Rechte Musik

In unserer Europa-Woche stellen wir euch jede Menge Dinge vor, die unser Leben in der europäischen Gemeinschaft ausmachen.
Leider wird diese Gemeinschaft immer wieder bedroht. Rechtsextreme Parteien gehen auf Stimmfang. Ein beliebtes Mittel ist dabei auch Musik.

In Deutschland versucht besonders die rechtsextreme NPD seit Jahren, Wähler zu gewonnen, indem sie rechte Musik kostenlos verteil. Vor allem das Stichwort „Schulhof-CDs“ spielt hier eine wichtige Rolle. Das sind CDs, die die Partei in der Nähe von Schulen oder Jugendzentren kostenlos verteilt hat. Meistens macht die Partei das vor Wahlen, um die Leute mit der Musik anzufixen. Und die Macher der CDs legten sogar Beitrittserklärungen zu der CD dazu, mit denen Interessierte dann ihre NPD- Mitgliedschaft direkt beantragen konnten.

Nicht nur Rock, sondern auch Rap

Zum einen ist der „klassische“ Rechtsrock, den es schon seit Jahrzehnten gibt, ein wichtiges Werbemittel. Vor allem bekannte Bands wie Landser oder Sleipnir spielen seit vielen Jahren eine wichtige Rolle. Es gibt aber auch internationale Bands. Zum Beispiel in den USA oder in England.

Jan Raabe, bekannter Sozialpädagoge und Experte für rechte Musik, sagt im Gespräch mit uns, dass es nicht nur Rock ist, der von den Parteien verbreitet wird. „Es ist schon so, wenn wir uns den Markt, oder den Bereich rechter Musik angucken, dass man da nicht von einem bestimmten Stil ausgehen kann. Also, wir können jetzt nicht sagen: „Rechte Musik ist Rockmusik.“

Es gibt also nicht nur den Rechtsrock, sondern gerade im Moment auch zum Beispiel rechten Hip-Hop. Rechter Hip-Hop ist zwar meistens nicht sehr raffiniert gemacht, es gibt also keine besonders guten Beats. Und auch die Texte sind oft nicht sehr kreativ. Jan Raabes Einschätzung nach liegt das daran, dass Rechte Hip-Hop lange nicht als Musikform anerkannten, die sie nutzen könnten, weil sie ihren Ursprung in der von Schwarzen dominierten New Yorker Bronx hat. Es gibt aber auch Ausnahmen wie den rechten Rapper „Makks Damage“, der durch eloquenteren rechten Hip-Hop auf sich Aufmerksam macht.

Jan Raabe bezeichnet ihn im Gespräch sogar als „Ausnahmekünstler“ – mit ganz dicken Anführungszeichen versehen. Makks Damage rappt ganz klar ausländerfeindliche, nationalistische und europafeindliche Texte, die auch die NPD schon für sich auf einer ihrer Schulhof-CDs genutzt hat. Indem nicht nur Rock, sondern auch Rap auf rechts gedreht wird, sollen dann auch andere potenziell anfällige Leute angesprochen werden, die zum Beispiel nicht so gerne Rock hören möchten.

In der rechten Szene funktioniert das Konzept recht gut. Aber die Musiker wollen gerne auch neue Leute dazugewinnen, die vielleicht noch gar nicht in Berührung mit dieser Art Musik gekommen sind. Sie versuchen deshalb, die Musik über das Internet zu verbreiten. Vom Schulhof geht es also ins Internet.

Ein Beitrag von Jan Kischkel und Gian-Luca Delbach

<- zurück zu „Du, ich & Europa“