Kleine Türklinke ganz groß

Sie ist oft das Erste, was wir berühren, wenn wir ein Haus betreten: Die Türklinke. Ein kleines unscheinbares aber wichtiges Detail, das seit dem 29. November im Mittelpunkt der Wanderausstellung „Begreifbare Baukunst“ im Dortmunder U steht. Die Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der TU Dortmund hat diese besondere Ausstellung ins U geholt, wo noch bis zum 8. Januar Türgriffe aus drei Jahrhunderten angeschaut werden können. pflichtlektuere.com hat nachgefragt: Warum gerade eine Ausstellung über Türgriffe?

Das Segel auf dem Kant-Dreieck in Berlin ist die Vorlage für die Türklinken im Gebäude. Teaserfoto: ; Foto: FSB

Das Segel auf dem Kant-Dreieck in Berlin war die Vorlage für die Türklinken im Gebäude. Teaserfoto: FSB; Foto: FSB

Über die Türgriffe macht sich ein Bauherr bei der Planung seines Eigenheims oft nur wenig Gedanken. Aber gerade spezielle Häuser und Bauten verdienen auch einen besonderen Türgriff. „Gute Architekten entwerfen für besondere Häuser häufig auch eine Türklinke mit“, sagt Kamil Malecki, Architekturstudent an der TU Dortmund. Und diese Türklinken spiegeln oftmals die Architektur des Gebäudes und den Stil des Architekten wieder, was man auch in der Ausstellung beobachten kann. Ein Beispiel: Auf dem Hochhaus Kant-Dreieck in Berlin, das 1986 vom Architekten und TU-Professor Josef Paul Kleihues entworfen wurde, ragt ein riesiges bewegliches Segel. Die passenden Türgriffe dazu haben ebenfalls die Form eines Segels und sind im U zu bewundern.

Die Ausstellung eröffnete erstmals in Berlin im November 2009 und wurde von der Firma FSB, einem Hersteller für Tür- und Fensterbeschläge aus Brakel, entwickelt. Den Besucher erwartet seither alte und neue Designs und die Geschichte der dazugehörigen Bauten und Architekten. Einige historische Exemplare, wie etwa der Türgriff aus dem Schloss Charlottenhof in Berlin von Karl Friedrich Schinkel, wurden speziell für die Ausstellung nachgebaut. Und viele der Exponante kann man heute noch in besonderen Bauwerken, wie beispielsweise im Theater in Essen oder im Lufthansa Aviation Center in Franktfurt am Main, wiederfinden.

Vier Gebote für den optimalen Griffkomfort

FSB entwickelt seit Jahren zusammen mit Architekten individuelle Türklinken und gewann damit schon einige Preise. Eine Türklinke zu entwerfen, ist aber nicht so einfach. Damit sie gut in der Hand liegt, folgt FSB den vier Geboten des Greifens vom Designer Otl Aicher: „Nur der Türdrücker wird seiner Aufgabe gerecht, der Daumenbremse, Zeigefingerkuhle und Greifvolumen aufweist.“

Neben Objekten von großen Architekten, wie etwa Karl Friedrich Schinkel, Josef Maria Olbrich oder Walter Gropius, sind auch Türgriffe von den TU-Professoren Paul Kahlfeldt und Christoph Mäckler im Dortmunder U zu finden. Die Sorgfalt der Architekten spiegelt sich in jedem Ausstellungsstück wieder und nach dem Besuch bekommt man vielleicht einen ganz anderen Blick auf die Türklinken im Alltag.