Bulimie-Lernen: Zum Kotzen?

Sie rückt unerbittlich näher, aber wenn es so weit ist, hat man die Vorbereitung total vergessen: Das langfristige Lernen für die Prüfungsphase kommt bei Studenten oft zu kurz. Deshalb greifen viele auf eine altbewährte Lernmethode zurück: Den ganzen Stoff so schnell wie möglich  „reinfressen“ und bei der Klausur buchstäblich „auskotzen“ – Bulimie-Lernen heißt diese Methode unter Studenten.

Chringo Gerings Tage sind randvoll – der Lehramtsstudent arbeitet neben dem Studium gleich an drei verschiedenen Stellen: Er ist Englisch-Zusatzlehrer an einer Realschule, Verwaltungsangestellter in einer Fahrschule und steht darüber hinaus steht bei McDonald’s an der Kasse. Doch das Englisch- und Mathe-Studium darf nicht zu kurz kommen. „Während des Semesters steht so viel an, das schafft man ja sonst gar nicht“, sagt Chringo. So wird er zum „Bulimie-Lerner“.

Zu viel Stoff – zu wenig Freizeit

Der 20-Jährige weiß, dass die Zeit zum Lernen knapp ist: Nicht nur zahlreiche Hausarbeiten, schriftliche Aufgaben oder Präsentationen kommen in die Quere. Allein in seinem aktuellen zweiten Semester muss er zusätzlich ganze elf Prüfungsleistungen ablegen. Viele Studenten haben zusätzlich auch noch Nebenjobs. Und auch seine Hobbies will er nicht vernachlässigen – das sind vor allem Ausflüge mit Freunden und seiner Familie:

Chringo lernt immer erst auf den letzten Drücker

Chringo lernt immer erst auf den letzten Drücker. Fotos: Mareike Fangmann. Teaserbild: Marc Albrecht Hermanns/pixelio.de

„Sie bringen mich immer runter. Vor allem meine beste Freundin ist mir sehr wichtig.“ So bleibt vor der Prüfungsphase fürs Lernen nicht mehr viel Zeit übrig. Darum heißt es wenige Wochen vor der Prüfung oft: so schnell wie möglich rein mit dem Zeug. Angst, das so Gelernte schnell wieder zu vergessen, hat der Student aber nicht: „Wenn man es wieder brauchen sollte, dann frischt man sein Wissen eben kurzfristig wieder auf.“

Stress am Ende des Semesters

Dabei hätte man doch als Student das ganze Semester Zeit, um sich vorzubereiten – eigentlich. Viele aber arbeiten mehr als die übliche 40-Stunden-Woche, so wie Chringo. Studieren allein ist schon eine Vollzeitbeschäftigung, hinzu kommen persönliche Interessen. Statt sich noch hinzusetzen und den Berg an Folien und Aufzeichnungen durchzugehen, warten viele bis zum Ende des Semesters und schieben das Lernen auf. Damit es dann mit den Prüfungen trotzdem klappt, geht’s ans „Bulimie-Lernen“. Der Lehramtsstudent hält notgedrungen an dieser Art der Vorbereitung fest: „Was anderes bleibt ja gar nicht übrig. Und bisher hat’s ja auch gut geklappt.“

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