Borderline – Wenn man Glück nicht mehr ertragen kann

„Nicht therapierbar!“, lautete die Diagnose der Therapeutin von Dana*, einer jungen Studentin aus Köln. Nicht weniger als fünf Fachärzte bestätigten ihr bereits, dass sie am Borderline-Syndrom erkrankt ist. Genauer: Sie leidet an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung. Therapie oder Klinikaufenthalt – Beides hat Dana* hinter sich. Aber helfen konnte ihr bisher niemand. Ihre einzige Chance sei nur noch eine Selbsthilfegruppe, sagten ihre Therapeuten. Aber das will die 24-Jährige auf gar keinen Fall.

Dana* gehört zu den Menschen, die an einer Persönlichkeitsstörung, dem Borderline-Syndrom leiden. Sie lebt in einem Gedanken- und Gefühlschaos. Angst, Realitätsverlust, Schwarz-Weiß-Denken, Alkohol-, Drogenkonsum und sogar Selbstmordgedanken sind ihre ständigen Begleiter – das alles sind typische Symptome der vorwiegend bei Frauen diagnostizierten Krankheit.

26.000 Borderline-Patienten waren 2007 in stationärer Behandlung

Borderline: Gratwanderung zwischen den Emotionen, Foto: Bilal El-Sahili

Borderline: Gratwanderung zwischen den Emotionen, Foto: Bilal El-Sahili

Anscheinend trifft es häufiger Frauen als Männer: In der Krankenhaus-Diagnose-Statistik des Statistischen Bundesamtes waren 2007 rund 21.000 Frauen wegen Borderline in stationärer Behandlung. Dem gegenüber stehen “nur” 5.000 männliche Patienten auf. Dr. Thomas Jacoby, Leiter der Borderline-Station der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer, hat seine ganz eigene Erklärung, warum weniger Männer mit der Diagnose Borderline erfasst sind: “Mehr als die Hälfte der Betroffenen sitzen im Gefängnis: Männer mit Borderline-Syndrom richten ihre Impulsivität nach Außen. Sie begehen Straftaten, werden sogar gewaltätig.” Es kämen mehr Frauen in Behandlung als Männer, weil sich bei ihnen die Aggession eher gegen sich selbst richte. „In Deutschland leiden rund ein Viertel aller in psychiatrischen Kliniken behandelten Patienten an einer emotional instabilen Persönlichkeit, sprich Borderline“, bestätigt Dr. Jacoby, wobei die Ursachen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) häufig eine Mischung aus angeborenem Temperament, schwierigen Erfahrungen in der Kindheit und subtilen Formen neurologischer und biochemischer Dysfunktionen sind.

Professor Bernd Göhing, psychologischer Berater am Campus Essen, relativiert jedoch die Zahl der Borderliner, spricht sogar von einem Modewort: „Ist es was Schlimmeres, dann wird das immer gleich ‚Borderline‘ genannt.“ Persönlichkeitsstörungen manifestierten sich seiner Auffassung nach erst ab 30. Vorher würden bestimmte Symptomatiken häufig von allein heilen. „Ist jedoch die Prognose einmal gestellt, dann ist man stigmatisiert.“ Das sei nicht zuletzt tragisch für die Betroffenen selbst. Sie würden dann nicht so leicht los, was sie plagte.

