Der Lenkdrachenbändiger von Phönix West

Er hält die Leinen sicher in der Hand.

Eine grüne Wiese, ordentlich Wind und übergroße Lenkdrachen lassen das Phönix West Gelände in Dortmund-Hörde zu einem kleinen Paradies für Kiteboard-Fahrer werden. Leonhard Duda, Student an der TU Dortmund, ist einer von ihnen und kommt regelmäßig hierhin. Für sein Hobby braucht er einen Kite – einen riesigen Lenkdrachen, seine Schutzausrüstung und natürlich sein Board. Der größte Unterschied zum Equipment auf dem Wasser ist an dem Board zu sehen: Es hat Rollen an der Unterseite, die deutlich größer sind als Skateboard-Rollen, damit der Kite den TU-Studenten über die Wiese ziehen kann. 

Leonhard Duda ist über das Drachen steigen lassen bei Familienurlauben an der Nordsee schon als Kind auf die Idee gekommen, sich mal ein größeres Exemplar zu kaufen. Als Student hat er dann herausgefunden, dass es in Dortmund viele Gleichgesinnte gibt, die mit Begeisterung den Kiteboard-Sport betreiben. Angefangen hat er mit einem kleinen Drachen, den er jetzt eher als Spielzeug bezeichnet. Je besser er wurde, desto größer wurden auch die Modelle. Einen Verein mit Trainer hat er dafür nicht gebraucht. Er hat den Sport alleine und mit der Hilfe von anderen Kitern gelernt, die sich regelmäßig auf dem Gelände Phönix West treffen. Vor allem bei gutem Wind finden sich die Kiter eher zufällig zusammen. Jeder kommt, wenn er Zeit hat und vor allem muss das Wetter stimmen. Trotz dieser eher losen Verbindung hat der 28-Jährige inzwischen auch viele neue Freunde durch sein Hobby gefunden.

Leos_Board

Mit diesem Board flitzt er los.

Kiten mit bester Kulisse

Wenn genug Wind in Hörde ist, kommt meistens eine fünf- bis zehnköpfige Gruppe, um den Sport auszuüben. Dazwischen finden sich aber auch immer einige ein, die einfach nur Drachenfliegen. An diesem Tag ist leider nicht genug Wind und Leonhard Duda ist der einzige auf der Wiese. Er muss jede noch so kleine Böe ausnutzen, um den Kite zum fliegen zu bringen. Schließlich kann er auch ein paar Mal auf der Wiese hin und herfahren. Dabei hat er immer einen wunderbaren Blick auf das Stadion und den Florianturm. Noch gibt es keine Häuser, die den Blick auf Dortmunds Wahrzeichen versperren. Er hat aber die Sorge, dass auch in der Nähe der Wiese bald gebaut wird. Dann würden die Gebäude einen riesigen Windschatten werfen, wodurch sie sich einen neuen Ort suchen müssten. Aber so lange rundherum noch nicht gebaut wird, heißt es: Freie Fahrt!

Beim Kiten trägt Leonhard Duda einen Hüftgurt, der ein wenig an einen Klettergurt erinnert. An diesem Gurt ist er über die Lenkleinen mit dem Drachen befestigt und es gibt auch eine Sicherheitsleine, mit der er sich im Notfall (fast) komplett von ihm ablösen kann.  Die Leine ist so an dem Kite befestigt, dass beim Abtrennen die Geschwindigkeit sofort nachlässt. Wenn auch das nicht hilft und er die Kontrolle verliert, kann er diese Schnur kappen und fällt dann zu Boden, wird aber nicht mehr mitgezogen.

Selbst bei nicht so gutem Wind schafft es Leonhard für kurze Zeit zu fahren

Selbst bei schlechtem Wind schafft es Leonhard Duda für kurze Zeit zu fahren.

Nie ganz ohne Risiko

Natürlich ist das Kiten ein risikoreicher Sport. Der Chemieingenieurwesen-Student kann sich noch gut an eine gefährliche Situation erinnern: „Ich hatte den Kite genau über mir stehen, und dann hat mich eine Windböe von unten erwischt und ein paar Meter nach oben gezogen“, sagt der 28-Jährige. Er zog dann sofort die Reißleine. Bei solchen gefährlichen Situationen besteht auch immer Verletzungsgefahr.

So etwas kommt aber auch eher selten vor. Wichtig ist, dass die Sportler gelernt haben, den Wind einzuschätzen. „Jeder, der fährt, sollte sich gut über das Wetter informieren und mit gesundem Menschenverstand wissen, auf was für ein Risiko er sich da einlässt“, sagt er.  Viele Kiter sind eher Schlechtwetter-Liebhaber, denn dann gibt es den besten Wind. Bei blauem und wolkenlosen Himmel fehlt der oft. 

Leider ist es an diesem Nachmittag trotz der Wolken am Himmel wohl noch zu sonnig. Der Wind spielt nicht so richtig mit. „Es macht besonders Spaß, wenn der Wind meinen Drachen packt und ich so richtig über die Wiese flitze“, sagt er. Schließlich packt Leonhard Duda nach knapp zwei Stunden seine Ausrüstung wieder zusammen. Beim nächsten Mal kommt er spontan hierher, wenn der Wind wieder besser ist. Dann ist es auch nicht so einsam wie an diesem Tag und mit einer Gruppe macht es ihm in Hörde sowieso vielmehr Spaß.

 

Was brauche ich zum Kiteboard fahren?

Zum Kiteboard-Fahren braucht jeder ein Board und einen Lenkdrachen. Der Kite-Drachen sollte für den Sport ausgelegt sein. So einen Kite gibt es ab 300 oder 400 Euro aufwärts. Markenmodelle kosten meistens schon über 1000 Euro.

Gesteuert wird der Kite genauso wie jeder andere Drachen: Wenn die Lenkstange, auch Bar genannt, nach rechts gezogen wird, fliegt der Kite nach rechts. Nach links funktioniert es genauso.

Gerade als Anfänger sind Ellbogen- und Knieschoner sehr hilfreich. Es ist sehr wichtig, einen Helm zu tragen. Ein Hüft- oder ein Sitztrapez gehört ebenfalls zur Ausrüstung.

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