Torball: Immer der Rassel nach

Action Kopie

Nach den Olympischen Spielen ist vor den Paralympischen Spielen. Ab dem 7. September messen sich Behindertensportler aus aller Welt in Rio de Janeiro. Dabei: Goalball, eine der bekanntesten Sehbehinderten- und Blindensportarten.  Nicht dabei: Torball, der „kleine Bruder“ des Goalballs.

Totenstille herrscht in der Halle, als Isnija Demiri mit dem rechten Arm ausholt und den Ball wirft. Dieser rasselt und ihre Gegner werfen sich auf den Boden um ihn abzuwehren – zu spät. Der Ball überquert die Linie. Tor für Isnija und ihr Team. „Super gemacht Isi!“, ruft ihre außenstehende Teamkollegin Annika. Isnija und der Rest ihres Teams freut sich, konzentriert sich dann jedoch schnell wieder auf den nächsten Ball.

Isnija Kopie

Isnija Demiri ist seit 2012 im Verein.

Isnija Demiri spielt Torball beim ISC Viktoria Kirchderne 2005 in Dortmund. Zusammen mit ca. 15 anderen Spieler*innen trainiert sie jeden Samstag von 12 bis 16 Uhr in Kirchderne. Innerhalb des Teams kennt man sich und macht auch mal Witze untereinander. Es ist alles genauso, wie in anderen Sportvereinen auch. Der einzige Unterschied: Isnija und die meisten ihrer Mitspieler*innen sind stark sehbehindert oder sogar blind. Torball ist eine der bekanntesten Behindertensportarten in Europa.

Torball – einfach erklärt

Beim Torball spielen zwei Teams mit drei Personen gegeneinander. Das Spielfeld ist 16 mal 7 Meter groß und in der Mitte sind drei dünne Seile gespannt – hier muss der Ball drunterherfliegen. Falls der Ball eines der Seile berührt, ist dieses nicht zu überhören, denn an den Seilen sind kleine Glöckchen angebracht, die jede Berührung hörbar machen. Da sowohl blinde, als auch sehbehinderte Menschen Torball spielen, müssen alle eine Augenmaske tragen. Ziel ist es den Ball mit der Hand unter den drei Seilen ins gegnerische Tor zu werfen. Um den Ball abzuwehren, werfen sich die Gegenspieler seitlich gestreckt auf den Boden. Berührt der Ball eine Leine, muss der Werfer das Feld für einen Strafwurf des Gegners verlassen. Nach drei solchen Fehlern wird das Tor für einen Wurf nur noch von einem Spieler verteidigt und es gibt einen Penalty. Sieger ist die Mannschaft, die am Ende der Spielzeit (pro Halbzeit fünf Minuten) mehr Tore erzielen konnte.

Isi Hocke Kopie

Warten auf den nächsten Angriff.

Isi spielt schon seit mehreren Jahren Torball und hat nach wie vor großen Spaß am Sport. Kennengelernt hat die 28-Jährige die Sportart in der Schule, seit 2012 ist sie beim ISC Viktoria Kirchderne. Parallel studiert sie Lehramt Sonderpädagogik an der TU Dortmund und ist im sechsten Semester. „Vorher habe ich soziale Arbeit an der FH in Dortmund studiert und das Studium auch abgeschlossen.“ Isnija merkte allerdings schnell, dass das nicht das Richtige für sie ist. „Ich wollte schon immer was mit Kindern machen und die Möglichkeiten, die man als Sehbehinderte hat, sind als Lehrerin einfach größer“, sagt sie.

Isi Kopie

(Fast) kein Ball kommt an Isi vorbei.

Auch beim Torball hat sie große Möglichkeiten. Die Teams des ISC Viktoria Kirchderne gehören sowohl national, als auch international zur Spitze. In diesem Jahr belegten Frauen- und Männerteam jeweils den zweiten Platz bei der deutschen Meisterschaft. Und im letzen Jahr erreichten sie bei einem internationalen Turnier in Bozen den ersten Platz. Ein absolutes Highlight, findet Isnija: „Das war schon echt krass, als wir da gewonnen haben.“ Um auch bei den nächsten Meisterschaften wieder ganz vorne dabei zu sein, muss hart trainiert werden. Das wissen Spieler und Trainer ganz genau. Sie trainieren jeden Samstag mehrere Stunden lang und üben dabei sowohl das Spiel, als auch die Taktik. Dabei bestärken sie sich gegenseitig, müssen aber auch mal Kritik von Trainer Hassan Caglikalp über sich ergehen lassen. „Gut, dass morgen keine Deutsche Meisterschaft ansteht. Denn so, wie ihr heute gespielt habt, würdet ihr da nichts holen“, kritisiert er seine Jungs und Mädels nach dem Training.

Doch trotz des harten Trainings geht es im Verein sehr familiär zu, findet zumindest Isnija Demiri. Das sei nicht überall so. In den Pausen gebe es dann immer Kaffee und Kuchen, so dass man sich auch super unterhalten kann. Unter anderem mit Christina, mit der Isi schon seit Jahren befreundet ist. Christina kam auch nur durch Isi zum ISC Viktoria Kirchderne. Jetzt spielen beide in einem Team.

Es ist egal, ob blind oder nicht

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Der provisorische Schiedsrichter-Tisch.

Einem Team, das nicht nur aus sehbehinderten und blinden Menschen besteht. Zum einen gibt es natürlich Helfer wie Daniel, der den Schiedsrichter macht. Es ist aber auch pro Team ein „normal sehendes“ Team-Mitglied erlaubt. Eine davon ist Annika, die im vierten Semester Physik an der TU Dortmund studiert. Zum Torball gekommen ist sie durch ihren Freund, der ebenfalls hier im Verein spielt. Auch ihr macht der Sport viel Spaß, besonders, da sie ihn zusammen mit ihrem Freund machen kann. Einen Vorteil hat sie durch ihre „guten Augen“ auch nicht. Schließlich muss auch sie eine undurchsichtige Augenbinde tragen. So ärgert auch sie sich, wenn ihr Team ein Gegentor bekommt und freut sich, wenn ihrem Team ein Treffer gelingt. Nicht anders, als in anderen Sportteams.

Darum ist Torball nicht paralympisch
Trotz ihrer Erfolge hätten die Torballer und Torballerinnen des ISC Viktoria Kirchderne nicht die Möglichkeit, an den Paralympics in Rio teilzunehmen. Warum ist einfach beantwortet. Anstatt von Torball ist Goalball paralympisch. Die beiden Sportarten ähneln sich zwar sehr, es gibt aber dennoch einige Unterschiede. Zum einen unterscheiden sich die Größen der Spielfelder und die Spieldauer. Beim Goalball wird zweimal 12 Minuten gespielt, beim Torball nur zweimal fünf Minuten.  Außerdem kann ein Goalballspiel beendet werden, wenn eine Mannschaft mit zehn Toren Vorsprung führt. Beim Torball gibt es diese Möglichkeit nicht. Insgesamt sind sich die beiden Sportarten jedoch sehr ähnlich. Für einen Laien sind die Unterschiede kaum zu erkennen. Deshalb werden die Torballer sicher verfolgen, wie die Deutschen Goalballer sich in Rio schlagen. Die ersten Spiele beginnen am 7. September, die Finals der Männer und Frauen finden am 16. September statt.

Beitragsbilder: Nina Louwen

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