Die Wahrheit über dein
T-Shirt

BMF-Sarah
Ob Glitzerbärte, grüne Smoothies oder hippe Fummel aus der Mottenkiste – über Kunst, Lifestyle, Mode und Kultur lässt sich gut das Maul zerreißen. Besonders gut kann das der Breitmaulfrosch, der in dieser Kolumne über merkwürdige Trends wütet – dabei nimmt er kein Seerosenblatt vor den Mund. Heute quakt er offen und ehrlich über peinliche T-Shirts.

Sie sind nicht quadratisch, aber praktisch und gut: T-Shirts gehen einfach immer. Besonders jetzt, wenn der Sommer beginnt, werden sie wieder aus den Schränken gekramt. Wer aber denkt, mit dem beliebten Kleidungsstück lässt sich eigentlich nicht viel falsch machen, liegt daneben. Kleider machen Leute, das stimmt wirklich. Nicht jeder scheint sich darüber bewusst zu sein, dass ein T-Shirt durchaus etwas über seinen Träger verrät. Der modebewusste Breitmaulfrosch ist entsetzt, wie viele Leute mit peinlichen Shirts rumlaufen, und möchte sich das Elend von seinem Teich aus nicht mehr länger mit ansehen.

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Mit zwölf war das ja vielleicht noch cool…

T-Shirts mit WhatsApp-Emojis oder übergroßen Tierköpfen sind mit über 18 Jahren beispielsweise nie eine gute Idee. Was virtuell schon nervig genug ist, ist in der Realität nicht besser und sorgt dafür, dass man garantiert nicht ernst genommen wird. Deine Freundin hat aber gesagt, sie findet dein neues Shirt witzig und süß? Sie hat gelogen! Mein Tipp: Zusammen mit dem T-Shirt am besten auch gleich die falsche Schlange entsorgen.

Mallorca-Fehlgriffe

Mindestens genauso schlimm sind Ballermann-Shirts, der absolute Klassiker unter den peinlichen T-Shirts. Damit warst du der coolste Touri auf Malle? Schön und gut, aber zuhause sollten Shirts mit Sprüchen wie „Brustvergrößerung durch Handauflegen“, „Pornostar“ oder „Sex-Trainer“ besser im Schrank bleiben. Die Texte sind meistens genauso flach, wie ihre Träger. Wer so zeigen will, wie humorvoll er ist, ist es meistens am allerwenigsten. Der Grad zwischen witzig und peinlich ist schmal und wird spätestens dann überschritten, wenn die Worte „Sex“, „Titten“ oder „Bitch“ auf dem T-Shirt prangen.

Denn T-Shirts sind mehr, als nur Kleidungsstücke. Mit ihnen will man Persönlichkeit zeigen oder Statements setzen. Gerade deshalb ist es wichtig, beim Kauf darauf zu achten, was überhaupt auf dem gewünschten T-Shirt steht. Eine Regel ist dabei ganz besonders maßgeblich: Kaufe kein Bandshirt, wenn du die Band nicht kennst! Steht in der Bibel direkt unter „Du darfst nicht töten“. Und trotzdem hält sich nicht jeder daran. Kurt Cobain würde sich im Grab herumdrehen, wenn er wüsste, dass manche Leute Nirvana für eine Untermarke von H&M halten.

Unbeteiligte verschonen

Und nicht nur bei sich selbst sollte auf die richtige T-Shirt-Wahl geachtet werden. Auch beim Einkauf für andere Menschen ist das sehr wichtig: Oft nutzen Eltern die Hilflosigkeit ihrer Babys schamlos aus und stecken sie in ein T-Shirt mit Statement. Ob das Baby diese Haltung vertritt? Ist doch egal, Babys sind ja sowieso eher Aushängeschilder der Eltern. So werden die Kleinen, bevor sie sich überhaupt beschweren können, zu Fußballfans, Teufelchen oder – das gefällt Mami und Papi am besten – zu absoluten Fans ihrer Eltern. Liebe Eltern, ganz ehrlich: Witzig und originell ist es heutzutage, wenn kein ausgelutschter Spruch auf dem Bauch eures Babys steht.

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Ist echt lieb gemeint Mama – aber das Geld hättest du besser in Süßigkeiten investiert.

Gleiches gilt auch für Erwachsene. Jeder kennt das, selbst die Modebewussten unter uns: ein T-Shirt mit persönlichem Fotoaufdruck als Geburtstagsgeschenk von der Familie. Der absolute Horror. Was tun? Lachen? Weinen? Zähneknirschend entscheidest du dich, das T-Shirt anzuziehen, um die Schenker nicht zu enttäuschen. Während du mit nun mindestens zwei Gesichtern deine Party feierst, wird dir klar: So viel Rücksichtnahme haben selbst deine Eltern nicht verdient.

Einsicht führt zum Ziel

Es gibt einfach zu viele Fettnäpfchen beim T-Shirt-Kauf. Selbst der kritische Breitmaulfrosch hat sich schon ein Beach-Boys-Shirt gekauft, weil er das Logo so hübsch fand, obwohl er nur einen Song der Band kannte. Oder ein selbstbedrucktes T-Shirt verschenkt. Ja, selbst die übergroßen Tierköpfe hat er früher manchmal stolz auf der Brust getragen. Keiner ist perfekt, aber wer seinen Kleiderschrank mal ausmistet, tut sich und seinen Mitmenschen einen Gefallen. Also nehmt eure Shirts mit Emojis, Mallorca-Sprüchen und Bands von denen ihr keine Ahnung habt, und werft sie in die Altkleidersammlung. Obwohl… Die Bandshirts schenkt doch besser dem Breitmaulfrosch, ihm könnte das ein oder andere Teil vielleicht gefallen.

Beitragsbild: Helena Brinkmann
Fotos: Sarah Puczewski