Im Gedanken- und Gefühlschaos

Licht am Ende des Tunnels, Foto: Bilal El-Sahili

Licht am Ende des Tunnels, Foto: Bilal El-Sahili

“Das Borderline-Syndrom wurzelt bei mir in einem Trauma”, erzählt Dana*. Ihre Eltern, die Dana* sehr streng erzogen haben, ließen sich scheiden, als sie vier Jahre alt war. Der Vater erhielt das alleinige Sorgerecht. ”Mit neun Jahren wurde ich von ihm zur Adoption freigegeben, weil seine neue Freundin es so wollte.“ Sie lebte fortan bei ihrer Mutter, wo Gewalt zum Alltag wurde. Bis heute hat Dana* Bindungsängste. “Was ich jetzt hab? Na auf jeden Fall eine Beziehungsstörung zu Männern,” erklärt die 24-Jährige.“Ich verschwende mein Geld, konsumiere Unmengen an Alkohol und vergraule alle Männer. Wenn mir jemand weh tut, dann tu ich ihm noch mehr weh.“
Als Dana* mit 19 Jahren schwanger wurde, entschloss sie sich, das Kind zu bekommen und es allein großzuziehen. Ihr Sohn ist heute fünf Jahre alt. “Ob ich eine gute Mutter für meinen Sohn bin? – Um ehrlich zu sein: ich weiß es nicht.” Oft ginge sie auf Distanz zu ihrem Kind, weil sie sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Dana* versucht ihre Gedanken zu beschreiben: “Niemanden kannst du an dich ranlassen. Jeden willst du verletzen, schlussendlich auch dich selbst – dafür, dass du so bist wie du bist.” Dabei fügt sie sich selbst Schmerzen zu.
Jacoby kennt diesen Krankheitsverlauf, sagt jedoch: “Selbstverletzung ist ein hervorstechendes Merkmal, aber nicht automatisch bei jedem Borderline-Erkrankten der Fall.” Dennoch beobachte er die Zunahme der Krankheit und mit ihr die Anzahl der Hilfseinrichtungen. Einige Kliniken spezialisieren sich ausschließlich auf Persönlichkeitsstörungen. „Unsere heutige Welt scheint ein guter Nährboden für Krankheiten dieser Art zu sein.“ Immer häufiger litten junge Menschen an einer gestörten Persönlichkeit, bedingt durch den fehlenden Halt der Eltern im Kindesalter und durch die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft, so Jacoby.

Leben in zwei Welten

Während Dana* über den Verlauf ihrer Geschichte spricht, bekommt sie einen Borderline-Schub. Sie wird unruhig und traurig. Sie meint den Grund dafür zu kennen: Vor kurzem habe sie einer Freundin von ihrer Krankheit erzählt. „Doch sobald ich drüber rede, geht der Schub los – Alte Wunden klaffen wieder auf.“ Dana* wurde verletzend und bösartig. Am Ende stand eine zerstörte Freundschaft und zwei Menschen, die sich nicht verstehen können, weil sie in verschiedenen Welten leben. “Egal, welchen Weg ich gehe, jeder Weg ist am Ende der falsche, weil ich den Mittelweg nicht finde”, sagt sie. Mittlerweile setzt Dana* sich bewusst mit ihrer Krankheit auseinander. Sie will herausfinden, wer sie ist, und wie es den anderen geht. Für sie sei es beruhigend zu erfahren, dass andere Menschen ähnlich empfinden wie sie.

Peperoni zum Frühstück

Peperoni zum Frühstück - Eine ungefährliche Methode um die Anspannung bei Borderlindern zu lösen. Foto: Martina Vogt

Peperoni zum Frühstück - Eine ungefährliche Methode um die Anspannung bei Borderlindern zu lösen. Foto: Martina Vogt

So wie Dana*, setzt sich auch Marlene* bewusst mit ihrer Krankheit Borderline auseinander. Dafür wählt die Dortmunder Studentin Wege, die für einen Außenstehenden zunächst sinnlos erscheinen. „Wenn ich agressiv werde, hole ich mir den Kick mit dem scharfen Reiz“, erklärt die 27-Jährige. „Für solche Situationen habe ich immer ein Glas mit extra scharfen Peperoni dabei.“ Die Schärfe ersticke die Wut rechtzeitig. Nicht nur gegen Wutausbrüche hat Marlene* ein Hausrezept: Wenn sie sich wieder in die Realität “beamen” will, schnippst sie mit ihrem Gummiband gegen das eigene Armgelenk. Dr. Jacoby kennt diese Handlungen, denn sie sind Teil der in der 90er Jahren entwickelten Skills-Methode. Viele Borderliner schneiden sich, um die Anspannung zu lösen. Bei der Skills-Methode werden ungefährliche Alternativen entwickelt, mit denen die Patienten einen Borderline-Schub dämmen können. „Und sie ist mehr als wirkungsvoll“, bestätigt Dr. Jacoby. Skills sind Fähigkeiten, die ein Patient erlernen sollte, um besser mit seiner Krankheit umgehen zu können. „Es geht im Kern um die Beherrschung der Gefühle und darum, die zwischenmenschlichen Fähigkeiten erneut zu erlernen”, erklärt Jacoby.

„Ich konnte es nicht ertragen, wenn es zu gut in meinem Leben läuft“

Wenn sich Marlene* heute im Spiegel betrachtet, sieht sie darin meist eine hübsche glückliche Frau. Viele Borderliner ertragen aber den Zustand des Glücks nicht lange.
„Ich konnte oft nicht damit umgehen, wenn es zu gut in meinem Leben lief“, sagt Marlene* schüchtern. “Ich hatte Angst, dass in einer guten Phase schlagartig etwas kippt und alles schlecht wird.”
Hilfe brachte Marlene* ein 6-monatiger Aufenthalt in der Psychiatrie. Danach kam sie in ein Betreutes Wohnen. „Ohne diese Einrichtung wäre ich heute wohl nicht mehr am Leben“, sagt Marlene*. Im Betreuten Wohnunen half ihr das Mitteilen ihrer Probleme, Sorgen, Ängste und auch ihrer Wünsche und Träume. Eine richtige Borderline-Therapie habe sie nie gemacht.

