Smart Home – Ein bisschen wie Star Wars

Das Schicksal der eigenen vier Wände auf dem Smartphone steuern – so könnte die Zukunft des Wohnens aussehen. Sogenannte Smart Homes schießen in den letzten Jahren in ganz Deutschland aus dem Boden. Mittlerweile gibt es bereits über 100 Musterhäuser, eins davon steht in Paderborn. Studentin Adriane Jannaber hat die eigenen vier Wände der Zukunft für uns mal einen Tag lang ausprobiert.

»So eine hätte ich jetzt auch gerne«, sagt Adriane Jannaber, als sie zum ersten Mal die Küche des Smart Homes betritt. Eine Kücheninsel mit Marmor-Arbeitsplatte und Hochglanz-beschichteten Türen, dazu Herd, Dampfgarer und Backofen plus reichlich Platz zum Arbeiten. Der Kochbereich im Zukunftshaus von Paderborn ist eben keine ganz normale Küche. Alle elektronischen Geräte lassen sich nur noch per Touch bedienen -in der Wand versteckt: eine Ladestation für Smartphone und Tablet.

Adriane darf das Smart Home für 24 Stunden ausprobieren – und dann ist nun mal auch Backen angesagt. Aber eben so, wie es laut Schätzungen in 25 Jahren Standard sein könnte. Adrianes Rezeptidee ist dann doch eher klassisch: Kekse sollen es werden. Beim Teig anrühren ist noch nicht viel von Zukunftstechnik zu sehen. »Ein Mixer bleibt eben ein Mixer, da kann man ja nicht viel dran ändern«, erklärt die 19-Jährige und schmunzelt. Dann wählt sie per Touch-Steuerung das richtige Backprogramm aus. Solche Programme hat der Ofen für verschiedenste Gerichte gespeichert – so auch für Kekse.

Die selbstkochende Küche – Zukunftsvision?

Doch statt dieses auszuwählen, kommt Adriane versehentlich auf den Reinigungs-Button – und erschreckt sich heftig. Denn plötzlich fährt ein zweiarmiger Roboter aus der Abdeckung des Ofens. »Ich hab‘ erst gedacht, das wäre irgendwas aus Star Wars. Irgendwie gruselig«, sagt Adriane, die normalerweise International Business Studies in Paderborn studiert. Dabei ist die Technik in diesem Haus nur ein Bruchteil von dem, was zukünftig in den eigenen vier Wänden möglich sein wird. So soll es einmal Küchen geben, die anhand der vorhandenen Lebensmittel Rezepte vorschlagen und dafür zum Beispiel Wasser auf den Milliliter genau abfüllen.

SmartHome_Protagonisten

Walter Nixdorf erklärt Adriane die Steuerung des Smart Home. Foto: Sebastian Hahn

Doch nicht nur die Küche birgt Ungewöhnliches. So lässt sich etwa im Wohnzimmer die Terrassentür über eine Smartphone- oder Tablet-App öffnen, der Griff bewegt sich dabei ganz alleine nach unten. »Das ist schon komisch. Ich habe dabei das Gefühl, dass noch irgendwer mit im Haus ist«, sagt Adriane. Smartphone und Tablet sind im Smarthome so etwas wie die Schaltzentrale für das ganze Haus. Es wird nicht nur der Grundriss des Gebäudes gezeigt, per Touch-Bedienung lässt sich auch zwischen den einzelnen Räumen hin- und herschalten. Dort sieht der Benutzer dann nicht nur, wie viele Personen in einem Raum sind, sondern kann auch das Licht ein- und ausschalten und die Heizung kontrollieren. »Das ist schon ganz cool und erleichtert einem auch vieles«, erklärt Adriane.

Ich hab‘ erst gedacht, das wäre irgendwas aus Star Wars. Irgendwie gruselig

Damit so eine Technik auch funktioniert, braucht es Kameras und Bewegungssensoren. Im gesamten Haus sind diese angebracht, eine 180-Grad-Kamera im Esszimmer gibt sogar einen Überblick über fast die komplette untere Etage und fängt neben dem Esszimmer auch die Küche und das Wohnzimmer ein. »Mithilfe der Kameras wird erkannt, ob sich Personen in den Räumen befinden oder nicht. Sobald jemand den Raum betritt, wird das Licht angeschaltet. Verlässt derjenige den Raum wieder, geht es nach einer Zeit von selbst aus«, erklärt Besitzer Walter Nixdorf, der mit seiner Firma das Haus betreibt und gemeinsam mit anderen Unternehmen ständig renoviert. Die Kameras haben aber natürlich auch einen Überwachungszweck: Per Gesichtserkennung entscheidet das System, ob die Person vertrauenswürdig ist oder nicht. Gelangt ein Einbrecher ins Haus, geht sofort der Alarm los. »Diese Überwachung ist schon sinnvoll, aber auch ein wenig beängstigend, schließlich könnte mir ja jeder zusehen«, sagt Adriane. Dem will Walter Nixdorf vorbeugen: »Im Gegensatz zu anderen Smart-Home-Systemen werden bei uns die Daten nicht auf einem externen Server gespeichert, sondern intern auf einem Server, der in einem eigenen Raum steht. So ist er sicherer vor Hacker-Angriffen.«

Dennoch gibt es auch Daten, die nach außen gelangen – wenn, dann aber freiwillig. Eine Waage sowie ein Blutdruck- und Pulsmessgerät speichern die von den Bewohnern vorher eingebeben Werte und schlagen Alarm, wenn ein vom Arzt genannter Grenzwert überschritten wird. Sollte dies der Fall sein, empfiehlt das System einen Anruf per Videotelefon beim Arzt. Doch das sind nur einige Möglichkeiten, die das Badezimmer der Zukunft bietet. In Japan etwa wird an einer Sensortechnik gearbeitet, die im Boden verarbeitet ist und bei einem Sturz im Bad sofort den Notarzt alarmiert. Zudem soll es zukünftig im Spiegel möglich sein, über einen Touchscreen Nachrichten, das Wetter oder Staumeldungen abzurufen.

Manches hilft im Alltag, anderes ist Spielerei

Während die sogenannte Telemedizin vor allem für ältere Menschen eine Erleichterung sein kann, haben einige Dinge im Smart Home keinen praktischen Nutzen. Adrianes Fazit: »Viele Sachen sind einfach nur Spielereien, die zwar schön sind, aber eben nicht unbedingt notwendig. Klar macht es das Leben einfacher, aber man kann immer noch genauso gut selber zum Lichtschalter laufen, als das Smartphone zu benutzen.« Trotzdem gehen Experten davon aus: Smart Homes sind die Häuser der Zukunft. »Sämtliche Technik, die hier im Haus verbaut ist, können wir jetzt quasi schon in jedes neu gebaute Haus einbauen«, erklärt Walter Nixdorf. Eine Sache hat es Adriane dann nämlich doch angetan: Die Lautsprecher der Stereoanlage hängen nicht mehr im Raum herum, sondern sind in die Wand eingelassen. »Das wäre vielleicht eine der Sachen, die ich trotzdem gerne hätte, obwohl sie eigentlich theoretisch unnötig ist.« 

Beitragsbild: flickr.com/Gramophone Maryland (bearbeitet), Grafik: Sebastian Hahn