Temperaturtief im Hörsaal

Ohne dicke Daunenjacke, Mütze, Schal und Handschuhe kommt man schlecht durch den Winter. Ebenso wenig durch das Wintersemester. Manche Studenten müssen sogar im Hörsaal die wärmende Winterkluft anlassen.

"Da musst du dich warm anziehen!" Das gilt auch für so manchen Gang in den Hörsaal. Foto: C.Zappe

"Da musst du dich warm anziehen!" Das gilt auch für so manchen Gang in den Hörsaal. Foto: C.Zappe

Bibbern in Bochum. Eiseskälte in Essen. Die Studenten sitzen in mehreren Kleidungsschichten eingepackt in den Hörsälen. Grund: Die Belüftung sind häufig zu kalt eingestellt. „Ich bekomme sogar Rückenschmerzen, weil es in manchen Räumen so zieht!“, beschwert sich die Anglistik- und VWL-Studentin Besnike Mulliqi, wenn sie an die Hörsaaltemperatur an der Ruhr Universität Bochum (RUB) denkt. Am Essener Campus gibt es ähnliche Zitterpartien: „Brennende Augen und eine schmerzhaft trockene Nase gehören nach zwei Stunden Vorlesung mit dazu“, sagt ein Student der Waterscience an der Uni Duisburg-Essen (UDE). „Wer soll sich denn da noch konzentrieren können?“.

Das Problem scheint sich auf vereinzelte Räume zu verteilen. Besonders große Hörsäle mit mehr als 200 Sitzplätzen und ebenso vielen Belüftungsschlitzen an der vorderen Tischkante sorgen für Schniefnasen und Frostbeulen. Denn die frostige Luft weht in Gesichter und Rücken. Das klimatische Gegenteil, also zu wenig Belüftung und somit einen Temperaturanstieg, bewirkt das System jedoch in kleineren Räumen mit vielen Studenten. Deren Aufmerksamkeit hält sich dann, wie auch der Sauerstoffgehalt der Luft, stark in Grenzen.

Bei bibbernder Kälte im Hörsaal wünscht sich so mancher Student einen eigenen Temperaturregler.Foto:Maren Beßler/pixelio.de

Bei bibbernder Kälte im Hörsaal wünscht sich so mancher Student einen eigenen Temperaturregler. Foto:Maren Beßler/pixelio.de

Fühlermessung für Frischluft

„Hier beginnt unser Aufgabenbereich“, erklärt Jörg Frenzel, Angestellter der Gruppe Gebäudeautomation an der RUB, seine Tätigkeit. Die Zuluftmengen und Raumtemperaturen werden ständig durch die entsprechenden Fühler gemessen. Diese gemessenen Werte (Ist-Werte) werden über die Gebäudeleittechnik (GLT) an die Leitwarte übertragen. Bei Über- oder Unterschreiten der Grenzwerte wird die Leitwarte informiert und beginnt umgehend damit, die Störung zu beheben. Wenn nötig, ersetzen die Mitarbeiter defekte Regelkomponenten oder passen die Sollwerte manuell an. Normalerweise gibt aber eine programmierte Heizkurve dem System automatisch vor, bis zu welchen Temperaturen geheizt und ab wann gekühlt wird. Das es auch anders geht, beweisen einige Hörsäle: Für frische Luft wird durch perforierte, zylinderförmige Ausgänge unter den Sitzbänken gesorgt. Zu finden sind solche studentenfreundlichen, modernen Räumlichkeiten zum Beispiel am Campus Essen.

An der RUB frieren Studenten in einigen Vorlesungen, in anderen schwitzen sie. Grund ist die Belüftung. Foto: pixelio/Niko Korte

An der RUB frieren Studenten in einigen Vorlesungen, in anderen schwitzen sie. Grund ist die Belüftung. Foto: Niko Korte/pixelio.de

Wissenschaftliche Wohlfühltemperatur

Temperaturmessungen in jeweils zehn Hörsälen und unterschiedlichen Seminarräumen der RUB und am Campus Essen der UDE, ergaben Ergebnisse zwischen 20°C und 25°C. Nach einer Studie, von Wissenschaftlern der Helsinki University of Technology und des Lawrence Berkeley National Laboratory in den USA, bilden diese Werte die Grenzen der als „angenehm“ empfundenen Temperaturspanne in Arbeitsräumen. Diese Spanne beeinflusst außer dem Wohlbefinden genauso die Leistungsfähigkeit. Schwankungen in beide Temperaturextreme haben demnach auch extreme Wirkungen. Wobei die Reaktionen auf zu warme Umgebungen wesentlich stärker ausschlagen, als in die andere Richtung. Es folgt ein Leistungsabstieg von durchschnittlich zwei Prozent pro Grad Celsius Temperaturanstieg.

Für Hörsäle gilt also: besser kälter als zu warm. Und das wird sich auch erstmal nicht ändern. „Denn solange vom Bau und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW, dem Vermieter der Campusgebäude in Bochum, die Anforderungen nicht geändert werden, verändert sich auch die Heizkurve nicht“, so ein Sprecher der Gebäudeautomation an der RUB. Das heißt also weiter an Mütze, Schal und Handschuhe beim Weg zur Uni denken.

Von unserer Mitarbeiterin Marina Wolf

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