Envio: PCB-Prozess unterbrochen

Dortmund. Im PCB-Prozess gegen Envio-Boss Dirk Neupert und drei weitere Verantwortliche sind die Verhandlungen vorerst unterbrochen worden. Grund ist das wenig aussagekräftige Gutachten der Staatsanwaltschaft, das die Anklage trägt.

Neben diversen schweren Umweltvergehen wird Envio 51-fache vorsätzliche Köperverletzung vorgeworfen – allerdings liegen die PCB-Werte in 23 Fällen unter der Norm, sodass die Anklage nicht gehalten werden kann. Der Vorsitzende Richter Thomas Kelm hat daher einen Untersuchungsauftrag erhoben – alle 310 mit PCB vergifteten Envio-Arbeiter sollen nun vorerst medizinisch untersucht werden.

Es ist der bundesweit größte PCB-Skandal der letzten Jahrzehnte. Obgleich das Gift weltweit seit 2001 verboten ist, hantierte die Firma Envio jahrelang unsachgemäß mit dem Stoff PCB. Das Resultat: über 300 Arbeiter des Konzerns tragen das Gift nun im Körper. Und das kann zum Teil gravierende gesundheitliche Schäden verursachen – von Beeinträchtigungen der Nervensysteme und Sehfähigkeit über Leberschäden bis hin zur Unfruchtbarkeit.

Da dem Gericht nur unzureichende Informationen über den Gesundheitszustand der Opfer vorliegen, sollen diese nun umfassend untersucht werden. Bisher stünden nur Blutwerte zur Verfügung, aus denen man nichts ableiten könne, äußerte sich der zuständige Gutachter Prof. Albert Rettenmeier, Leiter des Instituts für Arbeitsmedizin am Essener Uniklinikum.

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