Duell am Donnerstag: Fitness für Faule? Das können Vibrationsplatte und Co.

duell_kira_lillith

 

Fitness ist nicht länger reserviert für die Fleißigen. Dank moderner Technik kann sich jetzt jeder auf sogenannten Vibrationsplatten durchschütteln lassen oder mit Elektrostimulatoren seine Muskeln zusätzlich anfeuern. Befürworter versprechen blitzschnelle Resultate mit minimalem Aufwand. Tolle Trainingsmethode oder fehlgeleiteter Trend? Unsere Pflichtlektüre-Reporter diskutieren.

 

Vibration macht das Training effektiver.

findet Lilith Teusch

Eigentlich ein so einfaches Prinzip: Statt auf einer Matte oder dem Boden trainiert man einfach auf einer vibrierenden Platte. Aber nützt das wirklich etwas? Und wie! Die Übungen auf wackeligen Grund bringen einen nicht nur schneller ins Schwitzen, die Vibration fördert außerdem auch den Muskelaufbau und die Durchblutung. Zudem trainiert die Platte auch zusätzliche Muskelgruppen, die bei Übungen auf stabilem Boden nicht angesprochen werden können. Wie das funktioniert? Wenn man beispielsweise einen Liegestütz auf dem Boden macht, belastet man nur die Muskeln, die für die Bewegung beziehungsweise Haltung notwendig sind. Zittert der Boden jetzt aber, so muss der Körper zusätzlich gegensteuern, um das Gleichgewicht zu halten, was ihn schon spürbar stärker fordert.

Das Trainieren auf der Platte kommt einem auch bei engem Terminplan entgegen, da die Muskulatur durch die Bewegung des Untergrundes stärker beansprucht wird und so das Training intensiviert wird.

Förderung des Muskelaufbaus

Die Muskulatur baut, wenn regelmäßiges Training fehlt, ab. Passiert das, ist zum Beispiel reduzierte Beweglichkeit die Folge. So kann durch einfache Übungen auf dem Brett die gesamte Muskulatur trainiert werden und dem Abbau von Muskeln effektiver entgegen gewirkt werden.

Das Gerät ist aber nicht nur zum Bodyforming gut, sondern auch um den Muskelaufbau nach Unfällen oder Sportverletzungen zu fördern: Nach einem Beinbruch oder bei Rückenproblemen zum Beispiel, um die Muskulatur aufzubauen und zu stärken. Außerdem ist das Training auf der Platte Gelenkschonend. Vibrationsplatten werden schließlich nicht ohne Grund auch bei der Physiotherapie verwendet.

Mittels Vibrationsplatte kann jeder trainieren

Das Trainieren mit Vibration ist generell gut für Menschen geeignet, die sich eingeschränkt bewegen können, denn die Vibration allein belastet den Körper nicht zu sehr, trotzdem werden die Muskeln angeregt und gestärkt.

 

 

Where’s the Körpergefühl?

fragt Kira Schacht

Ich habe als Kind „Momo“ gelesen, von Michael Ende. Die Bösewichte dort sind die grauen Herren. Sie machen dir klar, wie viel Zeit du eigentlich verschwendest und erklären dir alle möglichen nützlichen Tricks, wie du dein Leben viel effizienter gestalten kannst. Die gesparte Zeit kannst du dir dann wieder auszahlen lassen und hast sie ganz für dich, nur zum Nichtstun.

Das ist natürlich alles gelogen. Die Menschen sparen und sparen und was am Ende bleibt, ist nichts als Hektik und verlorene Lebensfreude. Daran muss ich manchmal denken, wenn wieder das neueste Modell der supereffizienten „PowerPlate“ beworben wird. Stahlharte Bauchmuskeln und strahlende Haut in nur zehn Minuten – null Prozent Körpergefühl garantiert!

Für diese Stahl und Technik gewordenen grauen Herren blättert man locker mal ein paar tausend Euro hin – oder zumindest einen satten Aufschlag auf den Monatsbeitrag im Studio. Für etwas weniger – nur ein paar hundert Euro, was für ein Schnäppchen – kann man sich alternativ auch von einem harmlos aussehenden „Muskelstimulator“ Strom durch die Nerven jagen lassen, während man seine Sit-Ups macht.

Vibrationstraining – Die Erfüllung der kühnsten Fitnessträume?

Was das bringt? Alles, wenn man den Verfechtern dieser Technologien glaubt. Das Training mit der Vibrationsplatte etwa soll die Haut straffen, den Stoffwechsel fördern, natürlich Muskeln aufbauen und dabei noch die Gelenke schonen. Interessanterweise alles Dinge, die ein Training ohne durchschütteln genauso schafft. Die Gelenke schont es nebenbei nur bei denen, deren Muskeln schon stark genug sind, um die Vibrationen abzufedern: Wer  nicht aufpasst, rüttelt Knorpel, Gelenke und Organe gleich mit und kann sich ernsthaft verletzen.

Das Argument schlechthin aber ist die Zeit. Daran mangelt es uns doch allen. Da scheint die moderne Fitnesstechnik schon mal wie die Lichtgestalt am Ende des Tunnels, wenn sie verspricht, mit minimalem Zeitaufwand maximale Ergebnisse herbeizuzaubern. Dahinter steckt eine ganz verquere Einstellung zum Sport, aber vor allem zum eigenen Körper. In zehn Minuten kann niemand eine Verbindung zu seinem Körper aufbauen – schon gar nicht, wenn einem vor lauter Vibration ohnehin Hören und Sehen vergeht. Wo bleibt da das Auspowern, das „Yeah, ich hab’s geschafft“, die Entdeckung, wozu der Körper fähig ist?

Spaß am Sport statt Fitnesszwang

Das Körpergefühl, das regelmäßiger Sport beschert, macht einem oberflächlichen Fitnesszwang Platz: Wie kann ich in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aus mir herauspressen? Weder zum Abschalten noch zum Genießen taugt diese Einstellung. Ziel ist nur eins: Am Ende auszusehen wie aus Photoshop – aber ohne den nötigen Aufwand oder die teure Software.

Wer wirklich nur zehn Minuten pro Woche Zeit hat, kein Problem: Drei gute Lieder raussuchen und eine Runde joggen, zehn Minuten Gymnastik oder Klimmzüge am Türrahmen. Das geht sogar kostenlos. Es braucht länger, ja. Aber Muskeln wachsen ohnehin nicht über Nacht. Schön wär’s ja. Aber wer Effizienz im Sport über alles stellt, dem entgeht das eigentliche Potential der Sache vollkommen.

Was allerdings dazu gesagt werden muss: Es gibt sicherlich Leute, deren körperliche Disposition herkömmliches Training nicht erlaubt. Wem da die Fitnesstechnik unter professioneller Anleitung Starthilfe geben oder sogar Alternativlösungen bieten kann, dem sei es von ganzem Herzen gegönnt.

Ansonsten aber gilt: Leute, nehmt euch die Zeit. Arbeitet mit eurem Körper, nicht gegen ihn!

das-duell-feederFoto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 
Teaserfoto: flickr.com/Marco Verch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.