“Ich will gesund werden”

Auf die Frage, wann ihr Wendepunkt war, antwortet Marlene*: „Mit Beginn des Studiums in Dortmund. Durch das Studium fing ich an, mit meiner Krankheit zu leben und es zu akzeptieren.“ Heute ist die junge Frau 27, fängt gerade an sich so wie sie ist zu akzeptieren und ist stolz auf die Krisen, die sie bisher gemeistert hat. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bei mir ein Happy End geben wird. Ich will zeigen, dass man trotz so einer Geschichte, ein Teil der Gesellschaft sein kann.“ Auch wenn sie immer stabiler wird, weiß sie, dass die Angst, Vertrauen zu anderen zu fassen, ein Teil von ihr bleiben wird. „Es ist wie bei einem trockenen Alkoholiker: Es geht nie völlig weg“, sagt sie und lacht ein bisschen dabei. „Jammern ist leicht!“ Ich will mich nicht rausreden, ich will gesund werden und kämpfen.”

*Name von der Redaktion geändert

27 Comments

  • Oliver Spranger sagt:

    Hallo, mein Name ist Oliver. Ich habe kein Borderline bin aber seit 3 Jahren mit einer Frau zusammen die Borderline hat. Ich liebe meine Frau sehr, komme manchmal aber an meine Grenzen da ich eigentlich sehr wenig über die Krankheit weiß. Deswegen ist es für mich immer hilfreich Artikel über Borderline im Internet zu lesen. Ich wünsche allen Leuten mit Borderline trotzdem das sie trotz der Krankheit den Mut nicht verlieren und weiter ganz fest an sich glauben Lieben Gruß Oliver

  • Hannes W. sagt:

    Hallo,
    danke für diesen Artikel, ich habe mich vor einigen Jahren in eine Frau mit Borderline verliebt. Wir sind innerhalb von kürzester Zeit zusammengezogen und am Anfang lief alles prima. Ich dachte sie wird die Liebe meines Lebens. Zu der Zeit ging alles relativ schnell – ich lernte ihre Eltern, sie meine usw. Ich bin als Mensch schon immer unternehmungslustig, fröhlich, sehr gepflegt und liebte mich mit vielen Menschen zu umgeben.

    Heute ist es leider das Gegenteil. Lebe mittlerweile zurückgezogen, keine Spur von Lebensfreude, Freunde haben sich von mir distanziert. Bin leider in ein schwarzes Loch gefallen, wo ich leider total hilflos mit dieser Situation bin und trinke sogar. Der Job ist auch zur Nebensache geworden. Ich werde von ihr ständig angegriffen und hab angefangen mich im Internet über dieses Thema zu beschäftigen, mittlerweile bin ich sogar auf der Suche nach einer Therapie. Ich glaub, dass ich keine andere Wahl sehe als mich von ihr zu trennen…
    Ich bin ebenfall über einen interessant Beitrag gestoßen, der sehr aufschlussreich: https://www.derneuemann.net/borderline-beziehung-spaltung/7993 war.
    Er zeigt, eigentlich genau das was ich damals/heute durchmache.

    Gruß

  • yvi sagt:

    Margret,
    Hallöchen ,du sprichst mir aus der Seele ,ich frag mich oft wann hat das alles ein Ende ,ich will nur glücklich sein ,aber alles wird immer schlimmer,ein Mann nach dem anderen betrügen mich ,hab zwar paar Freunde aber ich frage mich. Wie lange bleiben die wieder bis sie mich wieder im Stich lassen ,dieses Gefühl von Einsamkeit ist so unerträglich

  • laura sagt:

    Hallo… ich finde es ja gut wenn Menschen Infos zu Krankheiten vermitteln wollen aber ganz ehrlich. … dieser Artikel ist nicht die Wahrheit…. 1. Ist man kein Borderliner sonder man hat Borderline so wie man auch Depression hat und keine IST. 2. Die Beschreibung der Skill nuten ist falsch!!! Mann isst die Chillies um seine Anspannung also den Seelischen Schmerz herunter zu.bringen nicht um nicht Aggressiv zu sein. Anspannung kann auch sein, dass man für mehrere Stunden unkontrolliert weint und die Realität verlässt sprich disspziiert….
    ich find es unglaublich wie oberflächlich hier auf diese Krankheit eingegangen wird.

