Unis werben in USA und Moskau fürs Ruhrgebiet

UAMR bewirbt Ruhrgebiet in New York.

Die Universitätsallianz Metropole Ruhr bewirbt das Ruhrgebiet in New York. Foto: Maria Haensch

Bernsteingelber Tee schwappt in der Glaskanne, während Abraham van Veen zwei Tassen füllt. Das Getränk riecht nach fremdartigen Gewürzen. „Wissenschaft kennt keine Grenzen“, erklärt er beim Einschenken. Van Veen ist Dezernent für Studierendenservice und zugleich Koordinator des ConRuhr-Büros in den USA. Die Idee, das Ruhrgebiet in New York zu bewerben, hat es ihm angetan. Wer aber täglich nur zur Uni pendelt, für den liegt Manhattan so weit weg wie die Anbaugebiete von van Veens Lieblingstee. Oder wie der Mond.

„Es beeindruckt die Amerikaner, dass wir als Universitäts-Allianz in New York vertreten sind“, versichert er. Die Studenten profitierten davon, dass Abschlüsse aus Bochum, Dortmund, Duisburg oder Essen eine stärkere internationale Anerkennung genießen – dank des ConRuhr-Büros, selbstverständlich. Van Veen hofft auf eine weltläufige Stimmung im Ruhrgebiet, er nennt das „Internationalization at Home“. „Es gibt ein Austauschprogramm für amerikanische Studenten, die als Praktikanten in technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen hier im Ruhrgebiet arbeiten können. Vor ConRuhr gab es dazu jährlich zwei Bewerbungen aus den USA. Mittlerweile kommen bis zu 30 Studenten hierher“, berichtet der Dezernent.

Auch hier ist das Ruhrgebiet: Manhatten. Foto: stock.chng/manisi

Auch hier ist das Ruhrgebiet: Manhatten. Foto: stock.chng/manisi

UAMR finanziert Lobbyarbeit in Midtown Manhatten
Die Technische Universität Dortmund ist vor allem für das Büro in Midtown Manhattan verantwortlich. Alle drei Hochschulen der Universitäts-Allianz Metropole Ruhr (UAMR) teilen sich die Finanzierung: Die im März eröffnete Moskauer Vertretung hinzugerechnet, kostet das Projekt die Ruhr-Unis knapp 100.000 Euro im Jahr. „Da steckt kein Euro aus den Studiengebühren drin“, erklärt van Veen. Die Personalkosten sind dabei nicht berücksichtigt. In New York leitet der ehemalige Chef des Dortmunder Max-Planck-Instituts, Professor Rolf Kinne, das ConRuhr-Büro. Ihm steht eine junge Amerikanerin zur Seite. Ihre Aufgaben: Tagungen besuchen, Beziehungen knüpfen, Kontakte fördern. „Wenn man alles addiert, kommt man mit den 100 000 Euro nicht aus, denn es kommt auch noch mein Gehalt dazu. Schreiben Sie trotzdem etwa 100 000 Euro, das ist präzise genug“, sagt Kinne zu den Kosten. Andere Verbindungsbüros bekämen drei bis vier Mal so viel Geld, das Kinne auch gern von der UAMR hätte.

Ein Büro soll für weltläufige Stimmung im Pott sorgen

„Das Wichtigste an unserer Arbeit ist die persönliche Verknüpfung, da können sie kein Preisschild dran hängen“. Kinne ist nicht immer in New York stationiert – 50 Prozent seiner Arbeitszeit sei er im Ruhrgebiet. In Amerika knüpft das Büro auch auf amerikanische Weise Kontakte, zum Beispiel beim ersten Gala-Dinner 2008. Freunde und Förderer waren zu einem schicken Essen in Downtown Manhattan eingeladen, RUB-Rektor Weiler und NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart durften nicht fehlen. Der Großteil wurde von Sponsoren bezahlt, sagt Kinne. Dass auch die Hochschul-Allianz UAMR etwas dazu gezahlt hat, leugnet er nicht. Wie viel Geld die Unis ausgegeben haben, verrät er nicht.

Netzwerk für deutsche Studenten in Amerika

Als jüngsten Erfolg der ConRuhr-Lobbyarbeit führt van Veen ein Abkommen mit der University of Pennsylvania von 2008 an. Man habe sich auf Kooperationen bei den Ingenieurswissenschaften geeinigt. Studentenaustausch und gemeinsame Summer Schools inbegriffen. „Es wäre falsch, zu sagen, dass nur die technisch-naturwissenschaftlichen Fachbereiche etwas von dem Büro in Manhattan haben. Die Hochschule ist wie ein Körper. Werden die Augen operiert, profitieren alle Körperteile davon“, erklärt van Veen. Da stimmt Rolf Kinne zu: „Die Studierenden sollten sich als Teil der Universität sehen und nicht nur fragen: ‚Was habe ich davon?“, sondern auch überlegen, was die Hochschule als Ganzes davon hat.“ Alles andere deute auf eine grauenhafte Einstellung hin, die nur auf Egoismus abziele.

Doch die Studierenden selbst gehen auch nicht leer aus. „Wenn ein Student in die USA kommt, können wir ihm ein Netzwerk bieten“, sagt Kinne. Das ConRuhr-Büro hat einen Ehemaligen-Verein aufgebaut: Amerikaner, die einmal an den Ruhr-Unis studiert haben, seien bereit, deutschen Studenten oder Wissenschaftlern Orientierung zu geben.  Damit man als Student bei seinem eigenen Amerika-Besuch von dem Büro etwas hat, solle man sich n melden, ergänzt Kinne. „Wenn Du in eine bestimmte Stadt gehen willst, dann frag doch vorher mal bei ConRuhr nach. Wir können dann sehen, dass der Student in der Stadt nicht so alleine ist.“ Was die Studierenden bekämen, sei „unbezahlbar für die eigene Entwicklung.“

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