facebook oder nicht facebook?

Essen. Donnerstagabend. Als Einstieg in ihren Vortrag zum Thema „Inklusion und Exklusion im Kontext neuer Medien“ an der Uni Duisburg-Essen stellt die Medienforscherin Nadia Kutscher dem Publikum die beinahe schon obligatorische Frage: „Wer von Ihnen ist denn bei facebook?“ Von 29 Anwesenden zeigen ungefähr 24 auf.

Medienforscherin Nadia Kutscher hat nur ein "fake"-Profil - unter falschem Namen und mit falscher E-Mail Adresse. Foto: Sarah Teschlade

Medienforscherin Nadia Kutscher hat nur ein "fake"-Profil - unter falschem Namen und mit falscher E-Mail Adresse. Foto: Sarah Teschlade

Kein überraschendes Ergebnis. Die überwiegende Mehrheit der Studenten hat mittlerweile ein eigenes Profil in einem sozialen Netzwerk, zumeist bei facebook. Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 besuchen 62% der 20 bis 29 Jährigen ihr Profil sogar täglich. Dabei scheint es, als hätte Mark Zuckerberg ihnen persönlich ins Gewissen geredet, denn ihre Beweggründe decken sich häufig mit facebooks ureigenem Slogan: „Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen“.

Nachrichten schreiben, chatten, verabreden

Dies sind auch die Aspekte, die Patrick Dood, 23, Student der Philosophie und Psychologie an der TU Dortmund an dem sozialen Netzwerk schätzt. Vor allem seit seinem Auslandsaufenthalt sei facebook für ihn sehr wichtig geworden. „Es ist einfach ein sehr simples Medium, um Kontakt zu halten oder Sachen zu planen wie, was macht man nächstes Wochenende.“ Laura Witthaus, 20, studiert Erziehungswissenschaften und stimmt ihm zu: „Facebook ist schon wichtig, weil man umsonst und immer mit seinen Freunden kommunizieren kann. Und weil man so immer alles erfährt.“

Ob facebook ihr Sozialleben beeinflusst? "Nicht wirklich. Online ist wichtig, offline ist wichtiger", sagt Laura.

Ob facebook ihr Sozialleben beeinflusst? "Nicht wirklich. Online ist wichtig, offline ist wichtiger", sagt Laura. Foto: Sarah Teschlade

Stimmt das so? Erfährt man wirklich immer alles? Und holt facebook tatsächlich immer alle ins Boot? Nadia Kutscher sagt „nein“. Was beim Internet der „digital divide“ ist, also der ungleiche Zugang zum Internet aufgrund von sozio-ökonomischen Faktoren, ist bei den sozialen Netzwerken der „voice divide“. „Innerhalb der sozialen Netzwerke findet eine Abgrenzung verschiedener Gruppen oder Schichten statt. Manche Interessen oder Stimmen werden eher gehört als andere“, erklärt Kutscher. Facebook ist also nicht nur das Forum, in dem man sich trifft und kennenlernt – Ausschlussmechanismen sind hier genauso am Werk wie in der realen Welt.

Wie du weißt nichts von der Party?!

Ein Beispiel dafür sind Partys. Wer nicht bei facebook ist, wird davon schnell ausgeschlossen, denn Einladungen werden nicht mehr per Post verschickt, sondern stattdessen wird ein „Event“ auf facebook kreiert. Zusagen werden dann per Mausklick getätigt. Er habe zwar nicht das Gefühl etwas zu verpassen, dadurch dass er nicht bei facebook sei, aber die ein oder andere Party habe er auch schon verpasst, sagt Christian, 27, ebenfalls Student an der TU Dortmund. „Einen Tag vorher heißt es dann, wie du weißt nichts von der Halloween-Party?!“

Es geht auch ohne facebook, meint Christian. Obwohl er so die ein oder andere Party verpasst. Foto: Sarah Teschlade

Es geht auch ohne facebook, meint Christian. Obwohl er so die ein oder andere Party verpasst. Foto: Sarah Teschlade

Solange es bei der Halloween-Party bleibt. Denn es werden immer häufiger auch Uni-Informationen wie Seminarausfälle auf facebook publiziert. Somit scheint es, als würden soziale Medien mittlerweile zu einer Art Zwang. Dass auch Unternehmen von Bewerbern immer häufiger ein facebook-Profil erwarten, das möglichst öffentlich sein soll, findet Kutscher legitim. „Das ist eine logische Konsequenz daraus, dass das Ausspionieren durch die sozialen Netzwerke eben möglich ist.“

„Regeln“ für soziale Netzwerke

Die Studenten sehen dies eher anders. Patrick Dood ist beispielsweise der Meinung, dass diese Methoden zu sehr in die Privatssphäre des Einzelnen eingreifen. „Ich möchte selbst darüber entscheiden können, was Leute über mich erfahren können.“ Um die eigene Privatsphäre zu schützen, rät Nadia Kutscher jedem facebook-Nutzer: „Am besten nur so wenig Daten wie möglich über sich preisgeben und immer überlegen, welche Kommunikation man lieber nur außerhalb der sozialen Netzwerke führt.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.