  • Kiki Rieckmann sagt:

    Man kann kein Borderliner sein unter 30 Jahren-man hat ja noch Zeit das Leben nachzuholen.
    richtig gebrochen ist man erst wenn man mit 40 nichts für sich allein hatte.
    Vorher kann man Alles,wirklich Alles noch nachholen !

    Sie ist hysterisch,weil man ihr es so einredet.

  • hopla sagt:

    „Wenn man Glück nicht mehr ertragen kann …“

    Tja, es gibt halt mehr Aufmerksamkeit für einen Borderliner, wenn er regelmäßig ein Megadrama veranstaltet.
    Am besten als Wettrennen, aber das macht ihr hier sowieso schon wieder,
    welchem Borderliner geht’s am schlechtesten …

  • Lisa sagt:

    Andre,
    Ich hätte NIEMALS gedacht, dass es einen Menschen gibt, der GENAUSO denkt wie ich. Auch wenn du das nie lesen wirst, schade, dass wir nicht in Kontakt kommen konnten. Der Kapitalismus tötet die Nächstenliebe und das solidarische miteinander. Alle werden krank, doch keiner erkennt den Auslöser.

    Andre,

  • Nosferatu sagt:

    Andre,

    Andre,

    hallo Andre,
    mich hat Deine“Geschichte“ die Du hier so wahrheitgetreu niedergeschrieben hast,sehr berührt.
    Ich kann Dir nur rechtgeben weil ich vollkommen Deiner Meinung bin.
    Ich selbst,wbl,52 Jahre alt,lebe bereits seit zig Jahrzehnten mit BL-Symptomen,vor 3 Jahren erst …nach einem totalen Zusammenbruch…habe ich BL diagnostiziert bekommen.
    Nun steh ich seit 2 Jahren unter Medikamenteneinfluss-Sicherlich geht es mir damit besser,was SSV,Zwänge anbelangt…aber die Kindheit holt mich immer wieder ein.
    Ich lebe total zurückgezogen von der Menschheit,habe an nichts InteresseMeinen Beruf,den ich eigentlich sehr liebe,habe ich jetzt vor kurzem hingeschmissen,weil ich kapiert habe, (durch die Medikamente)mich nicht mehr ausnutzen lassen zu muessen…wie Du so schön beschrieben hast.Nun bin ich seit Wochen im Krankenstand und warte auf nen Therapieplatz,und das mit schlechtem Gewissen…..ich bin es ja gewohnt,für andere zu funktionieren.
    Wie Du siehst,hat sich diese BL Symptomatik sehr stark bei mir eingebrannt.
    Die vermeintlich Gesunden machen die Kranken noch kaputter wie sie schon sind,obwohl die Kranken doch vielmehr Liebe in sich haben.
    Ich wünsch Dir viel Kraft und alles Gute.

  • Wayne sagt:

    Also liebe…..

    Das können borderliner sowieso …

    Geliebt werden …

    Ich habe mal eine Frau getroffen die ich behandelt habe wie Dreck, typisches du bist toll , du bist Abfall , und immer wieder

    Diese (wahnsinns-)Frau hat sich aber nicht davon irritieren lassen. Sie ist ruhig geblieben und war trotzdem immer nett zu mir. Das hat sich immer weiter hochgeschaukelt bis es ihr zuviel wurde, sie ist aber trotzdem ruhig geblieben.

    Ich war übelst hilflos, ich Pack meinen ganzen verletzenden Dreck aus, und sie bleibt lässig Zitat: ‚der meinst nicht so‘

    Ich bin mirvorgekommen wie ein Kind das nach seiner Mutti schreibt, und irgendwie auch gecheckt das ich das eigentlich gar nicht brauche, sondern auch einfach nur eine gute zeit rmit ihr haben kann.

    Hört sich einfach an, ist es im Prinzip auch.

    Die Ausführung war natürlich schwerer, ca. Drei Jahre durcheulen, nahtoderfahrungen, entwöhnen von allen Süchten (binging:Alk, Drogen,essen,Nikotin), aussöhnen mit den Eltern ( ich hab ihnen mitten ins Gesicht über alle meine Fehler erzählt) , ich hab Glück das meine Mutter keinen kompletten Dachschaden hat, sie hat mich umarmt, und ich kann euch sagen ich hab’s als 25 jährigem Mann damals genossen. Ich wollte das meine durche Mutter mich umarmt, das war schwer, aber erleichternd, ich konnte ihr verzeihen.

