Ehrentag für Kopfschmerzen

Einen eigenen Gedenktag für Kopfschmerzen?! Die pflichtlektüre hat recherchiert, warum ausgerechnet die nervigste Krankheit einen Ehrentag verdient, wieso es Kopfschmerzen überhaupt gibt und wie man sie am besten losbekommt.  Außerdem wollten wir wissen, was euch am meisten Kopfschmerzen bereitet und wie ihr damit umgeht.

(Auch) Lernen kann Kopfschmerzen bereiten - vor allem wenn es viel zu lernen gibt. Fotos: Anne Schwedt

(Auch) Lernen kann Kopfschmerzen bereiten - vor allem wenn es viel zu lernen gibt. Fotos: Anne Schwedt

„Am meisten Kopfschmerzen bereiten mir Prüfungen mit einer Durchfallquote von 95 Prozent“, sagt Lehramtstudent Michael Lieder. Was er dagegen tut: „Viel lernen! Und früh damit anfangen“. Auch Wirtschaftsstudentin Feray Pulukcu bekommt von Klausurstress Kopfweh. „Viel lernen, viel Stress, wenig Schlaf – davon kann man ja nur Kopfschmerzen bekommen“, sagt die 23-Jährige. Kopfschmerztabletten nehme sie aber keine. Sie setze stattdessen auf viel Trinken.

Kopfschmerztabletten lehnt auch Maschinenbaustudent Alexander Walke ab. Sein Rezept: „Einfach abwarten, die Kopfschmerzen gehen meist von ganz allein wieder.“ Wenn er überhaupt einmal Kopfschmerzen habe, dann seien meistens Frauen oder durchzechte Nächte die Gründe, so der 25-Jährige.

Zu viel Telefonieren und Lesen bereiten Laura, Literaturwissenschaftsstudentin, Kopfschmerzen. Ihr Freund, der lieber anonym bleibt, bekommt von der Europapolitik und dem ständigen Wetterwechsel Kopfbrummen. Was sie dagegen tun: „Stressfreie Tätigkeiten, schlafen und viel trinken.“

Studenten sind jedoch nicht nur Opfer von Kopfschmerzen, sondern können auch der Auslöser sein. Linguistik-Dozentin Claudia Sassen bekommt vom Hausarbeiten korrigieren die größten Kopfschmerzen. „Zahlreiche Grammatik- und Rechtschreibfehler von Studenten, die mal Deutschlehrer werden möchten, sind echt anstrengend“, sagt sie. Außerdem sei die Hochschulpolitik sehr Kopfschmerz erregend. Ihr Rat: „Frische Luft in der Natur, zur Not eine Aspirin!“

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz

Aber wie genau entstehen Kopfschmerzen eigentlich? Und was kann man dagegen tun? Rüdiger Fabian, Vorsitzender der Deutschen Schmerzhilfe e.V und Initiator des Deutschen Kopfschmerztags, klärt im Interview mit der pflichtlektüre auf: „Den einen Kopfschmerz gibt es nicht“, sagt er. So werde in der Wissenschaft zwischen 250 verschiedenen Kopfschmerzarten unterschieden. Grob lassen sich die Kopfschmerzen in zwei Klassen unterteilen:

Die größere Gruppe machen dabei Kopfschmerzen aus, die als Folge von etwas entstehen. Diese Art von Kopfschmerzen kennt jeder: Anstrengungskopfschmerzen, Stresskopfschmerzen, Kopfschmerzen bei einer Erkältung, Hungerkopfschmerzen, die Kopfschmerzen nach einer langen Nacht mit viel Alkohol oder auch, wie Rüdiger Fabian es ausdrückt, die „Kopfschmerzen, die entstehen, wenn man eine Dachlatte auf den Kopf bekommt“.

Kein Kater – keine Kopfschmerzen

Was man dagegen tun kann: „Naja, das ist im Prinzip ganz einfach. Wer die Ursache vermeidet, muss auch nicht mit den Folgen leben. Wer nicht trinkt, hat am nächsten Morgen keinen Kater. Wer Dachlatten aus dem Weg geht, hat keine Kopfschmerzen wegen Dachlatten“, sagt Fabian lachend.

