Siegener Uni-Politiker: „Natürlich wird es auch schon mal persönlich“

 

Engagierte Ehrenamtler, Parlamentssitzungen mit Bier trinkenden Politikern, Streitigkeiten, die bis vor Gericht führen: das sind Facetten des Studierendenparlaments der TU Dortmund. In einem Themenschwerpunkt warf die Printausgabe der pflichtlektüre im April einen Blick auf die Hochschulpolitik. Aber wie repräsentativ ist das Bild, das die Dortmunder Nachwuchspolitiker abgeben? Im Interview gibt Jacob Pfeifer von der Liste „Siegen Asozial“ Einblicke in das Studierendenparlament (StuPa) der Uni Siegen. Der 25-jährige Lehramtsstudent sitzt im Präsidium des Gremiums.

Jacob, du bist seit rund vier Jahren im StuPa der Uni Siegen dabei. Was hat dich überhaupt dazu bewegt dich in der Hochschulpolitik zu engagieren?

Wir hatten damals im Wintersemester 2012/13 eine sehr hohe Auslastung unserer Uni. Viele Leute sind einfach nicht mehr in die Vorlesungen gekommen. Da gab es dann natürlich Proteste und auch eine Rektoratsbesetzung. Auf diesen Weg bin ich dann in die Hochschulpolitik gekommen.

Wie sah dein Weg ins StuPa dann konkret aus?

Im Zuge der Proteste haben wir damals die Liste „Siegen Asozial“ gegründet. Eigentlich erst als Spaßliste. Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass man viele Witze machen kann, aber auch sehr viele Dinge wichtig sind. Aus Witz haben wir damals zum Beispiel einfach immer mit Nein gestimmt. Nur wenn du dann zum Beispiel bei einer Abstimmung zum Semesterticket merkst, dass es an deiner Stimme hängt, überlegst du es dir natürlich mit Nein zu stimmen. Insgesamt haben wir eigentlich immer sehr viel Spaß im Wahlkampf, machen dann im Parlament aber immer ernste Politik.

In Dortmund wird die Arbeit des Studierendenparlaments von den meisten Studierenden nicht wahrgenommen. Die Wahlbeteiligung im letzten Jahr lag bei rund zehn Prozent. Wie ist die Situation in Siegen?

Leider bekommen auch bei uns viele außerhalb der Wahlwochen – wenn die ganze Uni mit Plakaten zugespamt ist – nichts von unserer Arbeit mit. Die Wahlbeteiligung beim letzten Mal lag bei sieben Prozent.

Woran liegt das?

Ich glaube das hat sehr vielfältige Gründe. Solange die Leute die Politik nicht wirklich brauchen, kümmert sie unserer Arbeit auch nicht. Meistens wird es ja dann interessant, wenn es zum Beispiel um Studiengebühren geht. Dann Schreien auf einmal wieder alle: „Lieber AStA, liebes StuPa, macht doch mal was!“ Ansonsten werden viele Dinge einfach nicht so direkt mit uns in Verbindung gebracht. Gleichzeitig könnte man sicherlich auch viel öffentlichkeitswirksamer und transparenter arbeiten. Das haben wir auch immer wieder versucht. Zum Beispiel werden Sitzungen im Livestream übertragen, damit jeder mitbekommt, was dort geschieht.

Wie kommt so ein Livestream bei den Studierenden an. Gibt es da viele Zuschauer?

Also das sind schon sehr geringe Zahlen. Wir hatten mal jemanden, der das für uns professionell gemacht hat. Da waren es vielleicht so 30 Zuschauer. Jetzt sind es eher zwei bis fünf. Das liegt aber auch daran, dass man meist nicht viel sieht oder versteht.

In Dortmund wird der AstA von fast allen Listen getragen. Wie ist die Situation bei euch?

Wir haben momentan einen JuSo/Grünen-Minderheiten-AStA. Dieser wird je nach Thema von anderen Listen unterstützt. Insgesamt haben wir aber eine klare Trennungslinie zwischen den AStA tragenden Listen und der Opposition. Bei manchen Themen, wie zum Beispiel Antifaschismus, finden sich da natürlich schnell Mehrheiten. Bei anderen Themen ist es schwieriger.

Die Sitzungen in Dortmund sind meistens sehr lebhaft und in einer lockeren Atmosphäre. Stehen bei euren Sitzungen auch Bier und Pizza auf dem Tisch?

Das ist bei uns sehr unterschiedlich. Es gab zum Beispiel auch mal Listen, die sich selbst ein Alkoholverbot gegeben haben. Letztlich hängt das auch von der Länge der Sitzung ab. Vor zwei Jahren hatten wir zum Beispiel mal so eine „Todessitzung“. Da haben wir von sechs Uhr abends bis morgens um halb fünf getagt. Da muss man natürlich auch mal was essen. Danach haben wir die Sitzungsdauer auf sechs Stunden reglementiert. Ansonsten herrscht bei uns auch eine lockere Atmosphäre. Natürlich wird sich auch mal angebrüllt, aber das lässt sich alles handhaben. Meistens herrscht eigentlich eine schöne Diskussionskultur.

Wie weit gehen solche Streitereien bei euch? In Dortmund kam es in der Vergangenheit schon zu Rechtsstreitigkeiten zwischen verschiedenen Mitgliedern. Habt ihr so etwas auch schon erlebt?

Also es ist mit Sicherheit so, dass sich nicht alle leiden können und es auch schon mal persönlich wird. Ich selbst kann das eigentlich gut aushalten und mich stört das nicht. Das Meiste wird dann aber nicht in die Öffentlichkeit gezerrt. Das bleibt in der Sitzung und ich denke das ist auch gut.

Abschließend die Frage: Was sind denn die aktuellen Themen bei euch im StuPa?

Momentan gibt es viele Diskussionen um die Frage, bis zu welcher Grenze der AStA ohne Zustimmung des StuPa Geld ausgeben kann. Ein weiteres großes Thema ist das Kulturticket. Also ein Ticket mit denen die Studenten freien bzw. vergünstigten Eintritt zu Kulturveranstaltungen, aber auch anderen Freizeitangeboten erhalten. Da soll es demnächst wahrscheinlich eine Urabstimmung aller Siegener Studenten geben. 

 

Beitragsbild: Sitzung des StuPa der TU Dortmund. Foto: Thorben Lippert