Smart Home – Die alternative Spionage

„Alexa, mach das Licht an” – neuerdings hört man so oder ähnlich immer mehr Leute mit einem Lautsprecher reden, der Aufgaben im Haushalt erledigen soll. Der erste Schritt zum Smart Home. Alexa hört zwar immer zu, versteht aber am Ende fast nichts. Gespeichert wird natürlich trotzdem alles.

Mehr Sicherheit im eigenen Haus, ein effizienterer Energieverbrauch und mehr Komfort – das versprechen die Hersteller von Smart Home Systemen. Deswegen sind sich Politik und Wirtschaft auch einig, dass das vernetzte Zuhause in Zukunft Standard sein wird. Allerdings befindet sich die Technologie momentan noch in den Kinderschuhen und sorgt für Datenmissbrauch und Spionage anstatt für Sicherheit. Das intelligente Heim besteht aus vielen einzelnen Komponenten, die in ihrer Zusammenwirkung das Leben des Menschen vereinfachen sollen. Per Smartphone, Tablet oder Computer können alle vernetzten Geräte gesteuert werden. Oder eben durch Alexa, den Sprachcomputer von Amazon. Sie kommuniziert unsere Sprachbefehle dann an die smarten Haushaltsgeräte weiter.

Kundendaten auf dem Silbertablett

Wir wissen es eigentlich genau: den Herstellern und Entwicklern geht es nicht um Strom, Sicherheit oder Bequemlichkeit. Sie wollen Nutzerdaten. Daten sind mittlerweile ähnlich viel wert wie bares Geld. Sie liefern detaillierte Informationen über den einzelnen Menschen und ermöglichen umfangreiche Analysen über Vorlieben und Lebensgewohnheiten. Das kann das Leben zwar vereinfachen – aber spätestens wenn der defekte Kühlschrank nicht nur eigenständig für einen Reparatur-Termin sorgt, sondern gleichzeitig auch noch einen Ernährungsberater in der Stadt ausfindig macht, weil die digitale Waage und der Kühlschrankinhalt der Meinung sind, man sei zu fett, sollte der Nutzer wach werden. Das nennt sich dann wohl individualisierte Werbung durch Auswertung von Nutzerdaten.

Alexa hört mit sieben Mikros, was ihr Hausherr von ihr will. Bild: flickr.com/Rick Turoczy lizenziert nach Creative Commons.

Alleine über Smartphones senden wir täglich unzählige Informationen an Hersteller, Betreiber von sozialen Plattformen oder Apps. Man steigt ins Auto und das Smartphone-Navi hat schon mal den Weg zum Arbeitsplatz herausgesucht, weil man immer zu dieser Zeit dorthin fährt. Im Smart Home gibt es aber noch viel mehr Geräte, die Auskunft über uns geben und genau daran sind die Unternehmen interessiert. Auch Alexa hört immer zu und zeichnet auf, auch wenn sie sich nicht zu Wort meldet. Erst wenn man ihren Namen sagt, macht sie sich bemerkbar. Dabei würde die Steuerung bei vielen Geräten auch ohne Datenübermittlung an die Hersteller funktionieren. Doch genau die ist in den meisten AGBs so vorgesehen. Die Unternehmen haben schließlich jahrelang daran gearbeitet, wie sie auf legalem Wege Daten abschöpfen können.

Fehler über Fehler

Selbst, wenn der Datenschutz einen nicht interessiert: Wirklich einfach und gefahrlos sind die Systeme noch lange nicht. Bei der kleinsten Fehlprogrammierung kann das System zusammenbrechen. So zum Beispiel bei einem Pärchen, das ihr Haus lange mit einem Smart Home System gesteuert hatte. Als er einmal in Amerika war und sie zu Hause in Deutschland, war die Heizung zu niedrig eingestellt, der entsprechende App- Zugang der Freundin aber aus unerklärlichen Gründen gesperrt. So musste ihr Partner von New York aus die Heizung höher stellen. Das ist noch ein harmloses Beispiel. Aber was, wenn sie beim nächsten Mal vor der Haustür steht und nicht hereingelassen wird, weil etwas falsch programmiert wurde? Oder wenn ihr Freund unter der Dusche steht und das Wasser auf 70 Grad aufgeheizt wird, weil er sich vertippt hat? Das System ist eben maximal so intelligent wie die Menschen, die es bedienen – und die sind nicht immer technikaffin. Da sollte von den Herstellern nicht darauf vertraut werden, dass sie eventuelle Programmierungsfehler selbst erkennen, bevor es zu größeren Problemen kommt.

Klar, jede Technik hat mal klein angefangen. Und je mehr Fehler auftreten, desto besser können sie behoben werden. Dementsprechend sind die kostspieligen Smart Home Systeme momentan aber auch noch wenig nachhaltig, da sie ständig weiterentwickelt und verbessert werden. Vor allem weil viele Systeme nicht herstellerübergreifend kompatibel sind, kann es sein, dass jetzt zwei Geräte miteinander vernetzt werden können, das in zwei Jahren aber nicht mehr funktioniert und der Nutzer neue Geräte kaufen muss.

Sicherheitslücken ohne Ende

Dass Hersteller Nutzerdaten sammeln und auswerten, ist nicht neu. Aber was die Hersteller können, können Hacker auch. Man bekommt das Gefühl, dass Datensicherheit bei der Produktion von Smart Home Geräten außer Acht gelassen wurde. Laut einer Studie von HP Security Research sind fast alle Anlagen des Smart Homes über einen Cloud Zugang angreifbar. Das könnte unter anderem daran liegen, dass man nicht dazu aufgefordert wird, ein langes Passwort zu wählen, keine verschlüsselte Übertragung von Daten stattfindet oder das Konto bei mehrfacher Falscheingabe des Passworts nicht gesperrt wird. Das macht es zum Beispiel Einbrechern mit IT-Knowhow einfach. Während sie früher ein Haus tagelang bewachen mussten, um zu wissen, wann die Bewohner zu Hause sind und wann nicht, reicht heute die neueste Hacker-App auf dem Smartphone aus, um detaillierte Informationen über alle Gewohnheiten der Hausbesitzer zu bekommen. Wann sie aufstehen, wann sie ins Bett gehen, wann sie arbeiten und wann sie zu Hause auf dem Sofa fernsehen. Außerdem müssen sie keinen Lärm beim Eindringen in die Wohnung machen, denn die fernbedienbare Haustür öffnet sich bereitwillig und Alexa begrüßt sie mit den Worten „schön, dass du da bist.”

Beitragsbild: flickr.com/MaxFragg lizenziert nach Creative Commons.