Studieren im Pophimmel

Clueso, Juli, Mousse T., Smudo: Die Liste der Gäste an der Popakademie ist lang. In gemütlicher Runde geben die Stars im Open House nicht nur Tipps, sondern lassen auch tief blicken. Smudo machte zum Beispiel keinen Hehl daraus, dass die Fantastischen Vier beim produzieren neuer Alben gerne mal „ein bisschen Zeuch“ nehmen. Oder Marcel Römer, Schlagzeuger der Band Juli, der gesteht, dass er vielleicht nicht der beste Drummer ist – „aber ich habe einen ganz schön festen Punch!“ Hier hat Jens Musikbusiness studiert – einen Studiengang den es so in NRW einfach nicht gibt!

Jens ist auch als DJ unterwegs.

Jens ist auch als DJ unterwegs.

Konzerte statt Studium

Dabei hat Jens mit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Lüneburg angefangen. Doch Bühnen statt Wirtschaftsbücher; Jens trieb sich mehr im Kulturreferat des AStAs herum, als im Hörsaal. In zwei Jahren hat er 25 Veranstaltungen und Konzerte in Diskos und auf dem Campus organisiert. „Ich wusste immer, dass mir etwas fehlte, das mein Studium eigentlich nicht das Richtige ist.“ Noch klarer wurde es ihm bei einem Praktikum bei der Konzertagentur FKP Skorpio, die unter anderem das Hurricane-, Southside- oder Highfield Festival ausrichtet.

Als Jens durch Zufall von der Popakademie erfährt, bewirbt er sich. Angeboten werden die beiden Studiengänge „Musikbusiness“ und „Popmusikdesign“. Beim Aufnahmetest kämpfte Jens um einen von 25 Musikbusiness-Plätzen. Er musste zeigen, wieviel Ahnung er von Musik hat. Danach wurde er von der Leitung der Popakademie und externen Beratern aus der Musikbranche in die Zange genommen. Dabei waren unter anderem auch Berater von Plattenfirmen wie „Universal“ und „Edel“. „Warum wollen Sie zur Popakademie? Was motiviert Sie? Warum sollten wir eher Sie nehmen, anstatt eines anderen Bewerbers?“ Jens hat es geschafft.

“Schon in den ersten drei Semestern haben vier Leute abgebrochen”

„Das Studium hier ist auch nicht leichter als ein Studium an jeder anderen Hochschule.“ Die Studienform ähnelt der einer Fachhochschule. An fast allen Wochentagen ist Unterricht, teilweise wird man von Mitarbeitern aus der Musikbranche unterrichtet. So kann es durchaus vorkommen, dass für das Fach „Kreative Arbeit“ plötzlich ein Mitarbeiter von „Edel Record“ vor den Studenten steht. „Die Anforderungen sind ziemlich hoch. Bereits in den ersten drei Semestern sind vier Leute gegangen.“ Da nur 25 Studenten pro Jahr für den Studiengang aufgenommen werden, klappt die Zusammenarbeit untereinander gut. „Die Studenten hier sind äußerst zielstrebig und wissen, was sie wollen. In jedem von uns schlummert eine kleine Künstlerseele!“ Von den anderen Studis ist die „Pop-Elite“ aber abgeschirmt, da die Akademie nicht auf dem Campus ist.

Das Elektrolabel von Jens.

Das Elektrolabel von Jens.

Doch es steht nicht nur Spannendes auf dem Stundenplan: Auch Zivilrecht und Buchhaltung gehören beherrscht. Ganz klar, dass man bei so viel Input das Gelernte auch in der Praxis umsetzen will: Bereits 2005 kam die Idee auf, regionale Bands zu unterstützen. „Wie viele Städte hat auch Mannheim tolle Musik zu bieten, aber oft fehlt es den Musikern an einem Management, dass sie leitet und unterstützt.“ So kam Jens auf die Idee, ein kleines Label zu gründen. Unter dem Namen „True Till Deaf Records“ vertreibt er CD’s, organisiert und promotet Bands. Ein zeitintensives Hobby: „Das ist extrem viel Arbeit! Geld stand dabei nie im Vordergrund, sondern immer nur der gemeinsame Erfolg.“ Für das Geld, gibt es Nebenjobs. Jens arbeitet in Diskotheken als DJ und reinvestiert das Geld in die Bands. Außerdem beginnt er selbst unter dem Namen „Lastjenstodance“ elektronische Musik zu machen, schreibt zudem für das Musikmagazin „Subculture“. Ihm wird klar, dass auch die große Elektroszene kaum Plattformen hat. Also gründet er  2008 ein eigenes Label für elektronische Musik: „Eydition“

„Ich sage nie: Baby, ich bring dich ganz groß raus!“

Im Vordergrund steht, Künstler bekannt zu machen,„aber ich sage nie: Baby, ich bring dich groß raus!“ Stattdessen: Kenntnisse vermitteln. „Gerade in der Elektroszene ist es oft so das man die Lieder kennt, aber nicht weiß, wer welchen Sound macht, oder von wem die Lieder sind.“ Für Jens ist es am wichtigsten, dass ihm seine Arbeit Spaß macht, dann spielt das Geld eine Nebenrolle. Aber natürlich hofft er, dass seine Projekte einen großen Erfolg haben werden: „Die Saat ist gesetzt. Jetzt wird gegossen!“

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