Besinnlicher Zeitplan – Ein Tagebuch.

Kevin Dooley flickr.com

Quelle: Flickr/Kevin Dooley

Weihnachten – das Fest der Besinnlichkeit. Dieses Jahr will ich den Advent mal so richtig genießen und zur Ruhe kommen. Eine Glosse über das besinnlichste Fest des Jahres. 

Sonntag, 30. November. Endlich mal wieder ausschlafen, dachte ich. Um neun Uhr schallt „Auf uns“ von Andreas Bourani durch das Zimmer. Das Display sagt: Oma ruft an. Sie wolle mir bloß einen schönen ersten Advent wünschen. Ob ich denn einen Adventskranz hätte? Wie kein Adventskranz? Das gehöre doch dazu, woher komme sonst die Weihnachtsstimmung.

Sie hat natürlich recht, schon jetzt droht mein Vorhaben zu scheitern. Aber vielleicht lässt sich Weihnachtsstimmung auch anders herstellen. Hochmotiviert entwerfe ich mein eigenes Adventskranz-Design: vier Teelichter auf einer roten Serviette. Zufrieden ändere ich nun auch noch meinen Klingelton: Last-Christmas ist nun das Lied meiner Wahl. Ein wirklich besinnlicher Morgen. Danke, Oma. Ich bin also bereit für den Dezember. Oder – ganz im Stile der Hungergames – lasset den Advent beginnen. Möge das Glück stets mit euch sein. 

Dienstag, 2. Dezember. Noch 22 Tage. Plätzchen backen, Weihnachtsmarkt, Geschenke kaufen, wichteln und das alles mit verschiedenen Gruppen, also jede Aktion circa mal drei. Meine To-do-Liste ist ein vierseitiges Word-Dokument. Schriftgröße elf. Ein Aufzählungspunkt im oberen Teil der dritten Seite: zur Ruhe kommen, besinnlich werden.

Sonntag, 7. Dezember. Noch 17 Tage. Die Liste wird einfach nicht kürzer, die Zeit schon. Der Soundtrack meines Advents ist das Ticken einer Uhr. Geschenke kaufen. Tick Tack. Zum Glück ist heute verkaufsoffener Sonntag. Ich trau mich in den Dschungel aus einkaufswütigen Dortmundern. Die Schlange bei Douglas ist heute sogar länger als bei der Post, wenn nur ein schläfriger Beamter zur Verfügung steht. Eine warme Jacke brauche ich selbst draußen auf dem Weihnachtsmarkt nicht. Es ist so eng, dass ich schwitze. Wir sind Pinguine, die ihre Körperwärme teilen. 

Freitag 12. Dezember. Noch 12 Tage. In den Gängen der Thier-Galerie streift grellrotes Billig-Lametta meine Haare. Ein Paradies für Loriots Familie Hoppenstedt wäre das. Mehr Lametta geht wirklich nicht. Der Geruch von Lebkuchen mischt sich mit dem von Plastik und Gummi. Ich liebe Reizüberflutung, besonders wenn sie so besinnlich daherkommt. Ein Mann mit Bart und rotem Mantel macht einer Gruppe von Kindern Geschenke. Coca-Cola, was sonst? Mein geliebtes Christkind ist wohl im Winterschlaf. Ein kleiner Junge ruft: „Weihnachtsmann, ich wünsche mir ein iPhone!“ Weihnachten wird unterm Baum entschieden, erklärt mir MediaMarkt. 

Samstag 20. Dezember. Noch 4 Tage. Was soll ich bloß verschenken? Weihnachtliche Teelichter im Sonderangebot. Mit Duft und Glitzer. Extravagant. Ich greife zu. Kreativ werde ich nächstes Jahr.  Und noch immer fehlen 10 – in Worten zehn- Geschenke! Aus Frust trinke ich Glühwein (5 Euro inklusive Pfand, ein Schnäppche n also), immerhin das kann ich dann abhaken. Blöd, nur dass der Kater am nächsten Tag mir wertvolle Stunden raubt. Ich beginne zu rechnen. Wenn ich eine Nacht durchmache, schaffe ich es sogar noch die Geschenke einzupacken. Dann ist sogar noch Zeit für einen gemütlichen Weihnachtstee vor dem Fernseher. 

Sonntag 28. Dezember. Weihnachten ist überstanden. Der Geschenke-Marathon ist erfolgreich absolviert, alle sinken erschöpft und überfressen in die Federn. Welch ein schönes Fest voller Freude und Besinnlichkeit. Nach den Tagen voller Völlerei muss ich aber unbedingt eine Diät machen. Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr. Und das kommt schon bald! Was mache ich jetzt eigentlich an Silvester? 

 

Teaserbild: Flickr/Mario Sixtus

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