Falls es schon zu spät ist oder die Ursache unvermeidlich, muss der Schmerz ausgehalten oder zur Kopfschmerztablette gegriffen werden. Diese wirkt entzündungssenkend und hilft bei vielen Kopfschmerzen, jedoch nicht bei allen. Medikamente seien aber nicht für den täglichen Gebrauch geeignet. „Man kann auch Kopfschmerzen von Medikamenten bekommen“, sagt Fabian. Zur Not bliebe auch noch der Spaziergang an der frischen Luft.

Veranlagung für Kopfschmerzen von Geburt an

In der kleineren der beiden Gruppen sind Kopfschmerzen, die meistens ohne eine konkrete Ursache auftreten. Wie sie genau entstehen, was im Kopf passiert und warum manche Menschen Veranlagungen dazu haben, stellt die Wissenschaft bis heute vor Rätsel. In diese Gruppe fallen beispielsweise Migräne oder alle anderen chronischen Kopfschmerzkrankheiten. „Bei den meisten dieser Krankheiten hat man die Veranlagung dazu schon von Geburt an. Es ist dann oft nur eine Frage der Zeit, bis sich die Krankheit entwickelt und auftritt“, sagt unser Experte.

Diese chronischen Kopfschmerzen bleiben dann meistens auch dauerhaft bestehen und treten in unterschiedlichen Intervallen wieder auf. Wie häufig die Kopfschmerzen auftreten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. „Manche Menschen bekommen die Krankheit nur einmal im Jahr, andere jeden Monat. Oft hängt es auch von der Lebensphase ab, in der man sich gerade befindet. Manche Kopfschmerzkrankheiten sind auch alterstypisch“, sagt Fabian.

Was sich gegen diese Krankheiten tun lässt: „Medikamente oder verschiedene Behandlungsmöglichkeiten können helfen. Wichtig ist es jedoch, einen Umgang mit der Krankheit zu finden und sich nicht davon dominieren zu lassen“. Ein gesunder Lebensstil, die richtige Ernährung und viel Sport fördern eine gute Durchblutung und können Kopfschmerzen vorbeugen.

5. September – Kopfschmerztag

Aber was hat es denn nun mit diesem Kopfschmerztag auf sich? Haben an diesem Tag die meisten Menschen Kopfweh? „Nein, der deutsche Kopfschmerztag ist ein Awareness-Day wie jeder andere Gesundheitstag auch. Genauso wie der Anti-Raucher-Tag beispielsweise“, sagt Gründer des Deutschen Kopfschmerztags, Rüdiger Fabian, von der Deutschen Schmerzhilfe e.V.

Den Deutschen Kopfschmerztag gibt es seit dem Jahr 2000. Der Tag ist im Rahmen eines internationalen Kongresses in London entstanden. „Wissenschaftliche Kopfschmerzgruppen aus verschiedenen Ländern haben sich zusammengesetzt und haben über diese Thematik diskutiert“, sagt Fabian und fährt fort: „Einige Länder haben nach diesem Kongress einen nationalen Kopfschmerztag eingeführt“. In Amerika gebe es seither sogar einen Kopfschmerzmonat.

Kopfschmerzen im Fokus der Öffentlichkeit

„Der Tag soll dazu dienen, das Gesundheitsproblem in den Medien präsent zu machen, um es den Menschen ins Bewusstsein zu rufen und sie auf die Problematik aufmerksam zu machen“, sagt Fabian zu den Zielen des Tages. Neue Studien und Entwicklungen sollen an diesem Tag im Mittelpunkt stehen, die Menschen sollen aufgeklärt werden. „Wir haben Selbsthilfegruppen, die Aktivitäten lokaler Art veranstalten. So wird in der Öffentlichkeit auf das Thema Kopfschmerzen aufmerksam gemacht und in den Fußgängerzonen werden Broschüren verteilt“, sagt er.

Warum ausgerechnet der 5. September? „Da der 5. September in Deutschland noch frei war und an diesem Tag auch der Kongress stattfand, haben wir den Deutschen Kopfschmerztag auf diesen Tag gelegt“, sagt der Initiator und erklärt: „So einen Tag einzuführen, ist auch nicht so schwer. Ich habe den Tag einfach bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung angemeldet.“ Seither steht der Tag neben Weltknuddeltag und Co im Kalender.

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