Meine Liebe auf dem Prüfstand: Diagnose Krebs

Zusammenhalt ist in einer Partnerschaft unerlässlich. Wie schwierig sich dieser jedoch gestalten kann, zeigt sich oft erst dann, wenn ein Schicksalsschlag die Liebe auf die Probe stellt.

Meine Liebe auf dem Prüfstand

Eine Krankheit kann Liebe und Beziehung auf eine harte Probe stellen. Foto: Pia Lisa Kienel

George und seine Frau Melissa* lernten sich vor elf Jahren an der Universität kennen. Sie war 17, er gerade volljährig. Damals ahnten sie noch nicht, welche Schicksalsschläge das Leben für sie bereithalten würde.

Nach seinem Abschluss zog es den Belgier ins Ausland.  „Ich bin für ein Jahr nach Australien gegangen. Ich wollte dort offiziell die Sprache lernen, aber insgeheim nur Party machen“, erklärt der heute 29-Jährige. Bereits nach zwei Monaten änderten sich seine Pläne jedoch schlagartig. „Ich bin aufgrund einer eigenartigen Schwellung im Genitalbereich und mit Schmerzen zum Arzt gegangen“, erinnert sich George. Die Schwellung stellt sich als ein bösartiger Tumor heraus. Die Diagnose: Hodenkrebs

Am anderen Ende der Welt

„Das hat mir sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Der Arzt sagte mir, ich solle zu Behandlungszwecken zurück nach Belgien gehen. Ich verließ die Praxis und mir wurde bewusst, dass ich am anderen Ende der Welt stehe. In Belgien war es drei Uhr nachts. Ich konnte also niemanden anrufen“, erklärt er seine damalige Situation. George musste handeln, innerhalb von 48 Stunden wollte er zurück in sein Heimatland reisen.

„Ich bin zuerst in die Schule gegangen, in der ich Englischstunden genommen habe. Diese lag zum Glück direkt gegenüber der Arztpraxis. Ich sagte der zuständigen Dame im Sekretariat, dass ich Australien verlassen und mit den Englischstunden sofort aufhören müsse. Dann bin ich einfach gegangen. Als ich in meiner damaligen WG ankam, habe ich mit meinen Mitbewohnern erstmal einen Joint geraucht“, berichtet George.

Überraschung am Flughafen

Er schaffte es tatsächlich, innerhalb von 48 Stunden das Land zu verlassen. Als er am Pariser Flughafen eintraf, wartete Melissa dort schon auf ihn. Eine Überraschung. Obwohl sich die beiden kurz vor Georges Abreise trennten, wollte sie ihm in dieser schweren Zeit beistehen.

Die beiden gingen erneut miteinander aus und versuchten sich mit der Krankheit zu arrangieren. Doch sie scheiterten an dieser schweren Aufgabe:“Wir haben es eine Zeit lang miteinander versucht, mussten uns jedoch eingestehen, dass unsere Beziehung diese Belastung zu dem Zeitpunkt nicht aushielt. Zu allem Überfluss fand die entscheidende Operation genau an unserem Jahrestag statt.“

Erneuter Rückschlag

Von der überstandenen Operation konnte sich der Belgier nur knapp zwei Monate erholen, denn dann wartete bereits ein herber Rückschlag auf ihn. „Ich ging wieder mit Schmerzen zum Doktor. Es fühlte sich fast so an wie beim ersten Mal.“ Und George sollte Recht behalten, es wurde ein zweiter Tumor diagnostiziert.

„Dass der Tumor so schnell zurückkehrt, war erneut ein großer Schock für mich. Der Arzt verordnete mir darauf hin eine Bestrahlung. Das schlimmste an dieser Krankheit ist neben der Chemotherapie, die ich bei meinem ersten Tumor über mich ergehen lassen musste, auch die Tatsache, dass die ganze Zeit das Damoklesschwert über dir schwebt. Als ich das zum zweiten Mal realisierte, begann ich auch wieder mit Melissa auszugehen. Ich wusste, dass sie mir Kraft geben würde. Und diese benötigte ich auch“, erinnert sich der 29-Jährige.

Nur sie konnte ihm durch diese schwere Zeit helfen. Die beiden meisterten diese erneute Belastungsprobe. Sie schweißte sie nur noch mehr zusammen: „Natürlich haben wir Angst vor der erneuten Rückkehr der Krankheit, zumal man wohl nie ganz geheilt sein wird. Sie würde mich nicht als Optimist bezeichnen, aber sie weiß, dass ich immer weitermachen werde. Für sie und für mich.“ Die beiden sind mittlerweile seit drei Jahren verheiratet. Melissa erwartet im November ein Mädchen.

*Namen von der Redaktion geändert

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