    Ein Jahr später hatte ich meine erste normale, nicht bl-mäßige Beziehung. Dieses mal war meine Freundin die fertige (leicht narzisstische Mutter, komplexe, Ängste, psychosomatische Reaktionen, untergewichtig).

    Und ich wusste wie ich damit umzugehen habe, ich bin durch die verfickte Hölle gegangen um bl wegzubekommen – und aufrecht zurückgekommen. Sie war ein offenes Buch für mich, ich war mit allen Wassern gewaschen – und konnte daher für sie da sein.

    Und ich Sage noch weiter: Sie zu führen, Sie zu halten, ihr das selbe zu geben was mir eine andere Frau gegeben hat war ein riesengefühl.

    Leute gebt nicht auf, auch wenn nicht immer – manchmal erfüllen sich Hoffnungen. Und wenn es passiert, fühlt es sich wirklich wie Erlösung an, nur eben nicht auf eine Kranke Art.

  • Margret sagt:

    zejnep,

    Ich habs vor 10 Jahren Diagnostiziert bekommen und bin auch sauber von alkohol und drogen. hab mich auch nie geritzt, nur manchmal bestehende verletzungen aufgekratzt.
    Charakteristisch sind bei mir starke anspannung, nervosität bis zur panik und auch ein
    leeres gefühl. manchmal steh ich so neben mir und guck mir zu bei meiner arbeit und finds dann total sinnlos was ich mache. wenns mir gut geht und alles gut läuft hab ich grundlos angst dass ich dafür bald bestraft werde. irgendwie immer stress, wenns schlecht läuft sowieso und wenns gut läuft blöderweise auch. Ich komm mit meinem geld aus, bin meinem partner treu und hab eine gute ausbildung und viele jahre gearbeitet.
    Trotzdem leide ich unter der inneren anspannung und fühle mich oft einsam auch wenn ich in Gesellschaft bin. Das ist so belastend, daß ich es schon als Krankheit empfinde, auch wenn nach außen alles normal wirkt bei mir. Wenns ganz krass kommt nehme ich Antidepressiva ansonsten scheint Sport (Tanzen, Rückengymnastik) und Musikmachen zu helfen, weil das von der Anspannung ablenkt. Anfangs hatte ich ein Problem mit Sportgruppen aber je älter man ist desto besser wirds. Die anderen sehen dann halt auch alle etwas zerknautscht aus, und können nicht alles mitmachen, und schauen nicht so genau hin wenn man zwischendurch mal in der Umkleide verschwindet und nur unregelmäßig hingeht….Trotzdem leb ich, und es gibt auch immer mal was zum lachen

  • Andre sagt:

    Ich habe auch Borderline,

    bis vor kurzen bin ich während eines Emotionalen Schubs wutentbrannt in meiner Wohnung auf- und abgelaufen und habe die ganze Zeit laut vor mich hin geschimpft, über die Gesellschaft, meine Vergangenheit, die anstehende Mieterhöhung usw.
    Das ging seit über 2 Jahren so, seitdem ich aufgehört habe mich mit Drogen ruhig zu stellen. Vor über einem Jahr habe ich sogar mit Zigaretten rauchen aufgehört. Alles ohne fremde Hilfe! Jedes mal wenn bei mir wieder ein gedankliches verlangen nach Drogen, Zigaretten oder auch Beruhigungsmedikamenten (die ich für den Bedarf habe) entsteht, sage ich mir das es nichts bringt, da sich die Welt im Außen dadurch nicht verändert und man dann noch extra Stress mit seinem ohnehin schon knappen monatlichen Geldzahlentand bekommt.
    Seit vierzehn Tagen habe ich es geschafft/ durchgehalten nicht mehr laut zu schimpfen sondern nur noch innerlich vor mich hin zu leiden und mich lieber selber zu schlagen wenn ich merke das ich wieder in Wut versinke und in der Vorstufe zu Selbstgesprächen bin.
    Denn mir ist klar geworden das sich die gesunden Menschen einen Scheiß dafür interessieren ob es ihren Mitmenschen schlecht geht oder nicht. Die empfinden ihre Gesellschaft als gerechtes, einzig menschenmögliches Paradies und üben sich bei negativen Lebensereignissen wie Preiserhöhungen und Stress in kollektiver Ignoranz. Jeder der irgendein Problem hat oder mit irgendetwas nicht klar kommt ist für die gesunden ein Querulant, ein Faulpelz, ein Jammerlappen, ein Weichei, jemand mit falscher Lebenseinstellung der selber an seinem Schicksal schuld ist und doch auswandern oder Selbstmord begehen kann (bitte heimlich sonst ist es bösartige Manipulation) wenn ihm sein Leben in ihrer Welt nicht gefällt.

