Dortmund: Ärger schon vor der Nazi-Demo

Für den 4. September haben rechte Gruppierungen wieder Aufmärsche in Dortmund geplant: Seit 2005 treffen sich an diesem Tag Rechte in Dortmund, sie nennen den 4. September „Nationalen Antikriegstag“. In diesem Jahr gibt es schon lange vor dem Aufmarsch die ersten Zwischenfälle – zum Beispiel an der TU Dortmund.

Antikriegstag – das klingt nach Pazifismus. In Wirklichkeit geht es den Rechten weniger um Protest für den Frieden als vielmehr um die Verherrlichung des Zweiten Weltkriegs und von Nazi-Verbrechen – und nicht zuletzt nutzen sie den 4. September, um Werbung für sich zu machen.

Der „Antikriegstag“ soll an den Überfall der Nazis auf Polen im September 1939 erinnern und die „Vergiftung durch den Liberalismus“ (Wortlaut der Organisatoren) anprangern. Die Organisatoren versuchen  derzeit bundesweit, möglichst viele Rechtsgesinnte für ihre Kundgebung zu mobilisieren. Polizeiangaben zufolge erfolgreich: Die Polizei rechnet mit noch mehr Teilnehmern als im Jahr 2008, als über 1.200 Rechte durch Dortmunds Straßen zogen. Das war die höchste Teilnehmerzahl des „Nationalen Antikriegstags“ seit Beginn der Veranstaltung im Jahr 2005.

Neonazis demonstrieren auf dem "Antikriegstag" 2005  Foto: Antifa

Neonazis demonstrieren beim "Antikriegstag" 2005 Foto: Antifa

Zwischenfälle schon vor dem „Antikriegstag“

Bereits einen Monat vor den rechten Aufmärschen wirft der „Antikriegstag“ seinen Schatten voraus: So beschlagnahmte die Polizei in der vergangenen Woche über 7.000 Flyer der Rechten bei einer Fahrzeugkontrolle in Dorstfeld.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich auf dem Gelände der TU Dortmund: Während eines Seminars des „Forums gegen Rassismus“, das in den Räumen des AStA stattfand, versuchten mehrere Neonazis in das Gebäude in der Emil-Figge-Straße 50 zu gelangen. Dort finden sonst insbesondere Vorlesungen und Seminare für die Lehramtsstudenten der TU Dortmund statt, der ASta der TU hat sein Büro im Erdgeschoss.

Als es den Rechten nicht gelang, in die Räumlichkeiten der Emil-Figge 50 einzudringen, filmten sie  die Seminarteilnehmer durch die Fenster und bedrohten sie. Die Polizei rückte an und erteilte den Rechten Platzverweise. Schon in der Nacht vor der Veranstaltung waren einige Fensterscheiben des Seminarraums von Unbekannten eingeworfen worden.

Braune Konzerte am Dortmunder Hauptbahnhof

Neben Kundgebungen und Demonstrationszügen sind am Vorabend der Veranstaltung auch Konzerte  rechter Musikgruppen geplant. Am 3. September sollen die Rechtsrock-Bands „Libertin“ und „Projekt Vril“  auf der Katharinentreppe am Dortmunder Hauptbahnhof spielen. Die Veranstalter wollen dadurch laut eigener Aussage „gerade jugendlichen Neuinteressenten“ die Möglichkeit bieten, „eine Veranstaltung mit Rechtsrockmusik zu besuchen“ – es geht also darum, besonders junge Menschen für die rechte Szene zu interessieren.

Aufruf gegen die Neonazi-Demo  Foto: Dortmund stellt sich quer

Aufruf gegen die Neonazi-Demo 2010 Foto: Dortmund stellt sich quer

Auch die Gegenseite bereitet sich vor

Um die rechten Demonstrationen am „Antikriegstag“ zu verhindern, haben sich verschiedene linke Gruppierungen wie Antifa-Gruppen zum Bündnis „Dortmund stellt sich quer“ zusammengeschlossen. Das Bündnis plant für den 4. September Gegendemonstrationen und Blockaden.

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