Wissenswert: Was ist das Heilige Jahr?

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Am 8. Dezember beginnt das Heilige Jahr. Die katholische Kirche feiert dies unter dem Motto der Barmherzigkeit bis zum 20. November 2016. Papst Franziskus persönlich hat es ausgerufen. Doch was steckt hinter dem Heiligen Jahr?

„Das Heilige Jahr stammt aus der jüdischen Tradition des ‚Jobeljahres‘“, erklärt Beate Kowalski, die Professorin für das Neue Testament an der TU Dortmund ist. „In dem Jobeljahr sollte den Juden bewusst werden, dass das Land und die Menschen alleine Gott gehören. Unter dem Gedanken, dass die Menschen nicht voneinander abhängig sein sollten, wurden in dem Jahr alle Äcker brachliegen gelassen, Schuldscheine zerrissen und Sklaven freigelassen. Sowohl das Land, als auch die Menschen sollten sich erholen.“ Das Jobeljahr wurde alle 50 Jahre, also nach sieben Sabbatjahren (7×7 Jahren) gefeiert.

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Dr. Beate Kowalski mit dem Logo des Heiligen Jahres. Foto: Tobias Schulte

Die Tradition des Jobeljahres hat die katholische Kirche aufgegriffen und 1300 das erste Heilige Jahr gefeiert. Damit jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben ein Heiliges Jahr erleben kann, wurde der Rhythmus später auf 25 Jahre festgelegt. Das nächste reguläre Heilige Jahr ist 2025. Zudem gibt es außerordentliche Heilige Jahre, die zu einem konkreten Anlass ausgerufen werden können – so auch das Jubiläum der Barmherzigkeit 2015/16. Es beginnt an dem Tag, an dem das Zweite Vatikanische Konzil 50 Jahre zu Ende ist.

Die Heilige Pforte – Ablass und der Weg zu Gott

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Die Heilige Pforte am Petersdom.

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit beginnt am 8. Dezember, indem die Heilige Pforte am Petersdom als Symbol geöffnet wird. Die Pforte ist zwischen den Heiligen Jahren zugemauert und wird nach drei Hammerschlägen des Papstes aufgemacht. „Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass der Weg zu Gott eröffnet ist“, sagt Beate Kowalski. „Denn im Unterschied zur jüdischen Tradition, die stärker sozial-materielle Aspekte betont, ist es in der katholischen Tradition wichtig, die Vergebung Gottes in den Mittelpunkt zu stellen.“

Deshalb ist mit dem Durchschreiten der Heiligen Pforte auch ein Ablass verbunden. Kowalski erklärt: „Wer die Bereitschaft zur Umkehr hat und dies zum Ausdruck bringt, wenn er durch die Pforte geht, dem werden alle irdischen Sünden vergeben.“

Zum Heiligen Jahr werden nach Schätzungen des Sozialforschungsinstituts Censis 33 Millionen Besucher in Rom erwartet. Wer nicht den Weg in die Heilige Stadt auf sich nehmen will, der kann erstmals trotzdem durch Heilige Pforten gehen. Es ist ein Anliegen von Papst Franziskus gewesen, dass in jedem Bistum weltweit diese Pforte errichtet wird. Im Erzbistum Paderborn, in dem Dortmund liegt, werden Heilige Pforten am Paderborner Dom und der Wallfahrtsbasilika in Werl eröffnet.

Barmherzigkeit – das große Anliegen von Papst Franziskus

„Niemand ist von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen! Alle kennen den Weg, um sie zu betreten und die Kirche ist das Haus, das alle aufnimmt und niemanden zurückweist“, hat der Papst während einer Bußandacht im März 2015 aufgerufen. Denn Gott sei der liebende Vater, der immer vergibt. Er habe das Herz der Barmherzigkeit für uns alle – wir müssten dies nur verstehen, sagte Papst Franziskus.

Beitragsbilder: Dnalor 01/Wikimedia Commons/CC-BY-SA 3.0