Kino-Tipp: Megamind

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Superhelden-Filme sind out. Superman vergnügt sich mit Lois Lane auf Hawaii. Batman und Spiderman sind seit einigen Jahren nur noch deshalb interessant, weil auch mal ihre dunkle Seite in den Fokus rückt. Die neuen Helden der Filmindustrie sind die Bösen. Die Universal Studios machten in diesem Jahr  mit „Ich – einfach unverbesserlich“ den Anfang. Jetzt zieht DreamWorks mit „Megamind“ nach – und qualitativ vorbei.

Megamind, Roxanne, Titan und  Metroman sind die "Helden" des Films. Filmplakat: Dreamworks

Megamind, Roxanne, Titan und Metroman sind die "Helden" des Films. Filmplakat: DreamWorks

Bösewicht Megamind (blau, großköpfig, Alien) und Superheld Metroman (hautfarben, Astralkörper) sind Erzfeinde seit sie sich im Alter von acht Tagen das erste Mal begegnet sind. Damals werden beide von ihren Eltern in zwei Rettungskapseln gesteckt und Richtung Erde katapultiert, weil ihr eigener Planet dabei ist in einem schwarzen Loch zu versinken. Schon während des Flugs ist klar: Der kleine menschenähnliche, aber mit Superkräften ausgestattete Metroman hat bereits im Babyalter das Selbstvertrauen eines 16-Jährigen, der gerade von drei Mädchen gleichzeitig einen Liebesbrief zugesteckt bekommen hat. Er schubst die Rettungskapsel des kleinen Alienbabys Megamind nach Belieben durchs Weltall und schnappt ihm nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre das deutlich bessere Zuhause weg – während Metromans Kapsel in einer Traumvilla landet, öffnet sich die Glastür von Megamind im Gefängnis.

Wie böse ist der Bösewicht?

Das ist der Anfang einer Geschichte, deren Wendungen und kreative Einfälle so zahlreich sind, dass man sie sich unbedingt anschauen sollte. Nur soviel: Der Endkampf zwischen Metroman und Megamind dauert nur ein paar Minuten, bevor der Fiesling Megamind – auch für ihn unfassbar – als Sieger daraus hervorgeht. Bis dahin liefen die Kämpfe nämlich immer nach einem Modell ab, das er selbst so beschreibt: „Manche gewann er, andere hätte ich fast gewonnen.“ Doch nach seinem Sieg muss er feststellen, dass das gar nicht sein Ziel war. Ein Prozess setzt ein, an dessen Ende sich Megamind fragt, ob er wirklich so böse ist, wie er immer dachte.

Auch die Frauen spielen eine Rolle: Die schöne Reporterin Roxanne verdreht nicht nur Megamind den Kopf. Filmplakat: Dreamworks

Auch die Frauen spielen eine Rolle: Die schöne Reporterin Roxanne verdreht nicht nur Megamind den Kopf. Filmplakat: DreamWorks

Diesem Prozess zuzusehen, macht so großen Spaß, dass man nach den 96 Filmminuten fast ein bisschen traurig ist, dass der Film schon zu Ende ist. Der Film unterhält nicht nur köstlich, sondern regt auch zum Nachdenken an. Er zeigt, dass Menschen nie von Natur aus böse sind, sondern durch falsche Erziehung dazu gemacht werden. Dass manchmal schon ein kleiner Anstoß reicht, um auf die schiefe Bahn zu geraten und dass es, wenn man niemanden hat, der einen leitet, schwierig ist, sich zu ändern.

Das klingt unheimlich gesellschaftskritisch und erzieherisch, doch Megamind funktioniert auch auf „leichterer“ Ebene. Verantwortlich dafür sind unter anderem die liebevoll gestalteten Charaktere, wie Megaminds bester Freund „Minion“ (engl. Gehilfe), ein Fisch mit einem Roboter-Körper, der vielleicht nicht nur ganz zufällig genau so heißt, wie die kleinen Helferlein von Bösewicht „Gru“ aus „Ich – einfach unverbesserlich“. Dass die Dreamworks-Leute ihren Rivalen von Universal hier einen Gruß hinterlassen wollten, ist nicht auszuschließen. Auch sonst wimmelt es von Anspielungen auf andere Filme, ihre Figuren und sogar Barack Obama bekommt sein Fett weg.

Megamind verlässt sich ein bisschen zu oft auf seinen Kopf. Foto: Dreamworks

Megamind verlässt sich ein bisschen zu oft auf seinen Kopf. Filmplakat: DreamWorks

In Amerika ist „Megamind“ an die Spitze der Kinocharts gestürmt, was auch, aber nicht nur, an den Schauspielern lag, die den Figuren ihre Stimme geliehen haben. In Deutschland standen Bastian Pastewka (Megamind), Oliver Kalkofe (Minion) und Oliver Welke (Metroman) vor dem Mikrofon, wobei vor allem Bastian Pastewka mit Megamind zu einem Mega-Pastewka verschmilzt. Man merkt, dass da jemand Spaß mit seiner Figur hatte. Erstaunlich auch die Leistung von Heute-Show-Moderator Welke. Er spricht den Metroman so facettenreich, dass man – ohne es zu wissen – nie darauf gekommen wäre, dass es sich dabei um ihn handelt – und das ist ein Kompliment.

Dass das Ganze nicht nur was fürs Ohr ist, sondern auch fantastisch aussieht und man manchmal glaubt, die animierten Charaktere liefen durch die reale Welt, muss man mit dem Verweis auf die DreamWorks-Studios beinahe nicht mehr erwähnen. Nur die 3D-Version kann man sich getrost sparen, denn trotz drei, vier Szenen, in denen der 3D-Effekt hilft, noch tiefer in die Szenerie einzutauchen, verpasst man nichts Elementares. Wer den Film nicht sieht, dagegen schon.

Von unserem Mitarbeiter Daniel Otto

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