Theater braucht keine Sprache

Musik, Tanz, Schauspiel und Kulissen: mehr braucht es nicht, um Jugendliche aus verschiedenen Ländern elf Tage zu beschäftigen – und näher zusammen zu bringen. Letzten Sommer haben sich griechische, portugiesische, französische und Dortmunder Jugendliche in Dortmunds Partnerstadt Amiens getroffen, um etwas über Demokratie und andere Kulturen zu lernen. Und ganz nebenbei ein Theaterstück auf die Beine gestellt.

Erster Juli 2015: Laureen Bieber und Desiree Kruppa steigen in einen Reisebus ein. Für sie und eine Handvoll andere Dortmunder Jugendliche geht es nach Frankreich, genauer: nach Amiens, eine Partnerstadt von Dortmund. Für alle Teilnehmer soll es allerdings nicht nur eine 500 km weite Fahrt in Richtung Südwesten sein, sondern eine Reise in Richtung Demokratie und Anti-Rassismus.

Medienprojekt Amiens

Die multikulturelle Gruppe hat während der elf Tage in Frankreich auch Museen besichtigt.

Die Dortmunder Jugendlichen machen keinen Schüleraustausch, sondern sind Teil eines durch Erasmus+ geförderten Jugendprojekts zu dem Themen Medienkompetenz, Multimedia und Demokratieförderung. Genau wie insgesamt 40 Jugendliche aus Frankreich, Portugal und Griechenland. Sie alle treffen sich in Amiens, um elf Tage lang gemeinsam an verschiedenen Projekten zu arbeiten.

Das ist Erasmus+
Erasmus+ ist ein EU Programm für allgemeine berufliche Bildung, Jugend und Sport. Es läuft von 2014 bis 2020 und soll in dieser Zeit junge Menschen in Europa besser auf das Berufsleben vorbereiten. Erasmus+ fördert dazu grenzübergreifende Partnerschaften und die Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Ausbildungsstätten und Jugendorganisationen. Qualifikationsunterschiede innerhalb Europas sollen so ausgeglichen und das Qualifikationsniveau insgesamt angehoben werden.
Baumdiagramm - Theater der Unterdrückten

Die verschiedenen Elemente des „Theater der Unterdrückten“ dargestellt in einem Baumdiagramm.

Das fundamentalste davon: Sie erarbeiten ein Theaterstück nach dem Prinzip „Theater der Unterdrückten“. Es soll den Zuschauer zum Nachdenken und Reflektieren seiner eigenen Verhaltensweisen bringen. Für die multikulturellen Jugendlichen bedeutet das, eine Art Collage aus verschiedensten Szenen zu erstellen, die die Themen Ausgrenzung, Rassismus, Homosexualität und Mediennutzung darstellen. Bei einer Szene befinden sich die Jugendlichen auch wieder in einem Bus – diesmal ist der Bus allerdings virtuell, die Schüler spielen Busfahrerin und Fahrgäste. An einer Haltestelle steigt ein Mädchen ein und wird von den anderen durch Blicke verspottet und sogar geschubst, bis die Busfahrerin die Nerven verliert – und alle aussteigen müssen.

Alle anderen Szenen sind ähnlich aufgebaut. Jede Szene wird pantomimisch oder tänzerisch dargestellt und von bestimmten Rhythmen oder Musik untermalt. Für den musikalischen Teil sind die griechischen Jugendlichen zuständig: jede Nationalität findet sich in einer bestimmten Darstellungsform wieder. Die Portugiesen wollen tanzen, während die Franzosen sich als Schauspieler probieren. Desiree und Laureen schnappen sich gewissenhaft Lineal und Pappe und bauen mit den anderen Deutschen die Kulissen – unter anderem einen kleine Version des Eiffelturms.

Nicht nur durch die verschiedenen Interessen der Jugendlichen kommen zwischendurch Probleme auf: Auch die unterschiedlichen Sprachen sind ein großes Hindernis. Im Theaterstück wird das durch das Erfinden einer Kunstsprache umgangen: Es sollte keine Sprache bevorzugt oder ausgegrenzt werden. Daher diese Fantasie-Sprache:

 

Den Höhepunkt des Theaterstücks bildet der Auftritt des Franzosen Gédéon Mbandou. Dabei singt er die Melodie der französischen Nationalhymne – allerdings nicht den Originaltext, sondern nur das Wort racisme – also Rassismus:

Die Jugendlichen beim Auftritt im Rathaus von Amiens.

Die Jugendlichen beim Auftritt im Rathaus von Amiens.

Aber ein Theaterstück wird natürlich nicht nur geprobt, sondern muss auch vorgeführt werden. Im Rathaus von Amiens präsentieren die Jugendlichen ihre Ergebnisse vor der Bürgermeisterin, verschiedenen Ratsabgeordneten und geladenen Bürgerinnen und Bürgern. Sogar die schwedische Botschafterin war vor Ort, um sich die Ergebnisse des Erasmus+ Projekts anzusehen.

Am Abend nach der Show wird, wie die ganzen elf Tage, gemeinsam Abendessen gemacht. Diesmal sollen aber alle Jugendlichen etwas landestypisches für die anderen kochen. Die deutsche Currywurst kommt besonders gut an – und macht den letzten Abend perfekt. Laureen und Desiree sind sich sicher: Man sollte keine Vorurteile haben und andere Kulturen akzeptieren. Diese Erkenntnis nehmen sie mit in den Reisebus, bis hierhin, vor unsere Haustür in Dortmund.

Beitragsbild und Bilder im Beitrag: von Dimitrios Karakatsanis/ Jugendamt der Stadt Dortmund 

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