Outdoor Gym: Fitnesstraining im Park

3,2,1,….Go! Michael Cronrath nimmt mit der Stoppuhr die Zeit, während seine Schützlinge schwitzen: Ausfall-Schritte, Strecksprünge, Liegestützen an der Lehne einer Parkbank. Moment… Liegestützen an der Parkbank? Ja, richtig – die Gruppe trainiert im Park. Auf der Wiese, an Bäumen, zwischen den kleinen Hügeln gibt´s  insgesamt zwölf Übungen im Zirkeltraining. Die „Outdoor-Gymmer“ machen sich fit, während andere ihre Picknick-Decken auspacken und grillen. Doch ist das Fitness-Studio im Freien wirklich effizient? Im Selbstversuch hat pflichtlektüre-Reporterin Claudia Wiggenbröker getestet, ob es bei der Outdoor-Gymnastik Muskelkater gibt.

Der Mann bezwingt die Natur: Trainer Michael Cronrath führt eine Übung vor.

Der Mann bezwingt die Natur: Trainer Michael Cronrath führt eine Übung vor. Fotos: Claudia Wiggenbröker

Michael erklärt mir vor dem Training, worauf es bei dem Sportkonzept ankommt: „Wir trainieren insgesamt eine Stunde. Vorher wärmen wir uns gemeinsam auf, nach dem Training wird zusammen gedehnt. Ganz wichtig dabei: Tief durchatmen und die Natur genießen. Das sind die elementaren Bestandteile von Outdoor Gym.“

Und dann geht es auch schon los: Zum Einstieg gibt es Hampelmänner und Liegestütze. Okay, kennt man – damit komme ich zurecht. Aber schon danach stehe ich vor einem Rätsel: Was ist bitte ein Sling-Trainer?

 

 

 

Also mache ich mich an die Übung: Hände in die Schleifen des Sling-Trainers, in die Hocke gehen und ab geht’s: Langsam hochziehen – schön gerade im Rücken bleiben – halten. An den Baum ranziehen – schön gerade im Rücken – wieder in die Hocke gehen. Jeweils zwanzig Sekunden lang, dann kommt eine kurze Pause. Danach geht’s auch schon wieder von vorne los: Vier Mal wird jede Übung wiederholt, bevor die nächste Station dran kommt.

 

Nicht so einfach, wie es scheint

Und der folgende Halt soll für mich ein wahres Grauen werden, das schlimmste am kompletten Parcours, eine Tortour. Für mich schlimmer als sich um halb Zwölf in der Mensa um Essen zu prügeln, als Statistik-Formeln pauken, als Sonntags-Seminare an der Uni. Dabei soll ich einfach nur auf allen Vieren einen Hügel hoch kriechen. Lag´s  an der Technik, an der Koordination, am Anblick der weinschlürfenden Parkbesucher? Oder habe ich die Übung nicht verstanden?

Wenn ihr im Park Leute in Sportklamotten an einer Fahne seht - dann schließt euch an! Beim Outdoor Gym kann jeder spontan mitmachen.

Die Truppe gut gelaunt nach dem Training.

„Mach dich lang – und mach keine Wissenschaft draus!“ ruft Michael mir zu, während ich den Hügel schon wieder halbhockend im Frosch-Stil erklimme, statt mich im Spinnen-Style lang zu streckend.  Der Hintern soll unten bleiben, während man sich auf allen Vieren den Hügel hoch quält. Aber ich kriege es  nicht hin – immer wieder strecke ich mein Hinterteil kompakt in die Höhe, statt lang und gerade zu bleiben. Okay, keine Wissenschaft draus machen, alles klar. Also nochmal von vorne. Linke Hand, rechtes Bein. Rechte Hand, linkes Bein. Linke Hand, linkes Be…Mist.

Muskelkater und Wahrscheinlichkeitsrechnung

Dann, die Erlösung. „3,2,1…Pause!“ ruft Michael mit Blick auf seine Stoppuhr. Also, ab an die nächste Station. Ein Glück. Dann ist die Stunde Sport im Park auch schon vorbei – und ich gut geschlaucht. Die Wahrscheinlichkeit für Muskelkater liegt geschätzt bei schlappen 99 Prozent.

Und trotzdem bin ich bester Laune – denn es hat echt Spaß gemacht. Meine gute Laune hält auch noch bis zum nächsten Morgen an. Sie ist mit dem Moment hin, als ich meine Jacke anziehen will. Ich bekomme meine Arme nicht durch die Ärmel – Muskelkater.

Wer nun auch Lust auf ein wenig Muskelkater verspürt, der kann zu den Outdoor Gym Treffen im Fredenbaumpark, im Tremonia-Park und am Ufer des Phönix-Sees gehen. Und sich vorher schon mal ein paar Anregungen in der Bilder-Galerie holen.

 

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