Erasmus für Anfänger

„Was? Das Oktoberfest ist im September?“ Nach vier Stunden in Deutschland erlebt Ysaline Lannoy die erste Enttäuschung. Doch auch wenn es mit dem Besuch in München etwas knapp werden könnte: In der Strandbar des Sonnendecks ist die Belgierin schon einmal gut angekommen – auch nicht der schlechteste Ort, um ein Erasmus-Semester zu beginnen.

Ysaline Lannoy (2. v.l.) erkundet den Campus der TU Dortmund

Ysaline Lannoy (2. v.l.) erkundet mit den anderen Erasmus-Studierenden den Campus der TU Dortmund. Fotos: Jana Fischer

Ysaline ist eine von gut 200.000 Studenten, die das EU-Programm jährlich ins Ausland entsendet. Heute Morgen ist sie mit ihrer Kommilitonin Pauline Piers und deren Familie in Brüssel losgefahren, jetzt hat sie ihr Wohnheimzimmer bezogen und den ersten Rundgang über den Campus bereits hinter sich.

Nach Deutschland hat es die Journalistik-Studentin auch aus persönlichen Gründen verschlagen: „Meine Mutter ist in Heidelberg aufgewachsen und ich möchte ihre Sprache gerne lernen. Ich konnte mich zwischen Dortmund und Tübingen entscheiden und habe die Stadt ausgesucht, in der mehr los zu sein scheint.“

25 Jahre ist es her, dass das Erasmus-Programm die ersten Auslands-Stipendien vergab – damals an ganze 3244 Teilnehmer. Zum Geburtstag erfreut die Auslandsförderung sich größerer Beliebtheit denn je, auch in Deutschland steigen die Teilnehmerzahlen konstant. Insgesamt hilft die Erasmus-Förderung Studierenden in 33 Ländern, ihren Auslandsaufenthalt zu finanzieren. Auch Ysaline wird mit ungefähr 150 Euro im Monat unterstützt.

3244 Erasmus-Erstis

Ein weiterer Grund für die Popularität: Für die Teilnehmer hält sich der bürokratische Aufwand in vergleichsweise überschaubaren Grenzen. „Ich musste ein Motivationsschreiben einreichen und meine Wunsch-Universitäten wählen. Danach war ich vielleicht dreimal in unserem Erasmus-Büro, um die nötigen Formulare auszufüllen“, sagt Ysaline.

Die erste Deutschstunde für Olivier Montégut.

Die erste Deutschstunde für Olivier Montégut.

In Dortmund steht ihr der Papierkram rund um Uni Card und Semesterticket noch bevor, nach ihrer Ankunft in Deutschland beschäftigen sie erst einmal praktische Fragen: „Ich muss gleich noch irgendwo etwas zu Essen kaufen. Und ich habe keine Ahnung, woher ich meinen Internet-Anschluss bekomme.“

Wie Ysaline hat auch Olivier Montégut aus Toulouse einen familiären Bezug zu Deutschland: Seine Tante ist mit einem Deutschen verheiratet und lebt in der Nähe von Altena, kaum eine halbe Stunde von Dortmund entfernt. Dort wird Olivier in den nächsten Monaten wohnen. „Das war eigentlich Zufall“, erzählt er. „Dass meine Familie so nah an Dortmund wohnt, habe ich erst bemerkt, als schon klar war, wohin ich gehe.“

Mit seiner Cousine war er gestern zum ersten Mal in der Innenstadt. „Es sieht hier ganz anders aus als in Toulouse, man sieht fast nirgendwo alte Gebäude.“ Auf dem Uni-Campus wiederum macht vor allem die H-Bahn Eindruck – auch wenn die Aussprache des Namens für einen französischen Muttersprachler kein Vergnügen ist. Auch Ysaline ist überrascht: „Ich hatte mir die Gegend irgendwie ländlicher vorgestellt.“

Keine Zeit für Langeweile

Obwohl das Semester erst im Oktober beginnt, bleibt der 20-Jährigen nicht viel Zeit für Langeweile: Gleich am Tag nach ihrer Ankunft geht es für sie um viertel nach neun zum Deutschkurs, in dem sie mit Olivier und anderen ausländischen Studierenden den ganzen September lang Vokabeln und Grammatik pauken wird – nicht ausschließlich natürlich, andere Pflichtbestandteile im Kursprogramm heißen „Fahrt nach Köln“, „Führung durch die Actien-Brauerei“ oder „Besuch im Signal Iduna Park“.

Da ist es auch zu verschmerzen, dass die Kursleiterin in einer ersten Ansprache gleich auf klischeehafte deutsche Tugenden verweist: Disziplin, Konzentration und Pünktlichkeit, bitteschön – nicht unbedingt das, was man spontan mit einem Erasmus-Semester assoziiert.

Olivier und Ysaline bleiben entspannt: Für den Abend hat das Erasmus Student Network schon ein erstes Treffen im Sonnendeck organisiert, morgen und übermorgen folgen „Welcome Drinks“ im Meitnerweg und ein Kneipenabend mit der Journalistik-Fachschaft. „Sind Taxis in Deutschland eigentlich teuer?“, fragt Ysaline sicherheitshalber. Die wirklich wichtigen Erasmus-Fragen drehen sich eben selten um ECTS-Punkte.

4 Comments

  • Katrin Herms sagt:

    Hallo Nino,

    vielleicht kannst du deine neue Bekanntschaft über das „Referat Internationales“ ausfindig machen? Das Büro ist eine Zweigstelle, die alle Erasmus-Incomings der TU im Blick hat. Hier der Link zu den Kontakten:
    http://www.aaa.tu-dortmund.de/cms/de/AAA/Team/index.html

    Viel Erfolg!

    Katrin Herms

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  • Nino sagt:

    Hallo,
    ich habe eine Frage an allen. 🙂
    ich suche jemanden, den ich letztes Wochenende in Dortmund kennengelernt habe.
    Er macht Erasmus bei TU-Dortmund und kommt aus Italien.
    Wir haben leider keinen Kontakt ausgetauscht. 🙁
    Ich möchte gerne ihn wiedersehen, aber wie und wo er zu finden ist, weiß ich nicht.
    kann mir jemand einen Tipp geben, wie ich ihn finden kann?

      Zitat:  Antwort:

  • Jana Fischer sagt:

    Hallo Sarah,

    toll, hier positives Feedback zu bekommen – es freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat!

    Alles Gute für Rom, Jana Fischer

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  • Sarah sagt:

    Danke für den interessanten Bericht und die tollen Links zu dem Erasmus Studium. Ich möchte nächstes Jahr gern in Rom mein Erasmus Studium machen und fand den Bericht deshalb sehr lesenswert :-),

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