Wissenswert: Kater danach

Foto: flickr.com/Karen Roe, Rafael Robles L, Lars Kasper, NASA Goddard Photo and Video; Montage: Marc Patzwald, Teaserfoto: flickr.com/poniblog

Foto: flickr.com/Karen Roe, Rafael Robles L, Lars Kasper, NASA Goddard Photo and Video; Montage: Marc Patzwald, Teaserbild: www.foto-fine-art.de / pixelio.de

Das Oktoberfest neigt sich dem Ende. Mehrere Millionen Maß Bier sind dieses Jahr wieder auf der Wiesn geflossen – die Massen feierten ausgelassen in den Zelten, doch so mancher endete auch als Schnapsleiche dahinter. pflichtlektüre erklärt, wie solch ein Alkoholrausch entsteht und was dabei eigentlich im Gehirn passiert.

Das ein oder andere Bier zu viel ist auf der Wiesn gang und gäbe. Foto: Günter Havlena/ pixelio.de

Das ein oder andere Bier zu viel ist auf der Wiesn gang und gäbe. Foto: Günter Havlena/ pixelio.de

Nur wenige Minuten braucht der Alkohol, bis er im Gehirn ankommt. Schon in kleinsten Dosen verbreitet er dort schnell seine Wirkung. Doch die verändert sich im Laufe des Abends: Sind Betrunkene anfangs in Hochstimmung, enthemmt und ausgelassen, werden sie mit zunehmender Alkoholmenge schlapp, traurig oder aggressiv. Es geht vom Kichern bis zum Blackout.

Zu Beginn der Party sorgt Alkohol aber erst einmal für einen Glücksrausch. Denn Alkohol setzt im Gehirn verstärkt solche Botenstoffe frei, die zum Belohnungssystem des Körpers gehören – etwa Serotonin, Dopamin und Endorphine. Vermehrter Tatendrang, Hemmungslosigkeit und ein loses Mundwerk sind die Folge.

Mit zunehmender Alkoholmenge aber wird diese Ausschüttung gehemmt. Denn je mehr man kippt, desto weniger kann das Gehirn leisten – es drosselt kontinuierlich seine Aktivität. Alkohol wirkt quasi wie eine Art Bremse im Gehirn.

Gehirn schaltet ab

Der Alkohol beeinflusst nämlich zwei bestimmte Transmittersysteme, die die Aktivität im Gehirn steuern. Sogenannte Neurotransmitter sind dafür verantwortlich, dass Reize über die Nerven weitergeleitet werden, zusammen bilden sie ein Transmittersystem. Und eben diese Systeme stört der Alkohol, genau wie viele andere Drogen oder Gifte.

Mit zunehmender Alkoholdosis ist selbst der Nachschub schwierig zu erkennen.

Mit zunehmender Alkoholdosis ist selbst der Nachschub schwierig zu erkennen. Foto: Ipshita B/ flickr.com

Docken Alkoholmoleküle an Rezeptoren des Glutamat-Systems an, das die Aktivität im Gehirn steuert, wird diese gehemmt. Gleichzeitig bindet Alkohol auch an Rezeptoren des GABA-Systems, das die Aktivität im Gehirn dämpft – und diese Dämpfung nimmt unter Einfluss von Alkohol weiter zu. Die Reizübertragung ist gehemmt, Nervenimpulse nehmen ab, die Gehirnleistung ist gestört.

Statt Glücksgefühlen machen sich nun Sehstörungen, Gleichgewichtsprobleme und Sprachprobleme bemerkbar. Die Reaktionsfähigkeit ist vermindert, die Merkfähigkeit nimmt ab. Männer haben zwar mehr Lust auf Sex, gleichzeitig nimmt aber die Erektionsfähigkeit ab – Pech gehabt. Und ist die Alkoholdosis zu hoch, schaltet das Gehirn ganz aus. Blackout.

K wie Kater

Am nächsten Morgen verfluchen wir oft all das, was wir die Nacht zuvor getan haben – wenn wir uns denn noch erinnern. Das liegt meist nicht nur an dem Kerl nebenan im Bett (der plötzlich doch kein Traumprinz mehr ist), sondern eher am Kater. Der Kopf hämmert, der Magen rebelliert. Für den „Katzenjammer“ gibt es mehrere Erklärungen: Zum Einen entzieht Alkohol dem Körper Wasser.

Die Kontrolle des Wasserhaushaltes ist gestört, der Körper scheidet zu viel Wasser aus. Katersymptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Nackenschmerzen warnen den Körper vor einer Dehydration. Zum Anderen enthalten Schnaps, Likör und Co. meist nicht nur Ethanol, den normalen Trinkalkohol, sondern auch Begleitstoffe wie höhere Alkohole und Fuselöle. Die werden erst später abgebaut, sind aber noch giftiger für den Körper als Ethanol selbst und fördern deshalb den Kater. Daher auch der Ausdruck „billiger Fusel“.

Rollmops - das ultimative Katerfrühstück? Helfen soll er, enthält er dich viele Mineralstoffe. Und die sind bei Kater wichtig

Rollmops - das ultimative Katerfrühstück? Helfen soll er, enthält er dich viele Mineralstoffe. Und die sind bei Kater wichtig. Foto:BirgitH/pixelio.de

Was hilft: Ein nährstoffreiches Katerfrühstück, Flüssigkeiten und Mineralstoffe. So füllt man die Wasserreserven und die Mineralstoffdepots des Körpers wieder auf und lindert Symptome. Aber Finger weg vom „Konterpils“. Der Alkohol am Morgen lindert die Beschwerden nur kurzzeitig – danach wird alles nur noch schlimmer. Frische Luft und Bewegung bringen den Kreislauf nach einer ausgiebigen Partynacht wieder in Schwung.

Döner und Pommes helfen

Also stimmt so einiges von dem, was schon der Großvater gepredigt hat, wirklich. So etwa auch: „Kind, du brauchst eine gute Grundlage vorm Trinken“ – und am besten schön fettig. Das erklärt sich so: Zwar werden etwa zwei Prozent des Alkohols beim Trinken direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen und nochmal das Zehnfache von der Magenschleimhaut – der Rest aber gelangt erst über den Darm ins Blut – das erklärt, wieso man die volle Wirkung des Alkohol oft erst verzögert spürt.
Ist nun der Magen gut gefüllt, nimmt der Körper den Alkohol langsamer auf. Trinkt man hingegen auf leeren Magen, gelangt der Alkohol viel schneller ins Blut und von da ins Gehirn. Genauso beschleunigen warme Getränke wie Glühwein, zuckerhaltiger Alkohol und Kohlensäure wie etwa beim Sekt die Aufnahme von Alkohol, da der Magen-Darm-Trakt so besser durchblutet ist.

Nicht zu vergessen: Alkohol ist für den Körper ein Gift, das der so schnell wie möglich loszuwerden versucht. Der Großteil wird in der Leber abgebaut und dann über die Lunge oder die Niere ausgeschieden. Ein kleiner Teil wird „ausgepinkelt“ und ausgeschwitzt. Und bis zu 5 Prozent des Alkohols werden einfach wieder ausgeatmet – das erklärt die übelriechende Fahne, die so manchem Beschwipstem vorauseilt. Und davon gibt es auf dem Oktoberfest ja reichlich.