Dortmunder Studenten im Senat ausgebremst

Die Senatssitzung am Donnerstag an der Uni Dortmund wurde erneut für den Protest genutzt. Themen wie die Abschaffung von Studiengebühren und von Anwesenheitslisten standen auf der Tagesordnung. Gelegenheit Protest anzubringen: 130 Studierende stürmten den Saal…
Ein weiterer Aspekt der Forderung nach freier Bildung: Keine Anwesenheitslisten bei Lehrveranstaltungen.

Der Protest gegen die derzeitige Bildungspolitik geht weiter.

Das bestimmende Thema der letzten Wochen lässt nicht lange auf sich warten. Um genau 14.25 Uhr kommt Leben in den Senatssaal am Campus Süd: Etwa 130 Studierende betreten bewaffnet mit Bannern den Raum. Während sich die Protestler hinten im Saal niederlassen, spricht die Rektorin der TU Dortmund Ursula Gather unbeirrt weiter. Ihre Erschütterung über den bisherigen Verlauf des Dortmunder Bildungsstreikes drücken die selbsternannten „freien Studierenden“ mit extra genähten Trauerflors aus.

Der Grund für die Überraschung durch den Protestzug während der Senatssitzung ist simpel: Auf der Tagesordnung stehen auch zwei Anträge der Studierenden. Zum einen die Abschaffung der Studiengebühren und zum anderen die Abschaffung von Anwesenheitslisten. Gestellt wurden sie von Michael Jakubowski vom Komitee für freie Bildung.

Ohne Rederecht: Den protestierenden Studenten wurde in der Senatssitzung am Donnerstag kein Rederecht erteilt.

Ohne Rederecht: Den protestierenden Studenten wurde in der Senatssitzung am Donnerstag kein Rederecht erteilt.

Um 14.51 Uhr kündigt der Senatssprecher Prof. Manfred Bayer den Tagespunkt acht an: Die Senkung der Studiengebühren auf null Euro. Sofort wird aus dem Senat beantragt, diesen Punkt nicht weiter zu diskutieren. Man habe sich in der Vergangenheit darauf geeinigt, „zunächst weitere Informationen und eine solidere Grundlage abzuwarten“.  Antragssteller Michael Jakubowski führt seine Gegenargumente an, doch am Ende stimmt der Senat per Stimmzettel darüber ab. Eine Viertelstunde später wird das Ergebnis verkündet: 13 Senatsmitglieder sind gegen die Diskussion über die Studiengebühren – das ist die Mehrheit. Die Reaktion folgt prompt: die Protestler bringen sich selbst zum Schweigen, indem sich jeder einzelne einen Klebebandstreifen über den Mund klebt.

Während der Abstimmung bekam Jakubowski die Erlaubnis, einen „Offenen Brief zur Richtigstellung der Ereignisse“ zu verlesen. Hier stellt sich der Ablauf der Geschehnisse etwas anders dar: Die Besetzer des Hörsaals, der am Montag geräumt wurde, hätten sich stets dialogbereit gezeigt, die Rektorin sei aber nach dem 26.11. nicht mehr erreichbar gewesen. Die „freien Studierenden“ seien „tief enttäuscht über das radikale Vorgehen des Rektorats“ bei der umstrittenen Räumungsaktion. Abschließend appellierten sie an die Rektorin, die Studierenden nicht zu kriminalisieren und den Strafantrag zurückzuziehen. Gather selbst ignoriert den Vortrag und reagiert auf keinen der angesprochenen Punkte.

Ein offener Brief wurde von Mitgliedern des KffB verteilt. Darin geht es um Klarstellungen zur Räumung des bis zum 30.11. besetzten Hörsaals.

Ein offener Brief wurde von Mitgliedern des KffB verteilt. Darin geht es um Klarstellungen zur Räumung des bis zum 30.11. besetzten Hörsaals.

Weiter geht’s mit Punkt neun der Tagesordnung. Auch der wurde initiiert von den freien Studierenden und fordert die Abschaffung von Anwesenheitslisten in Lehrveranstaltungen. Dieses Thema darf diskutiert werden und stößt generell auf Zustimmung. In einigen Veranstaltungen, wie Sicherheitsunterweisungen sei eine Überprüfung der Anwesenheit jedoch unverzichtbar. Außerdem sei in vielen Vorlesungen und Seminaren eine aktive Teilnahme gefordert, das würde schließlich zusätzliche Prüfungen vermeiden. Eine aktive Mitarbeit setze natürlich Teilnahme voraus. Generell seien Anwesenheitslisten gesetzlich aber gar nicht als Leistungsnachweis anerkannt. Eine Entscheidung bleibt aus.

Während Ursula Gather den Saal am Ende wortlos und schnell verlässt, versammeln sich die Protestanten, ziehen sich die Klebebänder vom Mund und singen. Das sind die letzten Zeilen des Liedes mit dem Titel „Die Autonome Maus“, das extra zur Besetzung geschrieben wurde.:

Die Maus war doch ein cooles Tier (Autor: FaulenzA)

In der Sitzungspause beratschlagen Mitglieder des KffB über die Abänderung ihres Antrags.

In der Sitzungspause beratschlagen Mitglieder des KffB über die Abänderung ihres Antrags. /Fotos: Florian Hückelheim

Ich hoffe nur sie bleibt dabei
Und lebt für immer wild und frei
Ich denk dabei sie macht es gut
Uns fehlt halt doch der Mäusemut
Sein wir doch alle so wie sie
Dann gibt es Mäuseanarchie

Dann sind wir wie die Autonome Maus
und besetzen jedes Haus.
Damit ist die Geschichte aus.

Weitere Informationen über den Bildungsstreik im Ruhrgebiet auf pflichtlektuere.com und

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