    Nach Liebe suche ich schon lange nicht mehr da:
    1.) Bei Borderline jede Beziehung eh nur eine infantile Wiederholung der frühkindlichen Suche nach Mutterliebe ist um das Stadium der Spaltung endlich überwinden zu können, das man im Rahmen der Beziehung mit seiner Mutter nicht überwinden konnte, da diese selber nicht zu einer wirklich Mutter – Kind Beziehung fähig war. Natürlich muss daran jede erwachsene Partnerschaft der Welt scheitern.
    2.) Ich nicht mehr an liebe glaube, denn in der Welt der gesunden gewinnen nicht die, die ihren Mitmenschen liebe geben und selbstlos sind. In der Welt der gesunden gewinnen die gewissenlosen, Emotionslosen, Gewaltbereiten, Skrupellosen Mobber, Schreibtischtäter und Geschäftemacher, da die anderen gesunden Angst vor der Macht solcher Menschen haben.
    Was wiederum der Grund ist warum immer mehr gesunde Menschen psychisch krank werden, da bösartige gesunde Menschen die ihre Mitmenschen gezielt zum Opfer machen/ Kränken nicht als Krank sondern als Selbstbewusst gelten.

    Mich wundert es immer wieder und verlangt mir „Ohne Ironie!“ Respekt ab, wie viele Borderliner ihre Krankheit behandeln lassen wollen um wieder ein normales Leben unter den gesunden Menschen führen zu können.
    Ich persönlich will das nicht mehr seitdem ich mich wieder an alle traumatischen Erlebnisse erinnern kann die mich krank gemacht haben. Es waren die gesunden Menschen denen ich meine Krankheit verdanke, es sind die gesunden Menschen die sich tagtäglich gegenseitig wegen Geld und Macht in den Burnout stressen und bis zum Herzkasper abhetzen. Es ist die Gesellschaft der gesunden Menschen, die mich zur Strafe dafür, das ich mich von ihr krank machen lassen habe, von einer so niedrigen Rente mit Wohngeld leben lässt, das mir nach Abzug von Strom, Miete und GEZ noch 190 € im Monat für alle andern Ausgaben bleiben. Und dann wenn ein Betroffener Schulden hat kommen sie daher die studierten Ärzte und erzählen Borderliner können nicht mit Geld umgehen und sind grundlos deprimiert.
    Menschen die in Gefangenenlagern, in Kinderheimen oder als politische DDR Häftlinge traumatisiert wurden bekommen dafür extra Rente, Menschen die von ihrer Familie, ihrer Kindergärtnerin, ihren Mitschülern, ihren Arbeitskollegen traumatisiert wurden, werden mit Armut bestraft. Wer sich beklagt bekommt zur Antwort das man in anderen Ländern, als für die Gesellschaft wertloses Leben (das man nach kapitalistischen Maßstäben ist) verhungern müsste und froh sein soll das man überhaupt Rente bekommt.

    Mir geht es nicht darum vom deutschen Steuerzahler Rente zu kassieren, soll der doch von seinen Steuergeldern lieber seine internationalen Konzerne, seine Pleitebanken, seine Armeen und seinen Kriegswaffenplunder bezahlen. Das bezahlt er gerne, darüber beklagt er sich nicht, das ist für den Deutschen Steuerzahler wertvoller wie ein Menschenleben.

    Ich halte es wie im Film „Platoon“ ich zähle die Jahre die hinter mir liegen und freue mich über jeden Tag der vorbei ist, bringt er mich doch meinem natürlichen ende wieder einen Schritt näher. Um so eher ich die Staatskasse entlasten kann, umso besser, Sparen für Wirtschaftswachstum, um den Preis seiner Existenz ist die neue moderne Bürgerpflicht.

    In der Hoffnung auf baldiges Ende schließe ich den Text
    mfg
    Andre

  • Jessica sagt:

    Ich leide auch an borderline. Habe mal gelesen, dass sich stark kneifen bei einem plötzlich auftretendem Schub helfen soll, seine Emotionen und Gefühle in so einem Moment in den Griff zu bekommen. Ich kann nur sagen PUSTEKUCHEN!! Wer so eine scheisse schreibt, gehört georfeigt!!

