Hör mal, wer da röhrt!

Eine Messe namens „Jagd & Hund“? Klar, da denkt man erst einmal an eine reine Verkaufsveranstaltung für Jäger. Aber die Messe in den Westfallenhallen hatte ein ganz anderes Highlight: die Deutsche Meisterschaft der Hirschrufer.

„Rööööhr“ tönt es durch die Halle 4 der Westfalenhallen. Am Ende der Halle hat der Wettbewerb bereits begonnen. 16 Menschen stehen auf einer kleinen Bühne und pusten nacheinander in ihre Röhren und Muscheln. Für jeden gibt es danach die Bewertung von drei Juroren. Schließlich kann nur einer Deutscher Meister der Hirschrufer werden.

Hirschrufer? Ja, das sind Menschen, die Hirsche imitieren. Was skurril klingt, ist die Fortführung einer Jahrhunderte alten Tradition unter Jägern. „Das Anspruchsvolle ist, der Natur zuzuhören und sich in sie hineinzufühlen“, erläutert Heiko Hornung, der Moderator der Meisterschaft. So standen am vergangenen Freitag, 3. Februar 2017, eine Frau, ein Kind und 14 Männer bereit, um Hirsche möglichst originalgetreu zu imitieren. Zu Hilfe hatten sie Ochsenhörner, Tritonschneckengehäuse oder Glaszylinder. Die braucht man als Hirschrufer, da der Hirsch von Natur aus eine längere Luftröhre habe als der Mensch, so Hornung. In Aktion klingt das dann so:

 

Wer jetzt denkt, dass diese Veranstaltung nur eine kleine Fangemeinde hat, irrt. Nicht nur zahlreiche Messeteilnehmer schauten sich das 90-minütige Spektakel an, auch Fernsehteams von WDR, RTL und Sat1 berichteten von vorderster Front. Besonders die letzte von drei Disziplinen wurde mit Spannung erwartet. Dabei ging es darum, ein Rufduell zu simulieren. Der Teilnehmer musste also beweisen, dass er verschiedene Arten und Altersklassen von Hirschen darstellen kann.

Heiko Hornung gratuliert dem Deutschen Meister Andreas Töpfer zum Sieg.

Deutscher Meister wurde der 54-jährige Andreas Töpfer, der in der letzten Disziplin die volle Punktzahl (18) erreichte. Er stand schon zum fünften Mal auf dem Treppchen und konnte sich nun über ein Zielfernrohr freuen. Und das, obwohl er kaum trainiert hatte. Sein Appell: „Jeder kann Hirschrufer werden!“ Zum Anfang würde da auch eine leere Küchenrolle als Trainingsutensil reichen. Für ihn und für den Zweit- und Drittplatzierten geht es zur Europameisterschaft nach Frankreich.

Insgesamt gibt es 14 Hirschrufer-Nationen, so Heiko Hornung, der auch Chefredakteur der Zeitschrift „Wild und Hund“ ist. In vielen anderen Ländern seien die Hirschrufer allerdings besser. Tschechien und Polen seien beispielsweise zwei klassische Länder, in denen die Disziplin weiter verbreitet ist und deshalb auch die Konkurrenz stärker. 

Die Jagd & Hund Messe

Bilder und Video: Christina Teupen

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