Kommentar: Kloppo ist der Richtige

Der Trainer von Borussia Dortmund ist seit 2008 im Amt. Quelle: Flickr.de/Asia Joanna

Borussia Dortmund ist Letzter. Platz 18. Abstiegskandidat. Was wie ein Schalker Traum klingt, ist bittere Wahrheit. Alarmstufe Rot in Dortmund? Zweifel am Trainer? Nein. Jürgen Klopp sitzt fest im Sattel. Und das ist auch der richtige Weg.

Jürgen Klopps erste Krise in Dortmund hat es gleich in sich. Die Mannschaft spielt die schlechteste Saison seit mehr als 20 Jahren. Acht Spiele hat die Mannschaft alleine in dieser Saison bereits verloren. Kritiker streuen im Umfeld des Westfalenstadions vermehrt eine Frage in den Diskurs rund um den BVB: Welchen Anteil hat Klopp an der Misere? 

Fanchoreopraphie auf der Südtribüne Quelle: Flickr.de/Fanthomas2

Bedingungslos hinter dem Verein: Die Fans von der Südtribüne
Quelle: Flickr /Fanthomas2

Es ist in Anbetracht des Saisonverlaufs die falsche Frage. Denn in erster Linie stimmen die Ergebnisse einfach nicht. Gegen Hannover, Köln, Paderborn und den HSV muss der BVB eigentlich als Sieger vom Platz gehen. Dortmund schießt in solchen Spielen einfach zu wenig Tore. Dazu kommt die Verletztenmisere: Leistungsträger wie Reus und Błaszczykowski fehlen lange, Rückkehrer wie Gündogan und Kagawa kommen nur schwer in Tritt. Vielen anderen fehlt die Form.

Klopp braucht Zeit

Obwohl der BVB taktisch ähnlich spielt wie in den erfolgreichen vergangenen Jahren, läuft es nicht mehr. Das viel gelobte System Klopp, mit schnellen Kontern und hoher Laufbereitschaft, wurde von den Wettbewerbern entschlüsselt. Deshalb muss Klopp als Krisenmanager fungieren und sein etabliertes System erneuern. Eine so grundlegende Umstellung braucht Zeit. Diese darf er einfordern und muss ihm – so schmerzhaft die Übergangsphase auch sein mag – zugestanden werden. Die Geduld hat er sich durch die Erfolge der vergangenen Jahre verdient.

Mit Nostalgie und dem Festhalten an alten Zöpfen hat das nichts zu tun. Klopp ist viel mehr der einzige Mann, der dem BVB helfen kann. Denn einen Effekt, wie Klopp ihn auf den Verein hatte, als er in Dortmund anheuerte, wird es kein zweites Mal geben. Dafür hat Klopp den BVB zu grundlegend geprägt. Dortmund ist Kloppo – ob in Sachen Kaderzusammenstellung, System oder Mentalität. Was Klopp aufgebaut hat, lässt sich nicht so eben auf einen anderen Trainer übertragen. 

Klopp kann Krise

Klopp hat sich in Dortmund noch nicht abgenutzt und wird die Krise meistern. Auch in seiner Zeit bei Mainz 05, als er mehrfach knapp den Aufstieg verpasste, und in der Anfangszeit beim BVB durchlebte er in Dortmund eher Tiefen statt Höhen. Eine neue Spielweise sollte her, altgediente Stars wurden aussortiert, Klopp setzte auf die Jugend. Der Ertrag in den ersten beiden Jahren war eher ernüchternd: Mittelmaß statt internationales Geschäft. Damals blieb das Umfeld weitgehend ruhig – und das hat sich in den Folgejahren bewährt. Was damals gelang, wird auch dieses Mal wieder gelingen.  

In Der Königsklasse ohne Makel. Quelle: Flickr.de/Marco Ferch

2013 erreichte das Team das Finale der Champions League in Wembley.
Quelle: Flickr / Marco Ferch

Wer weitsichtig analysiert, wird fest stellen, wie gut er dem BVB tut. In der Öffentlichkeit ist er der Schutzschild für seine jungen Spieler, am Spielfeldrand Reizfigur für Schiedsrichter und Medien. Kritiker reiben sich an seiner wortgewandten, offenen und direkten Art. Geldstrafen und Sperren wegen seiner Ausraster gegenüber Schiedsrichtern sind medienwirksame Aufreger, aber sie machen ihn auch aus, sind identitätsstiftend.

Klopp ist Kult

Mit dem Gewinn des Doubles 2012 und dem Erreichen des Champions League-Finals 2013 in Wembley war der vorläufige Höhepunkt der Ära Klopp erreicht. Kloppo ist Kult in Dortmund. Ein Trainer, der alles zu schaffen scheint und sich erstaunlich stark in Dortmund verewigt hat.

Trotz der Niederlagen-Serie sind die Verantwortlichen ruhig, Fans vertrauen dem Team und dem Trainer. Erstaunlich in dem Geschäft, wo bei vielen anderen Mannschaften nach einer solchen Bilanz der Baum brennen würde. Mit Jürgen Klopp identifizieren sich die Menschen im Pott – und das ist hier die halbe Miete.

Keine Frage: Trotz aller Verdienste helfen am Ende nur: Punkte. Denn letztlich zählt der Verein, nicht die einzelne Person, auch wenn sie Jürgen Klopp heißt. Aber der BVB funktioniert nur mit Klopp – da wäre Aktionismus beim ersten Gegenwind der völlig falsche Schritt.

Teaserbild: Asia Joanna / flickr

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