  • zejnep sagt:

    hallo ich bin auch borderline aber warum nehm ich nicht drogen oder alkohol ? bin sehr sauber nur bin sehr nervoz kann mich jemand sagen warum ?

  • Death sagt:

    Ich möchte mich Anonymous‘ Meinung vom 23. November 2012 anschließen. Ich leide selbst unter Borderline und mir kann nichts und niemand helfen. Skills und Therapien können den Schmerz, keine Liebe erfahren zu dürfen, nicht wegmachen. Jeder wird mit mir übereinstimmen, dass Drogen keine Lösung sind, aber ein durchaus gängiger Stoff, den so manche Borderliner benutzen um Zustände aushalten zu können. Ich sage, dass mir meine Droge das Leben gerettet hat (und es jedes Mal tut, wenn es mir schlecht geht).
    Skills können das nicht.

    Und zu dem Thema „Borderline – Wenn man Glück nicht mehr ertragen kann“ kann ich nur sagen, dass ich nicht glaube, dass ich kein Glück ertragen kann. Ich habe einfach nur keines.

    Zu “Nur mir gehts schlecht und du hast keine Ahnung”…”Mir gehts aber viel schlechter!”. Es bringt mich tatsächlich zum Lachen, weil ich in den Psychiatrien leider sehr viele Leute mit Borderline kenenngelernt habe, die eigentlich alles haben, aber ja so sehr leiden. Ich denke mir, dass in diesen Fällen Pepperoni und Gummibänder helfen, aber wenn jemand wirklich keine Liebe erfahren durfte und gesellschaftlich diskriminiert wird (ich bin 33 Jahre alt), dann sieht die Welt schon anders aus. Ehrlich gesagt, finde ich es sogar ziemlich beschissen, wie diese „Borderliner“ immer wieder diejenigen von sich stoßen, die sie lieben, als ob sie die Gewissheit hätten, dass da immer jemand nachkommt. Ich würde mich anders verhalten. Ja, also ich fidne schon, dass es unter Borderlinern auch Abstufungen gib. Es gibt leichtere Fälle und schwerere Fälle.

  • blacknecko sagt:

    ich bin gerade am anfang von therapie und ect und werde kämpfen und mache ausbildung bin fast vertig ich kann von glück sprevchen so eien tolle ausbildungsplatz gefunden zu haben sie nehmen rücksicht auf mich udn ich kann mir abandzu nen tag frei nehmen wen es mir treckig geht aber ich werde nie aufhören zu kämpfen bis es mir bessre geht egall wie offt udn wie tief ich noch falle ich gebe niemals auf bis es mir bessre geht ich hoffe euch geht es allen auch so udn ihr schaft es auch

  • blacknecko sagt:

    da muss ich dir recht geben ich habe auch borderline udn mir geht es trekig aber es hat keiner das recht so zu reden wie manche hier manchen helfen skills udn manchen nicht das heist aber nicht gleich eien ankreifen zu müssen

  • Melanie sagt:

    Gibt es hier jetzt schon Elite-Borderliner, die sich anmaßen beurteilen zu dürfen, ob jemand anders „würdig“ ist „Borderliner“ zu sein oder „nur“ eine depressive Phase zu haben?

    Immer schön nach dem Motto „Nur mir gehts schlecht und du hast keine Ahnung“…“Mir gehts aber viel schlechter!“ „Ich war dreimal mehr in der Psychiatrie als du gewesen sein tun“

    Das finde ich ganz schön schlimm.
    Ebenso wie sich an den Pepperonis hochzuziehen. Ihr helfen Pepperonis. Anderen hilfts sich zu ritzen. Mir hilfts auf die Wand einzuschlagen und zu treten, bis alle Gliedmaßen blau und geschwollen sind.
    Ist das jetzt auch „süss“???? Bin ich jetzt weniger krank als alle anderen hier?
    Zum Kotzen.

