nasensekret. Normalerweise dient dieses dazu, die Atemluft zu befeuchten und Staub zu entfernen. Da der Nasen- und Rachenraum verbunden sind, fließt das Sekret automatisch in den Magen. Ob es also gefällt oder nicht: Popel verspeist jeder Mensch – auf die eine oder andere Weise.

Unzweifelhaft ist jedoch, dass sich im Nasensekret eine Vielzahl an Keimen befindet. Sogar Krankheiten lassen sich daran erkennen. Ist der Popel gelb verfärbt, dann liegt der Verdacht nahe, dass irgendwo in der Nase etwas eitert. Ist der Farbe eher grünlich, tippt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt auf eine bakterielle Infektion. Und wenn es nur so aus der Nase trieft, dann hat man sich vermutlich einen Schnupfen eingefangen.

Knigge mag es gar nicht

Eventuell ist auch das der Grund für den Ekel vor dem Popel. Als Jogi Löw nach dem  4:0 Sieg gegen Portugal im vergangenen Jahr Christiano Ronaldo die Hand schüttelte, sorgte das im Nachgang für einen Aufschrei. Weil er sich vorher genüsslich in der Nase gebohrt hatte. Vielleicht muss man es einfach akzeptieren. Nasepopeln ist tabuisiert. Einen nachvollziehbaren Grund dafür gibt es nicht. Zumindest nicht bei gesunden Menschen.   

Doch wenn man nicht in der Nase bohren kann – wie soll man den lästigen Popel denn dann los werden? Ärzte empfehlen das Schnäuzen in ein Taschentuch. Wobei dabei jedes Nasenloch einzeln ausgepustet werden sollte. Ansonsten kann es passieren, dass das Nasensekret durch den hohen Druck in die Nasennebenhöhlen geblasen wird und dort eine Entzündung hervorruft. Wer dieses Risiko gar nicht erst eingehen möchte, nimmt eine Nasendusche zu Hilfe. Doch ob es wirklich angenehmer ist, die im Bus zu benutzen? Da geht es anders doch schneller. Finger rein, Popel raus und ab in den Mund. Hm. Lecker.

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