  • dark sagt:

    Man muss auch erst herausfinden,welcher Skill für einen geeignet ist. Und ja bei extrem scharfen Paprika bleibt man zumindest in der Realität und trifftet nich in einen Trance Zustand ab,weil man sich intensiv mit den scharfen beschäftigt. Das Gummiband kann helfen aus einen Tranceähnlich Zustand raus zu kommen,durch den Schmerz.(Wenn man sich in den Moment an das Band erinnert).Nicht alle skills passen auf die gleichen Personen,außerdem muss man bei der erprobung der Skills schon zeit investieren und sich drauf einlassen können,das es helfen könnte.Man kann nicht nach den ersten oder zweiten mal sagen,ne das klappt nicht.
    Ich bin mitlerweile dabei mein Abi nachzuholen,ob es klappen wird,kann ich noch nicht sagen,aber zumindest,hab ich es durch manche skills jetzt schon fast ein jahr geschafft,ohne Abzubrechen.
    Wünsch allen hier alles gute und das es irgendwann besser wird.
    Von heilung hat auch niemand gesprochen nur von Minderung und anderen verhaltensweisen.
    Liebe grüsse

  • Egal sagt:

    Es geht nicht um die pepperonis, es geht darum das du dich an irgendwas halten kannst dessen Reiz nicht sofort weggespült wird.

    Es geht nicht darum ob pepperonis intensiver sind als Ritzen oder anderes Zeug. Es geht darum das du dich konzentriert eben nicht soweit begibst.

  • Silver Linings sagt:

    Hallo,

    ich muss mich auch der Meinung anschließen, dass Pepperonis nicht gerade wirklcih hilfreich sind….also, ok, wenns wirklich geholfen hat, glückwunsch, vielleicht ist das der absolute skill für sie… aber naja ich kanns mir nicht vorstellen….
    aber der Artikel ist ansonsten echt gut geschrieben und ich muss die ganze zeit nicken, weil ich weiß und auch fühle, wovon die Rede ist….

  • CestMoi sagt:

    Schön das es der Dame besser geht… Aber ich muss mein Vorrednerin Recht geben. Bei mir selbst wurde vor einigen Jahren die Erkrankung Borderline diagnostiziert… Und bei Pepperoni und Gummibändern fällt mir nur das Wort SÜSS ein.. Ich habe schon einige Skillsgruppen in Kliniken gehabt- nichts hilft. 10 Psychiatrie Aufenthalte… Eine Wohngruppe für 2 1/2 Jahren… Unendlich viele Therapeuten… 2 schwere Suizidversuche die beide die Intensivstation zur Folge hatten… Ich bin jetzt gerade 23 Jahre alt geworden… Es war mir nicht möglich mein Abitur zu beenden weil ich ein halbes Jahr zuvor in die Langzeittherapie kam… jetzt wieder das gleiche: Ich habe eine super Ausbildung… Aber wegen eines Suizidversuches…Psychiatrie! Ich weiss wie so ich so krank geworden bin. Sexueller Missbrauch der eigenen Mutter. Meinen Vater kenne ich nicht. Also sorry aber nochmal ????? Soll ich jetzt Pepperonis essen und alles wird gut… ???

  • Anonymous sagt:

    Omg Ich bin selbst betroffen ..und muss sagen > Das ganze klingt mehr wie eine Hollywood geschichte happy end inkludiert!

    Ach wenn das wirklich alles so einfach wäre…und sogar ein Studium begonnen ? HUT AB!

    Also für mich klingt das als hätte dana nur eine leichte depressive phase oder einfach eine schwierige zeit..

    Aber das man Borderline mit Pepperoni und gummibänder schnipsen einfach so leicht heilt glaube ich zu bezweifeln !

  • Regen sagt:

    Sie ist am Borderline-Syndrom erkrankt, LEIDET aber an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung? Ähmm…

    Für gewöhnlich leidet ein Mensch mit einer schizoiden Persönlichkeit nicht unter seine Zurückgezogenheit.

  • KatiL. sagt:

    Sehr schön geschrieben, dieser Artikel hat mich etwas aufgebaut. Ich kann alles nachvollziehen, allerdings fang ich gerade erst mit allem (Therapie etc.) an.
    lg und alles gute.

  • Anja Willner sagt:

    Guten Morgen Petra,
    die Internetseite http://www.depression-do.de/ bietet viele Infos zu psychischen Erkrankungen an. Unter „Anlaufstellen“ findest du auch einige Kontaktadressen zum betreuten Wohnen in Dortmund. Ein Anbieter ist zum Beispiel der gemeinnützige Verein Halte-Stelle: http://www.halte-stelle.de/

    Ich hoffe, das hilft dir erst mal weiter!

    Viele Grüße
    anja (Redaktion)

  • Wenn ich das so lese geht es mir irgendwie ganz schlecht, da ich genau nachvollziehen kann wie diese Mädchen sich fühlen und welche Ängste sie haben! Aber der Artikel ist wirklich toll und aufbauend!

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